02.09.2007 · Nach mehr als dreimonatiger Belagerung und heftigen Kämpfen hat die libanesische Armee am Sonntag das von Islamisten kontrollierte palästinensische Flüchtlingslager Nahr al-Bared im Norden des Landes eingenommen. Zuvor waren bei Kämpfen abermals Dutzende Menschen ums Leben gekommen.
Nachdem die libanesische Armee das palästinensische Flüchtlingslager Nahr al Bared von der Terrorgruppe Fatah al Islam befreit und 20 ihrer Mitglieder getötet hat, hat der libanesische Ministerpräsident Siniora einen „nationalen Sieg“ verkündet. Dieser sei in seiner Bedeutung mit dem „heroischen Handeln“ im Krieg vom Sommer 2006 gegen Israel gleichzusetzen, sagte Siniora. Der Ministerpräsident sprach von einer „Stunde des Stolzes, des Sieges und der Freude“.
Die bewaffneten Konflikte um das Palästinenserlager hatten am 20. Mai begonnen. Siniora kündigte den Wiederaufbau des zerstörten Lagers an. Künftig werde das Lager allein unter der Aufsicht des libanesischen Staates stehen, sagte Siniora. Im Lager hatten bis zum Ausbruch der Kämpfe 30.000 Palästinenser gewohnt.
Dutzende Tote
Bei der jüngsten großen Offensive der libanesischen Armee gegen das Palästinenserlager wurden am Sonntag drei Soldaten und 37 Mitglieder der Terroristengruppe Fatah al Islam getötet, unter ihnen ihr Führer Schaker al Abssi. Die Armee nahm 20 Personen fest, unter ihnen neun Verwundete, die mit Hilfe des palästinensischen Vermittlers Scheich Muhammad al Hadsch aus der Gefahrenzone geholt wurden.
Der Vermittler ist Mitglied der palästinensischen Theologenvereinigung und war schon im August an der Evakuierung der Familienmitglieder der radikalen islamistischen Milizionäre beteiligt. Unter den Evakuierten befand sich auch die Frau Abssis. Sie wurde in das Lager Ain al Hilweh im Südlibanon gebracht. Am Montag identifizierte sie den Leichnam ihres Manns.
Syrien gratuliert
Nach 106 Tage dauerndem Kampf ist das Lager Nahr al Bared nun eingenommen. Soldaten der Armee durchsuchten systematisch zahlreiche umliegende Dörfer. Als letzte Bastion der Terroristen nahmen am Sonntag die Soldaten den „Arafat-Bunker“ im Süden des Lagers ein. Die meisten Mitglieder der Terroristengruppe wurden bei zwei Ausbruchsversuchen aus dem Lager getötet. Mutmaßlich gelang zehn weiteren Mitgliedern bei einem weiteren Ausbruchsversuch die Flucht. Nach ihnen suchen die libanesischen Sicherheitskräfte.
Der syrische Außenminister Muallem gratulierte in Teheran, wo er sich zu Gesprächen mit dem iranischen Außenminister Mottaki aufhielt, dem Libanon zu seinem Sieg und dementierte abermals, dass Syrien irgendeine Beziehung zu der Terroristengruppe unterhalten habe. Nach den Fatah-al-Islam-Mitgliedern sei auch in Syrien gefahndet worden, sagte Muallem.
Abssi war von 2002 bis 2005 in Syrien inhaftiert. Er war 1955 nahe Jericho geboren worden und wurde 1976 von Arafats „Fatah“-Gruppe nach Libyen geschickt, wo er sich zum Piloten von Kampfflugzeugen ausbilden ließ. In Nicaragua bildete er 1981 die Luftwaffe der Sandinisten aus. 1982 kämpfte er im Libanon gegen die israelische Invasionsarmee. Danach sah er im Islam die einzige Möglichkeit, Palästina zu befreien. Zuletzt schloss er sich dem Führer des Terroristennetzes Al Qaida, Usama Bin Ladin, an. Nach seiner Freilassung 2005 ging er in den Libanon, wo er erst im Lager Schatila einer syriennahen Gruppe angehörte, bevor er in Nahr al Bared die Gruppe Fatah al Islam gründete.