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Kuba Symbolische Entspannung am Malecón

29.07.2009 ·  Vorsichtige Abrüstung im amerikanisch-kubanischen Propagandakrieg: die Leuchtschrift am Gebäude der amerikanischen Interessenvertretung wurde demontiert. Sie war eine der allerletzten „aktiven“ Fronten des Kalten Krieges.

Von Matthias Rüb, Washington
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Es war eine der allerletzten „aktiven“ Fronten des Kalten Krieges: die Leuchtschrift am Gebäude der amerikanischen Interessenvertretung am Uferboulevard Malecón in Havanna. Jetzt wurde die etwa anderthalb Meter hohe Leuchtschrift, die im Januar 2006 in den Fenstern des fünften Stockwerks des klobigen Gebäudes angebracht worden war, abgeschaltet und demontiert. Gut drei Jahre lang waren über die Leuchtdioden Nachrichten aus aller Welt, Sportmeldungen und kritische Bemerkungen zur politischen Lage auf Kuba geflimmert. Ziel war es, jenen Kubanern, die das Gebäude am Malecón Tag um Tag passierten, einige Informationsfetzen über den gleichförmigen Nachrichtenbrei der gleichgeschalteten kubanischen Medien hinaus zu liefern.

Es liefen aber auch Zitate von Martin Luther King und Abraham Lincoln hinter den 25 Fenstern entlang, dazu Beobachtungen zu den Alltagssorgen der Kubaner: Wie kann es sein, hieß es etwa, dass die Angehörigen der Nomenklatura und ihre Familien in großen Autos fahren, während sich das Volk in überfüllten Bussen drängt oder es gar per Anhalter versuchen muss?

Ein „Park des Antiimperialismus“

Fidel Castro reagierte wütend und ließ auf dem Platz vor der amerikanischen Interessenvertretung einen „Park des Antiimperialismus“ errichten, wo Konzerte und Kundgebungen mit den üblichen Menschenmassen stattfanden. Dazu wurden 138 riesige Fahnenstangen aufgestellt - für jedes der jüngsten Opfer des „Imperiums“ - und darauf große schwarze Flaggen aufgezogen, um die Sicht auf den konterrevolutionären Nachrichtenticker zu blockieren. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Malecóns schließlich wurden Plakatwände aufgestellt, auf welchen neben dem Wort „Mörder!“ die Fotos von Präsident George W. Bush sowie von misshandelten irakischen Gefangenen aus dem Gefangenenlager Abu Ghraib zu sehen waren.

Video: Hoffnung in Havanna dank Obama

Das Propagandscharmützel an Havannas berühmter Uferpromenade, von welcher sich der Blick übers Meer in Richtung Florida öffnet, war ein wenig drollig. Immerhin floss bei diesem Nachhutgefecht des Kalten Krieges kein Blut, sieht man von dem „Filmblut“ an Bushs Händen auf den Plakaten ab.

Plakatwände wurden abgebaut

Seit dem Machtantritt von Präsident Barack Obama gibt es nun aber auch am Malecón sichtbare Zeichen der Entspannung. Die kubanischen Behörden haben die Plakatwände auf dem Bürgersteig gegenüber der Interessenvertretung abgebaut. Umgekehrt wurde die Leuchtschrift im fünften Stock des Gebäudes seit Juni nicht mehr angeschaltet. Und jetzt teilte das State Department in Washington mit, die Leuchtdioden seien sogar demontiert worden. Die Leuchtschrift sei „wirklich kein effektives Mittel der Verbreitung von Informationen an das kubanische Volk“ gewesen, sagte Außenamtssprecher Ian Kelly in Washington. Sie habe „nicht dem Interesse gedient, eine produktivere Beziehung zu fördern“.

Bisher sind die Verbesserungen der Beziehungen zwischen Washington und Havanna, zu welcher sich Präsident Barack Obama kurz nach seinem Amtsantritt vor einem halben Jahr verpflichtet hatte, freilich eher symbolischer Natur. Mitte Juli nahmen die beiden Staaten, die seit 1961 keine diplomatischen Beziehungen mehr unterhalten, ihren vor knapp sechs Jahren unterbrochenen Dialog über Einwanderungsfragen wieder auf. Im April hatte Obama die von seinem Amtsvorgänger Bush verschärften Beschränkungen für Exil-Kubaner für Reisen und Geldtransfers in ihr Herkunftsland aufgehoben.

Guter Wille von kubanischer Seite

Als weiteres Zeichen des guten Willens von kubanischer Seite wurde gewertet, dass Staats- und Parteichef Raúl Castro, der die Macht von seinem kranken älteren Bruder faktisch schon im Juli 2006 übernommen hatte, beim jüngsten Gedenktag zum (seinerzeit zunächst gescheiterten) Angriff der Castros und ihrer Verbündeten auf die Feste Moncada vom 26. Juli 1953 mit keinem Wort gegen die Vereinigten Staaten wetterte. Die weltweite Wirtschaftskrise schwäche zwar das Land, räumte der Präsident ein.

Für Engpässe bei der landwirtschaftlichen Produktion und bei der Versorgung mit Lebensmitteln seien aber allein die Kubaner verantwortlich. Man dürfe nicht alle Missstände auf das vor 47 Jahren verhängte amerikanische Handelsembargo schieben, sagte Raúl Castro und forderte die kubanischen Bauern zu einer Art landwirtschaftlichen Großoffensive auf.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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