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Kuba Fidel Castro will die Welt retten

 ·  Kubas Revolutionsführer tritt zum ersten Mal seit vier Jahren wieder im Parlament auf - und wirkt geistig frisch. In seiner Rede warnte Fidel Castro vor einem Atomkrieg gegen Iran. „Für die Menschheit gäbe es dann keine Rettung“, sagte er.

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Um kurz vor elf Uhr vormittags hielten die 600 Delegierten der kubanischen Nationalversammlung kollektiv den Atem an. Dann brachen sie in Jubel aus, skandierten „Viva Fidel!“ und klatschten wie von Sinnen. Es war tatsächlich geschehen: Am Samstag trat Fidel Castro, der in dieser Woche seinen 84. Geburtstag feiern wird, zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren wieder öffentlich bei einer Regierungsangelegenheit auf.

Castro, der sich im Juli 2006 wegen einer lebensbedrohlichen Darmerkrankung einer schweren Operation unterziehen musste und die Regierungsgeschäfte an seinen jüngeren Bruder Raúl übergeben hatte, hielt eine zwölfminütige Rede und stellte sich anschließend fast eine Stunde lang den vorsortierten Fragen ausgewählter Abgeordneter. Er trug eine olivgrüne Militäruniform, jedoch ohne Abzeichen, die ihn als „Maximo Líder“ ausgewiesen hätten.

Nach seiner Rede nahm er nicht an seinem üblichen Tisch gleich hinter dem Rednerpult Platz, der seit seinem Rückzug aus der Öffentlichkeit symbolisch leer geblieben ist, sondern auf einem anderen Sessel gleich neben Parlamentspräsident Ricardo Alarcón. Raúl Castro, der auf seinem angestammten Sessel neben Fidels leerem Platz saß, ergriff in der Sitzung nicht das Wort. Parlamentspräsident Alarcón hatte auf Geheiß Fidel Castros die Sondersitzung zur Debatte drängender internationaler Probleme einberufen, und Alarcón beendete die Sitzung einfühlsam und unverzüglich, als der greise Revolutionsführer bei der direkt im kubanischen Fernsehen übertragenen Sitzung sichtbare Zeichen von Müdigkeit zeigte.

© reuters Vergrößern Video: Kubaner dürfen Kleinunternehmen gründen

Kein Wort über Innenpolitik

Die Symbolik der Parlamentsrede, die einen Monat zahlreicher öffentlicher Auftritt Fidels krönte, gibt eben soviel Anlass zu Spekulationen wie deren Inhalt. In seiner entgegen früherer Gewohnheit von einem vorformulierten Manuskript abgelesenen Rede bekräftigte Fidel Castro die Warnung vor einem Atomkrieg. Dazu könne es kommen, wenn Iran trotz internationaler Sanktionen an seinem Nuklearprogramm festhalte und der amerikanische Präsident Barack Obama den Befehl zum Angriff auf die Islamische Republik gebe. Ähnliches könne geschehen, wenn der Streit mit Nordkorea eskaliere. Ein nuklearer Waffengang würde Millionen Menschen im Nahen Osten und auch in den Vereinigten Staaten das Leben kosten, die Konsequenzen für den Planeten seien unabsehbar: „Für die Menschheit gäbe es dann keine Rettung“, warnte Castro, der agil, geistig frisch und körperlich stabil wirkte. Noch aber sei es nicht zu spät, zumal sich auch die kubanische Führung „an der Überzeugungsarbeit beteiligt“, um Obama vom Drücken des Roten Knopfes abzubringen. Es sei zudem ein glücklicher Umstand, dass Obamas Vater ein Muslim und seine Mutter ein Christin gewesen sei.

Über innenpolitische Fragen, über die Wirtschaftskrise und die von Bruder Raúl angestoßenen zaghaften Reformen, verlor Fidel kein Wort. Dafür bekräftigte er seine Kritik, Kapitalismus und Imperialismus führten unter anderem zur globalen Klimaerwärmung und zur Verelendung allenthalben. In der Fragestunde sprach Fidel von Russland als der „Sowjetunion“ und der „UdSSR“. Den Urknall datierte er auf einen Tag „vor 18 000 Jahren“, dem amerikanischen Nachrichtensender bringe die Direktübertragung seiner Rede „100 Millionen Dollar Werbeeinahmen“ ein, behauptet Fidel. Fidel Castro ist wieder da, und er ist fast ganz der alte. Und keiner weiß, was es zu bedeuten hat - für Kuba und die Welt.

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