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Lima : UN-Klimakonferenz in der Verlängerung

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In einem Boot: Verkleidete Demonstranten in Lima fordern die Staatsoberhäupter auf, sich auf ein Klimaabkommen zu einigen. Bild: AFP

Auf der Klimakonferenz in Lima wird weiterhin um einen Kompromiss gerungen. Besonders die Frage, wie die finanziellen Lasten des Klimaschutzes verteilt werden sollen, ist noch immer umstritten. Die deutsche Umweltministerin ist bereits abgereist.

          Wegen des Streits über die Grundzüge eines neuen Klimaschutzabkommens ist die UN-Klimakonferenz in Lima offiziell verlängert worden. Das ursprünglich bis Freitagabend angesetzte Treffen soll nun erst am Samstag mit einer abschließenden Plenumssitzung um 10 Uhr Ortszeit (16 Uhr MEZ) zu Ende gehen, wie das UN-Klimasekretariat via Twitter mitteilte.

          Die offiziellen Debatten wurden am frühen Samstagmorgen unterbrochen. Zuvor war ein lange erwarteter Entwurf für eine Lima-Vereinbarung verteilt worden. Die Entwicklungsländer hatten ihn jedoch vorab nicht gesehen und forderten Zeit ein, um ihn zu lesen und zu bewerten.

          In Lima soll ein brauchbares Gerüst entstehen, damit in einem Jahr in Paris die Einigung auf einen Weltklimavertrag gelingen kann. Erklärtes Ziel ist es, mit verpflichtenden Minderungszusagen die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.

          Die Direktorin des Klimaprogramms am World Resources Institute in Washington, Jennifer Morgan, sagte, sie habe noch Hoffnung auf ein Ergebnis. „Die Gefahr ist aber, dass es am Ende einen sehr kurzen und vagen Text geben wird und wir nicht viel weiter sind als auf der Klimakonferenz letztes Jahr in Warschau.“

          Bei den Verhandlungen herrscht weiterhin Uneinigkeit über die Lastenverteilung zwischen Industrie- und Schwellenländern. Aufstrebende Schwellenländer wie China und Indien plädieren dafür, dass wegen ihrer historischen Verantwortung weiterhin nur die Industriestaaten verbindliche Zusagen zur Minderung ihrer Treibhausgasemissionen machen müssen. Industriestaaten wie die Vereinigten Staaten und die EU-Länder verweisen hingegen darauf, dass insbesondere die bevölkerungsreichen Staaten China und Indien auf Platz eins beziehungsweise vier der größten Treibhausgasemittenten rangieren.

          Streit gibt es auch über die Finanzhilfen reicher Staaten an arme Länder und kleine Inselstaaten zur Bewältigung des Klimawandels. Der Sprecher der Afrika-Gruppe, Seyni Nafou, sagte in Lima, nicht nur die Minderungszusagen, sondern auch die Finanzzusagen und ihre Handhabung müssten in das Klimaschutzabkommen einfließen.

          Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte den Gipfel bereits am Freitagabend eine Stunde vor dem offiziellen Ende verlassen. Die deutsche Verhandlungsleitung lag fortan in den Händen von Staatssekretär Jochen Flasbarth.

          Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Abreise der Ministerin. „Ich finde es schon verwunderlich, dass die deutsche Umweltministerin frühzeitig abgereist ist, nachdem Deutschland bis hierhin eigentlich eine progressive und kämpferische Rolle gespielt hat“, sagte der Leiter der Politischen Vertretung in Berlin, Stefan Krug, in Lima. „In solchen Momenten, wo die Verhandlungen auf der Kippe stehen, ist es gerade wichtig, dass Minister sich hinter den Kulissen mit ihren Amtskollegen sehr engagiert um eine Lösung bemühen.“

          Hendricks hatte sich vor ihrer Abreise noch optimistisch geäußert: In den kommenden Stunden werde vermutlich ein Kompromiss erreicht werden, der eine „gute Grundlage“ für die entscheidenden Verhandlungen über ein neues globales Klimaabkommen bilden könne, sagte sie in Lima. Das Abkommen soll Ende kommenden Jahres in Paris beschlossen werden und 2020 in Kraft treten.

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