09.11.2006 · Französische Soldaten im Südlibanon seien nur knapp „einer Katastrophe“ entgangen, sagt Verteidigungsministerin Alliot-Marie. Israelische Kampfflugzeuge hätten sich einer Unifil-Stellung im Südlibanon „in Angriffsposition“ genähert.
Nur knapp „einer Katastrophe“ entgangen sind französische Soldaten der Unifil-Mission im Südlibanon nach den Worten der französischen Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie. Israelische Kampfflugzeuge des Typs F15 hätten sich am 31. Oktober einer Unifil-Stellung im Südlibanon „in Angriffsposition“ genähert und französische Soldaten - unter Verweis auf das legitime Selbstverteidigungsrecht - dazu gezwungen, sich vor dem möglichen Angriff mit dem Abschuß von Flugabwehrraketen zu schützen.
So hätten die Soldaten schon die Abdeckungen von der Flugabwehrraketenstellung genommen und „zwei Sekunden vor dem Abschuß“ gestanden, als die israelischen Kampfflieger schließlich doch abdrehten. Sie habe die Vereinten Nationen umgehend über den Zwischenfall informiert, der „nicht tolerierbar“ sei und verheerende Folgen für die Unifil-Mission hätte nach sich ziehen können, sagte Frau Alliot-Marie am späten Mittwoch abend in der Nationalversammlung.
„Feindliche Überflüge“
Die Nichteinhaltung des Überflugverbotes durch israelische Kampfflugzeuge stelle ein großes Risiko für den Erfolg der UN-Mission dar. Die französische Verteidigungsministerin sprach vor den Abgeordneten auch von „feindlichen Überflügen“ der israelischen Luftwaffe über französische und deutsche Kriegsschiffe, die zur Überwachung des Seeraums beziehungsweise zur Sicherung des Nachschubs eingesetzt werden.
„Mehrere Male haben israelische Flugzeuge eine feindliche Haltung gegenüber französischen und deutschen Marineschiffen eingenommen“, sagte Frau Alliot-Marie wörtlich. Das Risiko dieser israelischen Provokationen dürfe nicht unterschätzt werden. „Ich muß die Volksvertretung darüber in Kenntnis setzen, daß diese Zwischenfälle sehr schwerwiegend hätten sein können“, sagte die Verteidigungsministerin. Frau Alliot-Marie sprach von „unverantwortlichen israelischen Piloten“ und forderte von Israel „Respekt der Unifil-Kräfte“ ein. Auf die Rückfrage, ob sie die Zwischenfälle auf die Piloten oder auf die israelische Regierung zurückführe, antwortete Frau Alliot-Marie nicht.
Israels Botschafter: Einsatz falsch interpretiert
Auch Außenminister Philippe Douste-Blazy erwähnte den Vorfall vom 31. Oktober. „Es ist ein Wunder, daß nichts Schlimmes passiert ist“, sagte er Mittwoch abend im französischen Senat. „Die israelischen Überflüge im Süden des Libanons erzeugen große Sorge.“ Douste-Blazy betonte, die israelische Regierung müsse „eine Verwarnung“ erhalten, damit sich das nicht wiederhole. Diplomaten in Paris zufolge war zunächst nicht klar, wie eine solche Verwarnung konkret aussehen könnte.
Derweil hat Israels Botschafter in Frankreich, Daniel Schek, der wegen des Vorfalls ins französische Außenministerium einbestellt wurde, in Paris gesagt, der Aufklärungsflug sei nicht „aggressiver“ Natur gewesen. Die französischen Streitkräfte hätten den Einsatz der israelischen Maschinen nicht richtig interpretiert, so Schek. Die israelische Armee prüft die Vorwürfe. Bislang gebe es keine Reaktion auf die Anschuldigungen, machte eine Militärsprecherin am Donnerstag in Tel Aviv deutlich.
Die französische Militärführung in Paris hat keinen Hehl aus ihrer wachsenden Skepsis über die Unifil-Mission gemacht, die noch von dem französischen General Pelligrini geleitet wird. In den unabgestimmten Aktionen der israelischen Luftwaffe in ihrem Einsatzgebiet sehen die französischen Militärs der Unifil eine Quelle der Besorgnis.
Präsident Chirac hat wiederholt die israelische Regierung dazu aufgefordert, den Wortlaut der UN-Resolution 1701 zu respektieren, die ein Überflugverbot verhängt. Derweil hat Frankreich die geplante Truppenverlegung des 2. Bataillons in den südlichen Libanon abgesagt. Die derzeit 1700 französischen Unifil-Soldaten hält der neue Oberkommandierende der französischen Armee, General Georgelin, für ausreichend.