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Chef des World Food Programme : „Es kostet uns 50 Cent am Tag, einen Syrer in Syrien zu ernähren“

David Beasley war früher Gouverneur von South Carolina und unterstützte im Wahlkampf Donald Trump. Jetzt möchte er dessen Kürzungen verhindern. Bild: Photo: WFP/Abeer Etefa

In den Zeiten der größten Krisen möchte Trump die humanitäre Hilfe kürzen. Ein Mann ist angetreten um das zu verhindern: David Beasly ist der Leiter des World Food Programme.

          Herr Beasley, im vergangenen Jahr waren 65 Millionen Menschen auf der Flucht, mehr als je zuvor. Welche Rolle spielt das Thema Hunger?

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Hunger ist einer der Faktoren, die Migration verursachen. Ein Prozent mehr Hunger führt zu einer doppelt so schnell steigenden Migrationsrate. Wenn wir den Hunger bekämpfen, geht daher die Migration zurück. Allerdings können wir durch die Konflikte viele Menschen nicht erreichen. Wir erleben momentan die schlimmste globale humanitäre Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, und die Situation verschlechtert sich noch. Von den 65 Millionen Menschen, die 2016 gezwungen waren, von zu Hause zu fliehen, lebt nur jeder Dritte außerhalb seines Heimatlandes. Und bevor beispielsweise eine syrische Familie ihr Heimatland verlässt, sucht sie durchschnittlich dreimal innerhalb ihres Landes Zuflucht. Die Menschen wollen in ihrer Heimatregion bleiben. Aber wir müssen ihnen auch die Chance geben, das zu tun.

          Die Vereinten Nationen und damit das WFP haben sich das Ziel gesetzt, bis 2030 eine Welt ohne Hunger zu erreichen („Null Hunger“). Wie realistisch ist das angesichts der Konflikte?

          Es gibt null Chancen für null Hunger bis 2030, wenn wir nicht die von Menschen verursachten Konflikte beenden. Da geht es nicht um Erdbeben, Tsunamis und andere Naturkatastrophen, wie es früher bei humanitärer Hilfe der Fall war. Sondern um kriegerische Konflikte. Zehn der 13 Länder, die die meiste Hilfe vom WFP erhalten, sind von einem solchen Konflikt betroffen – etwa Syrien, der Jemen, Südsudan, Somalia, Nigeria, der Irak und die Demokratische Republik Kongo.

          Wie ist die Situation in den betroffenen Staaten?

          Sehr kritisch. Manche Gebiete können wir aufgrund der Sicherheitslage nicht erreichen. In Syrien unterstützen wir mehr als vier Millionen Menschen im Monat, können aber etwa 600000 Personen gar nicht versorgen. Wir wissen nicht, ob die verhungern. Im Jemen gibt es auch viele kaum zu erreichende Gegenden. In Südsudan kommt jetzt die Regenzeit, was Straßen unpassierbar macht. Vielerorts nutzen die kämpfenden Parteien den Hunger als Waffe. Und wenn Menschen etwa in Somalia, Syrien oder dem Jemen über lange Zeit keine Nahrung erhalten, schürt das den Konflikt, extremistische Gruppen erhalten Zulauf.

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          Dann dient Ernährungshilfe der Sicherheit?

          Wenn wir einen Zugang für unsere Hilfe erhalten, lindert das den Konflikt, verringert die Migration, aber auch den Extremismus. Ich sage in Amerika stets, dass es ein nationales Sicherheitsinteresse ist, den Hunger zu bekämpfen. Das gilt auch für Deutschland. Andersherum gesagt: Wer lieber eine halbe Billion Dollar für Militäroperationen ausgeben will, sollte die Mittel für das WFP kürzen.

          Die Zahl der Menschen in Afrika wird sich bis 2050 in etwa verdoppeln.

          Das wird die Probleme verschärfen. In vier Staaten (Jemen, Südsudan, Somalia und Nigeria) droht momentan eine Hungersnot. Etwa 30 Millionen Menschen finden dort kaum Nahrung, 20 Millionen sind von der Hungersnot bedroht, davon 5,7 Millionen Kinder.

          600000 Kinder sind allein in diesen vier Staaten kurz davor zu sterben, wenn wir nicht die Finanzierung bekommen, die für die kommenden vier Monate notwendig ist. Und selbst wenn die Kinder überleben, wird eine gesamte Generation betroffen sein. Die Folgen der Mangelernährung werden andauern.

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