11.09.2008 · Der Fürst von Liechtenstein rudert zurück: Er habe nicht beabsichtigt, „die grauenvollen Ereignisse des Dritten Reiches zu verharmlosen“, sagte Hans-Adam II. am Donnerstag. Zuvor hatte er die Bundesrepublik mit dem „Dritten Reich“ verglichen.
Der Fürst von Liechtenstein, Hans-Adam II., hat mit der Formulierung „viertes“ deutsches Reich einen Eklat ausgelöst. Sie ist in einem Schreiben an das Jüdische Museum in Berlin enthalten. Das Museum und der Zentralrat der Juden warfen am Donnerstag dem Fürsten Verharmlosung des Nationalsozialismus vor.
Daraufhin relativierte dieser seine Aussage: Er habe nicht beabsichtigt, „die grauenvollen Ereignisse des Dritten Reiches zu verharmlosen“.
Streit um Gemälde Auslöser von Kontroverse
Die Züricher Zeitung „Tages-Anzeiger“ veröffentlichte den auf den 24. Juni datierten Brief. Darin teilt der Fürst Museumsdirektor Michael Blumenthal mit, dass er ein angefragtes Gemälde für eine Ausstellung nicht ausleihen und auch künftig keine Leihgaben mehr nach Deutschland geben werde.
Die Bundesrepublik sei in ihren Beziehungen zum Fürstentum je länger, desto weniger geneigt, sich an den Grundprinzipien des internationalen Völkerrechts zu orientieren. Der Fürst verwies auf einen früheren Rechtsstreit um ein konfisziertes Gemälde. Beobachter vermuteten hinter den Attacken auch einen Zusammenhang mit deutschen Steueraffären und der Verwicklung Liechtensteiner Banken.
„Das Dritte Reich ist Gott sei Dank untergegangen“
„Mit dem Zweiten Deutschen Reich befinden wir uns noch immer im Kriegszustand, da dieses untergegangen ist, bevor es mit uns Frieden schließen konnte“, schrieb der Fürst. Gemeint ist das 1918 nach dem Ersten Weltkrieg aufgelöste Kaiserreich. „Das Dritte Reich ist Gott sei Dank untergegangen, bevor es seine Drohung in die Tat umsetzen konnte, das Fürstentum Liechtenstein 'anzuschließen'“, schrieb der Fürst weiter.
Danach heißt es: „Was die deutsch-liechtensteinischen Beziehungen betrifft, warten wir hier auf bessere Zeiten, wobei ich zuversichtlich bin, denn in den vergangenen zweihundert Jahren haben wir immerhin schon drei Deutsche Reiche überlebt, und ich hoffe, wir werden auch noch ein viertes überleben.“
Auswärtiges Amt widerspricht
Das Auswärtige Amt erklärte dazu, die Bundesrepublik respektiere das Völkerrecht. „Die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind eng und gut nachbarschaftlich.“ Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, nannte die Aussage des Fürsten im „Tages-Anzeiger“ völlig abwegig. Er „verharmlost die Verbrechen der Nationalsozialisten, indem er die Bundesrepublik in eine Reihe mit dem Dritten Reich stellt.“
Die Sprecherin des Jüdischen Museums, Eva Söderman, berichtete, das Museum habe sich für die Ausstellung „Raub und Restitution - Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute“, die in der kommenden Woche eröffnet wird, für ein Gemälde aus der fürstlichen Sammlung interessiert, das früher zur Sammlung Louis von Rothschild in Wien gehört habe. Das Museum habe nach der Absage ein Ersatzobjekt bekommen. Es sei nicht das erste Mal, dass der Fürst dem Jüdischen Museum eine Leihgabe verweigert habe.
In einer in Vaduz veröffentlichte Erklärung hieß es, der Fürst habe mit seiner Äußerung zum Dritten Reich keinen Bezug zum heutigen Deutschland herstellen wollen. Es gehe vielmehr um das schwierige Thema der Enteignungen während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier habe Liechtenstein noch offene Fragen unter anderem mit Deutschland. Diplomaten arbeiteten derzeit an einer Lösung.
Lichtenstein war Partner des 3. Reiches im Bereich der Kunst und nicht nur...
Andreas Breuer (IUSTINUS)
- 11.09.2008, 13:34 Uhr
Mit dem Zweiten Deutschen Reich befinde sich Liechtenstein noch immer im Krieg-
Lars Kuntermann (Leserlein)
- 11.09.2008, 13:39 Uhr
ist das ein Karnevals-Prinz?
Matthias Hühn (matthiashuehn)
- 11.09.2008, 13:40 Uhr
Lichtensteins Fürst
Wilhelm Rggrt (Wilhelm29)
- 11.09.2008, 13:46 Uhr
Schmeichelhaft
Irene Henning (Ganzweitvorn)
- 11.09.2008, 13:54 Uhr