http://www.faz.net/-gpf-91s9v

„Terrorakt“ in London : Mindestens 22 Verletzte bei Explosion in U-Bahn

  • Aktualisiert am

Ein Polizei-Mitarbeiter am Freitag vor der U-Bahn in der der Sprengsatz explodierte. Bild: AP

Bei einer Explosion in der Londoner U-Bahn hat es nur Leichtverletzte gegeben. Laut Polizei handelte es sich um einen improvisierten Sprengsatz. Die Opfer erlitten vor allem Verbrennungen.

          In einem voll besetzten U-Bahn-Waggon in London hat es nach Medienberichten am Freitag eine Explosion gegeben. Die Behörden gehen von einem Terroranschlag aus. Die Polizei teilte mit, mehrere Menschen seien bei einem Feuer am Morgen in einem Zug verletzt worden. 18 Menschen seien dem staatlichen Gesundheitsdienst NHS zufolge in Krankenhäuser gebracht worden, drei Verletzte hätten diese eigenständig aufgesucht. Keiner schwebe in Lebensgefahr. Auch schwer Verletzte gebe es nicht. Die meisten Opfer hätten Verbrennungen, berichtete die BBC. Premierministerin Theresa May setzte eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats an. Diese soll im Laufe des Tages stattfinden.

          In sozialen Medien kursierte ein Bild von einem weißen Eimer in einer Supermarkt-Tüte, der die eine Explosion ausgelöst haben soll. Aus dem Eimer hingen Drähte. Bei dem Sprengsatz handelt es sich dem Chef der Anti-Terror-Einheit zufolge um eine improvisierte Vorrichtung. Der Sprengsatz soll einem Medienbericht zufolge nicht vollständig hochgegangen sein. Das berichtet „Sky News“ unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen. Die Explosion sei möglicherweise mit Hilfe eines Zeitzünders ausgelöst worden, berichtete die BBC unter Berufung auf eine ungenannte Quelle.

          Die Polizei ermittelt wegen Terrorverdachts. Unklar ist, wie die Bombe in den Zug gelangte. Hunderte Beamte seien damit beschäftigt, Videomaterial und andere Beweismittel auszuwerten, teilte der Chef der Londoner Anti-Terror-Einheit, Mark Rowley, mit.

          Die oberirdische Metro-Haltestelle Parsons Green wurde weiträumig gesperrt, wie die Polizei mitteilte. Auf Fernsehbildern war ein großes Aufgebot an Rettungskräften zu sehen. Die Feuerwehr teilte mit, sie sei mit 50 Mann im Einsatz. Im Fernsehen waren bewaffnete Polizeieinheiten zu sehen. Die Menschen wurden aufgerufen, die Umgebung zu meiden. Der Zugverkehr wurde teilweise unterbrochen.

          Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan sagte in einer Erklärung, die Stadt verurteile die „scheußlichen Individuen, die mit Terror versuchen, uns zu verletzen und unsere Lebensweise zu zerstören.“ London werde sich niemals vom Terror besiegen lassen. An die Bürger appellierte er, ruhig und zu gleich wachsam zu bleiben. Premierministerin May sagte, sie denke an die Menschen, die bei der Explosion verletzt worden seien.

          Der britische Außenminister Boris Johnson rief die Menschen nach der Explosion dazu auf, Ruhe zu bewahren. „Leider habe ich nur eingeschränkte Informationen und es ist im Moment sehr wichtig, nicht zu spekulieren“, sagte Johnson dem Nachrichtensender „Channel 4 News“. „Alle sollten die Ruhe bewahren und ihren Alltag ganz normal fortsetzen, so normal wie es irgendwie geht.“ Johnson verwies für weitere Informationen auf die zuständigen Behörden.

          Der Präsident des Europaparlaments, Antonio Tajani, drückte den Opfern am Freitag sein Mitgefühl aus. „Terrorismus kennt keine Grenzen und wird besiegt, indem man zusammenarbeitet“, erklärte Tajani auf Twitter. Auch die Bundesregierung äußerte ihre Besorgnis.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter, es handle sich um die Tat eines „Verlierer-Terroristen“. Es seien „kranke und verrückte“ Menschen, die im Visier von Scotland Yard gewesen seien. Außerdem forderte er, härter gegen Terroristen vorzugehen und die Einreisebeschränkungen nach Amerika zu verschärfen. Man müsse jetzt „proaktiv und dreckig“ sein.

          Ein bewaffneter Polizist untersucht einen Wagen der Londoner U-Bahn in der Station Parsons Green. Bilderstrecke

          Augenzeugen sprachen von einem lauten Knall und einer „Flammenwand“, die sich in dem Waggon ausgebreitet haben soll. Die Menschen seien in Panik aus der U-Bahn-Station geflohen. Der Vorfall ereignete sich gegen 08.20 Uhr.

          Ein Zeugin namens Emma sagte dem Sender BBC 5: „Ich lief die Treppen runter. Nach einer Weile stapelten sich die Menschen übereinander, weil einige beim Laufen hingefallen waren.“ Eine Mann namens Luke sagte dem Sender: „Es hat sich angefühlt, als würden wir um unser Leben laufen.“ „Ich befand mich im vorletzten Wagen“, sagte eine Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich habe so etwas wie ein Zischen gehört. Ich schaute mich um und sah, wie der ganze Wagen in Flammen geriet und diese auf mich zukamen.“ Eine andere Augenzeugin sagte, sie sei bei der anschließenden Massenpanik verletzt worden.

          Die Zeitung Metro berichtete auf ihrer Webseite, Passagiere hätten nach der Explosion eines weißen Behälters Verbrennungen im Gesicht erlitten. Auf Twitter veröffentlichte Fotos zeigen Frauen, die von Rettungskräften versorgt werden. Die Polizei bestätigte die Echtheit des Fotos noch nicht.

          Großbritannien war in diesem Jahr bereits mehrfach Ziel terroristischer Angriffe mit insgesamt 36 Todesopfern. Im März war ein Attentäter auf der Londoner Westminster-Brücke mit einem Auto gezielt in Fußgänger gerast, bevor er einen Polizisten auf dem Gelände des Parlaments niederstach. Fünf Menschen starben. Bei einem Bombenattentat auf die Besucher eines Konzerts in Manchester im Mai starben 22 Menschen. Acht Menschen verloren ihre Leben bei einem Angriff auf das Londoner Ausgehviertel Borough Market und die London-Bridge. Ein Mann kam bei einem Angriff auf Moscheebesucher Ende Juni in London ums Leben.

          Weitere Themen

          Europa zusammen voranbringen Video-Seite öffnen

          Macron und Merkel : Europa zusammen voranbringen

          Präsident Emmanuel Macron hat bei seiner Rede zum Volkstrauertag die „unerschütterliche“ deutsch-französische Freundschaft beschworen. Angesichts der globalen Herausforderungen forderte er mehr europäische Souveränität. Merkel scheint diesmal mitziehen zu wollen.

          Topmeldungen

          Friedrich Merz zu Gast bei „Anne Will“

          TV-Kritik: Anne Will : Mehr Streit wagen

          Friedrich Merz wird bei Anne Will gegrillt. Das scheint ihm Spaß zu machen. Und manchmal muss er sogar ein bisschen kichern.
          Matteo Salvini und Silvio Berlusconi

          Salvinis Taktik : Finanzpoker mit Brüssel

          Rom macht zu viele Schulden. Ein Bußgeld droht. Doch statt zu zahlen, verhöhnt Innenminister Salvini die „Bürokraten in ihrem Brüsseler Bunker“, denn er hat noch ein paar Asse in der Hinterhand.
          Lächelnd im Konfettiregen: Alexander Zverev wandelt endgültig auf den Spuren von Boris Becker und Michael Stich.

          ATP-WM in London : Alexander Zverev überrollt Djokovic

          Das hätte ihm kaum jemand zugetraut: Der Hamburger besiegt den Weltranglistenersten in zwei glatten Sätzen und gewinnt beim ATP-Finale in London den bislang größten Titel seiner Karriere.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.