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Konflikt mit EU-Land : Erdogan warnt vor weiterer Erdgassuche an der Küste Zyperns

Feindselig gegenüber Zypern: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Bild: AP

Erdogan warnt ausländische Firmen davor, sich an der Küste Zyperns zu engagieren. Nun mischt sich auch die Europäische Kommission in den Streit um das Erdgas ein.

          Um die Ausbeutung von Gasfeldern südlich von Zypern ist Streit mit der Türkei entstanden, in den sich nun auch die Europäische Kommission einmischt. Der Sprecher der EU-Kommission mahnte die Türkei, dass sie negative Äußerungen und damit eine Eskalation des Konflikts vermeiden soll. Die türkische Marine blockiert seit dem vergangenen Wochenende ein Explorationsschiff des italienischen Spezialunternehmens Saipem mitten im zyprischen Wirtschaftsgebiet.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Das Schiff „Saipem 12.000“ war unterwegs zum Explorationsfeld Nummer drei im Osten der von Zypern beanspruchten Wirtschaftszone, als es bei der Insel Imia von den Türken blockiert wurde. Das Schiff, dessen Betriebskosten auf etwa 600.000 Dollar am Tag geschätzt werden, liegt vorerst im Mittelmeer fest. Griechische und zyprische Medien berichten von zwei Argumenten der Türkei gegen eine Suche nach Gas südlich Zyperns: Erstens sei der türkische Kontinentalschelf berührt, daher verlaufe die Wirtschaftsgrenze anders als von Zypern angenommen. Allerdings betrifft die Suche nach Gas einen Meeresgrund mit 1000 bis mehr als 2000 Meter Tiefe, wo von Kontinentalschelf keine Rede sein kann. Zweitens könne die Republik Zypern über die Nutzung der Bodenschätze vor der Südküste nicht allein entscheiden, solange es keine Einigung mit der 1974 von der Türkei besetzten „Türkischen Republik Nordzypern“ gebe.

          Die Türkei erkennt die Regierung der Republik Zypern, des Mitglieds der EU, offiziell nicht an und agiert so, als hätte in der Vergangenheit die Bundesrepublik Deutschland Russland als Schutzherrn fragen müssen, bevor in der Nordsee nach Öl gebohrt wurde. Doch die Türkei hat erst einmal einen Großteil des von Zypern im Süden der Insel zum Operationsgebiet für militärische Übungen erklärt.

          Zypern hat seit vielen Jahren gehofft, Gasvorkommen ausbeuten zu können. Doch die Hoffnungen schienen lange trügerisch, weil es technisch unmöglich oder schwierig war, in einer Meerestiefe von 2000 Metern zu bohren. Im Gegensatz dazu ist es in der Nordsee relativ einfach, feste Bohrtürme über einem Meeresboden etwa in 50 oder 100 Tiefe zu verankern. Diese Schwierigkeiten wurden aber in jüngerer Zeit mit technischen Neuerungen überwunden.

          Während es früher notwendig gewesen wäre, ein Bohrschiff mit Schleppern über dem Bohrloch in Position zu halten, geschieht dies beim 228 Meter langen und 42 Meter breiten Explorationsschiff „Saipem 12.000“ automatisch durch Motoren an vier Seiten, die das Schiff auch bei hohem Seegang exakt in einer von Satelliten bestimmten Position halten. Saipem ist ein italienischer Konzern für Spezialaufgaben in der Öl- und Gasbranche. Das Unternehmen gehört zu 30 Prozent dem Öl- und Gaskonzern Eni, arbeitet aber für viele verschiedene Auftraggeber in der Branche.

          Die zweite Neuheit, die nun die Suche nach Gas südlich von Zypern interessant macht, ist die Entdeckung eines unerwartet großen Gasfeldes namens „Zohr“ wenige Kilometer südlich in ägyptischen Gewässern. Der italienische Eni-Konzern hatte gebohrt, wo andere aufgegeben hatten, und bei „Zohr“ 850 Milliarden Kubikmeter Gas entdeckt, was dem italienischen Gasverbrauch von 14 Jahren entspricht.

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