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Luca di Montezemolo Der Mann, der Berlusconi beerben will

09.10.2009 ·  Während der Streit um Silvio Berlusconi immer neue rhetorische Exzesse hervorbringt, präsentiert sich schon der potentielle Nachfolger: Luca di Montezemolo, Präsident von Fiat und Ferrari, strebt offenbar direkt in Richtung Palazzo Chigi.

Von Tobias Piller, Rom
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Ausgerechnet während der Streit um Silvio Berlusconi immer neue rhetorische Exzesse hervorbrachte, präsentierte sich schon der potentielle Nachfolger: Luca di Montezemolo, derzeit Präsident von Fiat und Ferrari, streitet zwar offiziell noch immer ab, dass er politische Ambitionen habe. Wer sich derzeit auf das Niveau italienischer Politiker herablässt, muss ohnehin befürchten, sein Ansehen zu beschädigen. Dagegen wird über Montezemolo berichtet, er strebe ohne Umwege durch die Niederungen der Parteipolitik direkt in Richtung Palazzo Chigi, den Sitz des italienischen Ministerpräsidenten.

In einem schwachen Moment des bisherigen Amtsinhabers präsentierte di Montezemolo dazu eine neue Denkfabrik unter dem Namen „Italia Futura“, an einer besonders edlen Adresse der Stadt. Am Ende einer Flucht von Sälen, unter vergoldetem Stuck und zwischen barocken Gemälden, war das Podium aufgebaut, wo er mit dem Parlamentspräsidenten Gianfranco Fini und dem früheren linksdemokratischen Wirtschaftsminister Enrico Letta diskutierte.

Di Montezemolo beklagt „ein blockiertes Land“

Unter dem Podium stand dabei auf einem großen Spruchband, wie Montezemolo derzeit Italien einschätzt: „Ein blockiertes Land“. Deshalb wünscht sich der Manager nun, dass mehr daran gedacht werde, wo Italien in fünf oder zwanzig Jahren stehen solle. Dass aus dieser Perspektive viele Reformen überfällig erscheinen, ergibt sich für Montezemolo von selbst.

Chancen hätte der 62 Jahre alte Wirtschaftskapitän aber nur, wenn Berlusconi zum Abtreten gezwungen wird und seine Partei auseinanderbricht. Ebenso gehört ins Kalkül, dass die Demokraten als größte Oppositionspartei den Spagat von der Mitte bis zu den Gemäßigten unter den ehemaligen Kommunisten nicht mehr lange durchhalten können. Für diesen Fall könnte ein Montezemolo durchaus auf seine Popularität setzen. Den Italienern hat er immer wieder Gelegenheit zu nationaler Identifikation geboten. Der Rechtsanwalt mit Studium in Rom und New York hatte seine Karriere als Assistent Enzo Ferraris begonnen, war im Alter von 27 zum Rennleiter des Formel-1-Stalls geworden und hatte mit Niki Lauda einen Weltmeistertitel gewonnen.

1990 war Montezemolo der Organisator der Fußball-Weltmeisterschaft, kurz danach der Ferrari-Chef, der nicht nur das Sportwagenunternehmen erfolgreich umgekrempelt hat, sondern auch wieder nach Weltmeistertiteln streben konnte, dieses Mal mit Michael Schumacher. Nebenbei wurde er auch noch Fiat-Präsident und selbständiger Unternehmer, mit einer Beteiligung an einem edlen Möbelhersteller und einem ehrgeizigen Projekt privater Hochgeschwindigkeitszüge für Italien. Als Vorsitzender des italienischen Unternehmer- und Arbeitgeberverbandes von 2004 bis 2008 hat Montezemolo zuletzt in allen Provinzen Erneuerung und Reformen gepredigt, ohne dass sich viel geändert hätte. Obwohl Montezemolo jahrelang omnipräsent schien, wirkt er immer noch als Publikumsmagnet und konnte mit seiner Initiative den Saal mit illustren Gästen und vielen Fernsehkameras füllen.

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Jahrgang 1962, Wirtschaftskorrespondent für Italien mit Sitz in Rom.

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