Home
http://www.faz.net/-gq5-75bko
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Digitale Exzellenz

Landesweiter Krieg UN-Gesandter Brahimi besorgt über Lage in Syrien

Zum dritten Mal ist der UN-Vermittler Brahimi zu Syriens Machthaber Assad nach Damaskus gereist. Bislang blieben seine Bemühungen ohne Erfolg. Inzwischen steht Assad mit dem Rücken zur Wand.

© REUTERS Vergrößern Vor dieser Bäckerei nahe der Stadt Hama sollen am Sonntag Dutzende Zivilisten bei einem Luftangriff getötet worden sein.

Nach mehreren gescheiterten Versuchen ist der UN-Sonderbeauftragte Lakhdar Brahimi abermals zum syrischen Präsidenten Baschar al Assad gereist. Nach Beratungen mit dem Machthaber in Damaskus über eine politische Lösung sagte Brahimi am Montag: „Die Lage ist beunruhigend“. Er hoffe aber, dass alle Konfliktparteien einen Weg finden, der dem syrischen Volk dient. Ergebnisse der Beratungen wurden zunächst nicht bekannt.

Es ist der dritte Besuch Brahimis in Syrien, seit er im August sein Amt angetreten hat. In westlichen Diplomatenkreisen wird gemunkelt, dass dies auch seine letzte Reise nach Damaskus sein könnte, falls es keine Bewegung in dem Konflikt gibt. Sein Vorgänger Kofi Annan hatte im Sommer aufgegeben. Im Anschluss an das Treffen mit Assad wollte Brahimi noch mit der von dem Regime geduldeten Opposition zusammenkommen.

Wie aus Diplomatenkreisen verlautete, hat Brahimi bei dem Besuch den syrischen Präsidenten persönlich darum bitten wollen, Repräsentanten des Regimes für eine gemeinsame Übergangsregierung mit der Opposition zu benennen. Ein Großteil der Rebellen lehnt eine Lösung unter Beteiligung des Machthabers aber ab.

Ob Assad zusagte, blieb zunächst offen. Das Staatsfernsehen berichtete, der Präsident unterstütze alle Bemühungen, die im Interesse des syrischen Volks seien und die Souveränität des Landes nicht gefährdeten. Dies hatte der Machthaber aber schon bei den vorigen Treffen stets betont.

Auch in Damaskus eskaliert die Gewalt

Vor gut zwei Wochen hatten die stellvertretenden Außenminister Russlands und der Vereinigten Staaten mit dem Sonderbeauftragten Brahimi bei einem kurzfristigen Treffen in Genf nach einer politischen Lösung der Krise gesucht und über die Möglichkeit einer Übergangsregierung beraten. Russland gehört zu den wichtigsten Verbündeten des Assad-Regimes, ging aber zuletzt ein wenig auf Distanz zu Damaskus.

Landesweit gingen die Kämpfe am Montag mit unverminderter Heftigkeit weiter. Aktivisten in der Unruheregion Homs gaben an, dass Regierungstruppen bei ihren Luftangriffen jüngst auch „giftige Gase“ eingesetzt hätten. Sechs Rebellen seien erstickt, hieß es. Rund 71 Menschen wurden laut Opposition mit Atemproblemen und Übelkeit in Kliniken gebracht.

Russland schloss einen Giftgaseinsatz des Regimes indes aus. Der Außenminister Sergej Lawrow sagte im englischsprachigen Staatsfernsehen Russia Today: „Ich glaube nicht, dass Syrien Chemiewaffen einsetzt. Das wäre sonst ein politischer Selbstmord der Regierung.“ Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade des Regimes von unabhängiger Seite nur schwer überprüfbar.

Auch im Großraum Damaskus eskaliert derzeit die Gewalt. Wegen der heftigen Gefechte rund um die Flughafen der syrischen Hauptstadt hatte selbst Vermittler Brahimi auf dem Landweg von Beirut nach Damaskus reisen müssen. Der blutige Konflikt hat seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im März 2011 bereits mehr als 42.000 Menschen das Leben gekostet.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Syrien Schwere Gefechte nach Anschlag in Aleppo

Im nordsyrischen Aleppo kommt es wieder zu heftigen Gefechten zwischen Aufständischen und Assads Truppen. Beim Versuch, ein Hauptquartier des Geheimdienstes zu stürmen, gab es zuvor Dutzende Tote. Mehr Von Markus Bickel

05.03.2015, 15:09 Uhr | Politik
Syrien Mehr als 150 Tote bei Kämpfen um Aleppo

Bei Kämpfen um die Stadt Aleppo sind nach Angaben der in England ansässigen syrischen Beobachtungstelle für Menschenrechte mehr als 150 Menschen getötet worden. Regierungstruppen hatten eine Offensive gegen die Rebellen gestartet. Mehr

19.02.2015, 10:44 Uhr | Politik
Syrien Menschenrechtler: Assad greift Zivilisten mit Fassbomben an

Das Grauen nimmt kein Ende: Mehr als tausend Fassbomben soll die syrische Regierung alleine über der umkämpften Stadt Aleppo abgeworfen haben. Human Rights Watch fordert Sanktionen und ein Embargo gegen das Assad-Regime. Mehr

24.02.2015, 21:53 Uhr | Politik
Ukraine-Konflikt Konfliktparteien tauschen Gefangene aus

Die neuen EU-Sanktionen gegen Russland sind offiziell in Kraft getreten. Für eine gewisse Entspannung könnte ein Austausch zwischen gefangen genommenen ukrainischen Soldaten und prorussischen Rebellen sorgen. Mehr

12.09.2014, 13:36 Uhr | Politik
Syrien Assad: Das Volk steht noch immer hinter mir

Vier Jahre Bürgerkrieg, Hunderttausende Menschen getötet - trotzdem sitzt Syriens Machthaber Assad fest im Sattel. Das verleitet ihn nun zu wagemutigen Behauptungen. Mehr

05.03.2015, 04:22 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.12.2012, 21:14 Uhr

Folgen einer Niederlage

Von Berthold Kohler

Sahra Wagenknecht konnte sich nicht gegen Gregor Gysi durchsetzen. Wie auch: Der alte Fuchs steht unter Zeitdruck. Mehr 4 6