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Luftangriff auf Islamisten-Führer Taliban in Pakistan nachhaltig geschwächt?

07.08.2009 ·  Nach dem mutmaßlichen Tod des lslamisten-Führers Baitullah Mehsud durch einen amerikanischen Luftschlag, wird über die Folgen diskutiert. Wie sehr die Taliban in Pakistan durch den Drohnenangriff geschwächt sind, ist umstritten.

Von Matthias Rüb
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Nach dem offenbar erfolgreichen Luftschlag einer amerikanischen Drohne gegen den pakistanischen Taliban-Führer Baitullah Mehsud hat in Pakistan und in den Vereinigten Staaten die Debatte darüber begonnen, ob der Tod Mehsuds eine nachhaltige Schwächung der Taliban am Hindukusch bedeute.

Zwar gab es bis Freitagnachmittag weder von pakistanischer noch von amerikanischer Seite eine offizielle Bestätigung, dass bei dem Raketenangriff auf das Haus von Mehsuds Schwiegervater in Süd-Waziristan der Taliban-Führer neben dessen Frau tatsächlich getötet wurde. Jedoch berichteten Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Informationen aus dem Umkreis Mehsuds sowie aus dem pakistanischen Geheimdienst, Mehsud sei schon in der Ortschaft Nargosey knapp einen Kilometer vom Ort des Angriffs entfernt beerdigt worden. Der pakistanische Außenminister Schah Mahmud Qureshi kündigte an, Mitarbeiter der Regierung würden zum Ort des Raketenangriffs reisen, um die Hinweise zu überprüfen. An der Reise sollten auch Mitarbeiter des amerikanischen Geheimdienstes teilnehmen.

Fünf Millionen Dollar Kopfgeld

Die amerikanische Regierung hatte für die Ergreifung oder Tötung Mehsuds ein Kopfgeld in Höhe von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Washingtons Sonderbotschafter für Pakistan und Afghanistan, Richard Holbrooke, hatte bei einem Besuch in Islamabad Mehsud jüngst als „einen der gefährlichsten und abscheulichsten Männer in der Region“ bezeichnet und versprochen, die Vereinigten Staaten würden ihm künftig „mehr Aufmerksamkeit widmen“ als bisher.

Video: Taliban-Anführer Mehsud vielleicht tot

Pakistanische Medien berichteten, die Regierung und der Geheimdienst in Islamabad hätten den Amerikanern schon bei zwei Gelegenheiten Informationen über den aktuellen Aufenthaltsort Mehsuds gegeben, ohne dass es aber zu einem Angriff gekommen wäre. Offenbar waren die Kommandeure der amerikanischen Truppen am Hindukusch und die Führung im Pentagon am Mittwoch so sicher, dass bei dem Angriff Mehsud und auch dessen engste Angehörige getroffen, aber unbeteiligte Zivilisten verschont würden, dass der Angriff mit zwei von einer Drohne des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA abgefeuerten „Hellfire“-Raketen befohlen wurde.

Des Mordes an Benazir Bhutto verdächtigt

Mehsud war Gründer und Anführer der radikalislamischen Tehrik-e-Taliban Pakistan. Die Extremisten um Mehsud werden von der Regierung in Islamabad verdächtigt, den Mordanschlag auf die ehemalige pakistanische Ministerpräsidentin Benazir Bhutto vom Dezember 2007 geplant zu haben. Mehsud hatte sich jedoch nie des Mordes an Frau Bhutto bezichtigt. Mehsud und die Taliban in Pakistan sollen zudem für Dutzende Selbstmordanschläge in Pakistan verantwortlich sein und in Verbindung mit dem Terrornetz Al Qaida stehen. Einer der schwersten Anschläge, der ihnen zur Last gelegt wird, war jener auf das Marriott-Hotel in Islamabad vor knapp einem Jahr, bei dem mehr als 50 Personen getötet wurden.

Die von Mehsud geführten Taliban in Pakistan sollen bis zu 20.000 Mann stark sein. Im Frühsommer hatten die Taliban des lokalen Führers Maulana Fazlullah, der sich Ende 2007 faktisch der Kontrolle Mehsuds unterstellt hatte, die Kontrolle über das Swat-Tal nordwestlich der Hauptstadt Islamabad erlangt. Nach einer Großoffensive des pakistanischen Militärs konnten die Taliban im Juli aus der einstigen Ferienregion 100 Kilometer vor den Toren der Hauptstadt vorerst vertrieben werden.

Ein schwerer Rückschlag?

Auch nach dem mutmaßlichen Tod Mehsuds, der 1974 in der nordwestlichen Grenzprovinz Pakistans geboren wurde, bleibt die Gefahr terroristischer Anschläge in Pakistan und auch im Nachbarland Afghanistan weiter bestehen. Während der pakistanische Innenminister Aftab Sherpao den Raketenangriff auf Mehsud als „schweren Rückschlag für die Taliban“ bezeichnete, sagte die Pakistan-Expertin Karin von Hippel vom Washingtoner „Center for Strategic and International Studies“, der Tod eines Taliban-Anführers habe gewöhnlich wenig Folgen: „Ein anderer wird kommen und seinen Platz recht rasch übernehmen.“ Zudem konzentrierten sich die Taliban in Pakistan auf den Kampf gegen die Regierung, so dass der Tod Mehsuds wenig auf die Lage in Afghanistan auswirken werde.

Dort wurde am Freitag bei Feuergefechten ein Bundeswehr-Soldat verletzt. Nach Mitteilung des britischen Verteidigungsministeriums vom Freitag waren am Donnerstag drei britische Fallschirmjäger getötet worden. Sie starben bei einer Explosion in der südlichen Provinz Helmand.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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