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Veröffentlicht: 14.01.2017, 12:32 Uhr

Leopard in Syrien Deutschlands Vorzeigepanzer unterliegt im Kampf dem IS

Die Türkei setzt Verbände ihrer Leopard-Panzer im Syrien-Krieg ein. Für den Exportschlager der deutschen Rüstungsindustrie ist es die bisher intensivste Bewährungsprobe mit ersten Verlusten. Das hat vor allen zwei Gründe.

von Björn Müller
© dpa Nicht die unverwundbare „Wunderwaffe“, als die er vielen lange galt: der Kampfpanzer Leopard 2

Was als Stolz der deutschen Waffenindustrie gilt, liegt als ausgebrannter Panzer-Kadaver auf dem Schlachtfeld Nordsyriens. So vernichtend wurde der Leopard-Panzer getroffen, dass es den gesamten Geschützturm abgesprengte. Ähnliche Bilder und Filme kursieren seit kurzem im Internet. Sie belegen, dass es dem „Islamischen Staat“ (IS) gelingt, die aus deutscher Produktion stammenden Leopard-Panzer vom Typ 2A4 außer Gefecht zu setzen, mit denen die Türkei in Syrien kämpft. Klar nachvollziehen lässt sich auf den Fotos und in den Filmen, wie Leopard-Panzer durch Panzerabwehrlenkwaffen beim Kampf zwischen IS und der türkischen Armee um die Stadt Al-Bab zerstört werden.

„Das hat mit dem Mythos vom Wunderpanzer Leopard aufgeräumt“, meint Ralf Raths, Leiter des Panzermuseums in Munster, gegenüber FAZ.NET. Die Panzer der seit 1979 produzierten Leopard-Baureihen haben in der deutschen Öffentlichkeit den Ruf eines unverwüstlichen Mercedes-Benz der Rüstungsindustrie. Wie kam es dazu?

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Für die Qualität eines Panzers ist entscheidend, wie er bei Feuerkraft, Mobilität und Panzerung abschneidet. Bei Vergleichstests mit Konkurrenzmodellen gewann hier immer der Leopard, so Panzer-Experte Raths. Was mit dem Label „Aushängeschild der Ingenieurskunst“ versehen ist, dem trauen die Deutschen gerne alles zu - und andere auch. Die Leopard-Modelle wurden zum Verkaufsschlager und Lieblingspanzer der Nato-Staaten. Die Türkei erhielt bis Anfang der 1990erJahre von der Bundeswehr 397 Leopard 1. Später kamen 354 Leopard 2 A4 dazu; die letzten davon im Jahr 2011. Der Leopard 2 A4 wurde von 1985 bis 1992 produziert und ist die am weitesten verbreitete Version; unter anderem nutzen ihn auch die Schweiz und Österreich.

44209825 © dpa Vergrößern Der Panzer Leopard 2 nach einer Übung zur Verlegung der Nato-Speerspitze in der Nähe des polnischen Ortes Sagen (Archivbild aus dem Juni 2015 mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, CDU)

Der Produzent Krauss-Maffei Wegmann, die Bundeswehr und viele Medien zementierten über Jahrzehnte nur allzu gerne das Image vom „besten Kampfpanzer der Welt“.  Dabei entstand das Zerrbild eines kaum verwundbaren Wunderpanzers, der alles niederringt, was ihm in die Quere kommt.  Über seine Schwächen wurde kaum geredet.

Konzipiert wurde er für die Panzerschlacht in der Norddeutschen Tiefebene gegen die Sowjets. Als so genannter „Duellpanzer“ soll der Leopard Feuergefechte mit anderen Panzern gewinnen und ist dafür vorne stark gepanzert. Hinten und an den Seiten ist der Schutz weitaus schwächer, um Gewicht zu sparen und damit die Mobilität hochzuhalten. Das macht ihn verwundbar für seitlichen Beschuss, wie in Al-Bab geschehen. Hier warteten IS-Schützen mit tragbaren Panzerabwehrraketen, bis sie zwei türkische Leopard-Panzer an den Flanken angreifen konnten, die alleine bis zur Stadtgrenze vorgerückt waren. Naheliegend ist, dass die IS-Kämpfer dafür eine Kornet aus Beutebeständen einsetzten. Diese Lenkrakete zur Panzerbekämpfung wurde massenhaft von Russland an das Assad-Regime geliefert. Die russische Kornet durchschlägt laut Experten mehr als einen Meter dicke Panzerungen.

Die Infanterie muss die Flanken schützen

Gegen solche Lenkwaffen sind alle Kampfpanzertypen weltweit an den Seiten und hinten verwundbar, außer sie haben spezielle Schutzsysteme. Das sind zum einen Reaktivpanzerungen und vor allem so genannte abstandsaktive Schutzsysteme. Reaktivpanzerungen sind wie ein Kettenhemd aus Metallplatten für den Panzer, hinter denen kleine Sprengladungen liegen. Trifft ein Projektil auf diese Metallplatten, drückt die explodierende Ladung die Metallplatte dem Geschoss entgegen und mindert dessen Durchschlagskraft. Abstandsaktive Schutzsysteme stören das Lenksystem anfliegender Raketen mit Sendern oder indem sie den Panzer einnebeln. Die „Hardkill“-Variante ortet anfliegende Geschosse und zerstört diese dann mit Gegenprojektilen oder Druckwellen. Die türkischen Leopard-Panzer vom Typ 2A4 verfügen nicht über solche Schutzsysteme. Auch nicht die modernste Leopard-Variante 2A7 plus der Bundeswehr. In einer identischen Gefechtssituation wie in Al-Bab würden auch sie vernichtet werden - es sei denn, sie hätten Schutz durch Infanterie. 

44209916 © dpa Vergrößern Ein Kampfpanzer Leopard 2 im Oktober 2013 bei einer Bundeswehrübung Landoperationen in Bergen (Niedersachsen)

„Entgegen häufiger Wahrnehmung sind Panzer keine Einzelkämpfer“, erklärt Ralf Raths vom Panzermuseum Munster. Vorrückende Panzer bräuchten stets Infanterie an ihrer Seite, die das Vorfeld aufklärt und feindliche Schützentrupps wie in Al-Bab ausschaltet, so Raths. Die Videos auf You Tube zu Al-Bab und anderen Panzereinsätzen der Türkei  im Syrienkrieg vermitteln den Eindruck, dass die türkischen Panzer häufig alleine kämpfen und nicht im „Verbund“, wie es im Militärsprech heißt. Das sind Indizien dafür, dass auch schlechte Führung zum Verlust der türkischen Leopard-Panzer geführt hat.

Immerhin die älteren Leopard 1-Modelle der Türkei genießen einen besonderen Schutz vor Vernichtung im Syrienkrieg. Die Bundesrepublik ließ  sich damals vertraglich zusichern, dass die Panzer nur für den kollektiven Verteidigungsfall nach Artikel fünf des Nato-Vertrages eingesetzt werden dürfen. Bei der Lieferung des moderneren 2A4-Modells verzichtete man auf dieses Vorgehen. Die Bundesregierung begnügte sich mit einer allgemeinen Endverbleibserklärung der Türkei, die Panzer nicht ohne Erlaubnis der Deutschen an Dritte weiterzugeben oder zu verkaufen.

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