Home
http://www.faz.net/-gpf-74gzi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Luftabwehr Türkei einigt sich mit Nato auf Entsendung von Patriot-System

Die Türkei hat sich mit den Nato-Mitgliedstaaten auf eine Bereitstellung von Patriot-Abwehrraketen an der Grenze zu Syrien geeinigt. Ein offizieller Antrag werde bald gestellt, sagte Außenminister Davutoglu.

© dpa Vergrößern El Paso im Februar: Verteidigungsminister de Maizière vor einer Abschussrampe des Raketensystems Patriot

Die Nato-Mitgliedstaaten haben sich am Dienstag mit der Türkei auf eine Bereitstellung von Patriot-Abwehrraketen an der Grenze zu Syrien geeinigt. Die Vereinbarung sei mit den Ländern getroffen worden, die über das Abwehrsystem verfügten, teilte sagte der türkische Außenminister Davutoglu. Das sind die Vereinigten Staaten, die Niederlande und Deutschland. Die Verhandlungen über die Patriots seien „in die letzte Phase getreten“. Ein offizieller Antrag werde demnach bald gestellt. Davutoglu bekräftigte, die Raketenabwehrsysteme seien „vor allem“ defensiv. Es gehe um den vorsorglichen Schutz der Türkei und ihrer Bürger. Zu möglichen Stationierungsorten äußerte er sich nicht.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) wies unterdessen Bedenken gegen eine Stationierung der Raketensysteme in der Türkei zurück. Die Sorge, dass es sich dabei um eine Vorstufe für eine Flugverbotszone in Syrien oder eine Einmischung in den syrischen Bürgerkrieg handele, sei „vollständig abwegig“, sagte der Minister am Dienstag im Inforadio des RBB. In diesem Falle wäre eine andere Rechtsgrundlage erforderlich. „Wir wollen das nicht und es geht rechtlich nicht.“ Vielmehr gehe es um einen rein vorsorglichen Schutz des Nato-Bündnispartners Türkei, sagte de Maizière. Ob für die Patriot-Mission in der Türkei ein Mandat des Bundestags erforderlich sei, werde weiter geprüft. De Maizière sagte, er vermute, dass dies der Fall sein werde.

Zu Kritikern aus der Opposition sagte de Maizière: „Die SPD wird wissen, was Bündnissolidarität bedeutet.“ Der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Omid Nouripour, äußerte Zweifel am Sinn einer Patriot-Mission. Die Frage sei: „Sind die Patriots wirklich dazu da, das Territorium der Türkei zu schützen?“ Die Türkei werde derzeit von Mörsern, also deutlich kleineren Geschossen, angegriffen, sagte Nouripour im „Morgenmagazin“ der ARD. „Die Patriots helfen nichts dagegen. Mit denen kann man in der Tat in Syrien einiges anrichten, aber nicht in der Türkei selbst.“

Mehr zum Thema

Was ist das Patriot-System?

Das Flugabwehrraketensystem Patriot wurde ab Ende der 60er Jahre in Amerika als SAM-D (Surface-To-Air Missiles, Development) entwickelt. Seit den Jahr 1982 ist das mobil ausgelegte System in Amerika im Einsatz. Sieben Jahre später wurde es auch bei der deutschen Luftwaffe eingeführt. Die deutsche Industrie war an der Fertigung beteiligt.

Seit 1990 ist die Baureihe Pac-2 auf dem Markt - die Abkürzung steht für „Patriot Advanced Capability“. Die Patriot-Systeme können anfliegende Raketen in einer Entfernung von etwa 68 Kilometern abschießen, sind also nur zur Abwehr von Kurzstreckenraketen geeignet. Ein Startgerät ist mit vier Flugkörpern ausgestattet.

Neben dem Pac-2 gibt es seit einigen Jahren das leistungsfähigere System Pac-3. Es verwendet leichtere Feststoffraketen, die zwar eine geringere Reichweite haben, aber ballistische Raketen wirksamer bekämpfen können. Wegen des Gewichtsunterschieds kann ein Startgerät 16 Pac-3-Lenkflugkörper aufnehmen - gegenüber nur vier der Baureihe Pac-2.

marw.

Quelle: AFP/dpa/Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Flüchtlingskrise EU bereitet sich auf militärisches Vorgehen gegen Schlepperboote vor

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hofft auf einen baldigen Beschluss über eine Militärmission im Mittelmeer. Boote von Schleppern sollen unbrauchbar gemacht werden. Widerstand gegen die Pläne gibt es unter anderem aus Deutschland. Mehr Von Majid Sattar und Michael Stabenow

14.05.2015, 18:10 Uhr | Politik
Spionagevorwürfe De Maizière weist Vorwürfe in BND-Debatte zurück

Bundesinnenminister Thomas De Maizière hat Stellung zur Affäre um den Bundesnachrichtendienst bezogen. Er sagte, er wolle zur Aufklärung beitragen. Mehr

29.04.2015, 15:08 Uhr | Politik
Grenzvorfall Türkei schießt syrisches Flugzeug ab

Türkische Kampfflugzeuge haben Berichten zufolge ein syrisches Flugzeug abgeschossen, nachdem es vorher zwei Mal den türkischen Luftraum verletzt habe. Die Türkei hatte Syrien immer wieder vor Grenzverletzungen gewarnt. Mehr

16.05.2015, 17:43 Uhr | Politik
BND-Affäre De Maizière: Von Vorwürfen gegen mich bleibt nichts übrig

Bundesinnenminister Thomas de Maizière sieht sich in der BND-Affäre entlastet. Anders als in Medien berichtet, habe er als Kanzleramtsminister 2008 nichts über Suchbegriffe des amerikanischen Geheimdienstes NSA zum Zwecke der Wirtschaftsspionage erfahren, sagte der CDU-Politiker nach einer Befragung im Geheimdienst-Kontrollgremium des Bundestages. Mehr

07.05.2015, 09:35 Uhr | Politik
Rüstungsprojekt Entscheidung über Raketenabwehrsystem noch offen

Mit Spannung wird in der Rüstungsbranche erwartet, welche Unternehmen den Zuschlag für eines der teuersten Vorhaben der Bundeswehr erhalten. Die Entscheidung, wer das neue Raketenabwehrsystem herstellt, fällt in wenigen Wochen. Mehr Von Günter Bannas und Thomas Gutschker, Berlin/Frankfurt

15.05.2015, 16:01 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.11.2012, 10:16 Uhr

Neigung zum Ekstatischen

Von Reinhard Bingener

Zungenrede, Heilungen, Dämonenaustreibungen - die Pfingstkirchen inszenieren die Präsenz des Heiligen Geistes so offensiv wie möglich. Der Unterschied zu den traditionellen Kirchen europäischer Prägung könnte kaum schärfer sein. Mehr 7 15