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Kuba Der Zweite: Raul Castro

01.08.2006 ·  Fidel Castros Bruder Raul stand selten in der Öffentlichkeit, er zog eher im Hintergrund die Fäden. Trotz seines großen Einflusses ist fraglich, ob der Vizepräsident Kuba zusammenhalten kann, wenn Castro für längere Zeit ausfällt.

Von Josef Oehrlein
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Als erster Vizepräsident des Staats- und Ministerrats ist er der zweite Mann im Staat und deshalb der natürliche Stellvertreter im Fall von Abwesenheit, Krankheit oder Tod des Präsidenten. So war es selbstverständlich, daß Raul Castro jetzt die Zügel übernahm, als sein fünf Jahre älterer Bruder, der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro, „für einige Wochen“ wegen seiner Erkrankung auf die Ausübung der Regierungsgeschäfte und das militärische Oberkommando verzichtet.

„Nach mir hat er die meiste Erfahrung und Kenntnis“, urteilte Fidel Castro über Raul, der als Verteidigungsminister und zweiter Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas weitere wichtige Schlüsselpositionen gleich hinter dem Comandante en Jefe besetzt.

Nur selten in der Öffentlichkeit

Allein schon wegen seines zurückhaltenderen Charakters trat Raul Castro in den 47 Jahren seit der kubanischen Revolution nur selten in der Öffentlichkeit in Erscheinung. Seine Aufgaben bestanden aber ohnehin darin, im Hintergrund zu wirken und die Strukturen des sozialistischen Staatswesens zu festigen. Er baute die engen Beziehungen zur Sowjetunion aus und verwandelte die Rebellentruppen in ein modernes Heer, die „Revolutionären Streitkräfte“ (FAR). Angeblich setzte er 1994 während der sogenannten „Spezialperiode“ gegen den Willen Fidels eine Öffnung der Wirtschaft durch, um die Folgen des Zerfalls der Sowjetunion zu mildern.

Raul Castro Ruz wurde am 3. Juni 1931 als Kind spanischer Einwanderer in der kubanischen Ortschaft Biran geboren. Er besuchte das Jesuitenkolleg in Santiago de Cuba und Havanna, begann ein Studium der Sozialwissenschaften, schloß es jedoch nicht ab. Von früher Jugend an folgte er Fidel bei dessen revolutionärem Kampf gegen das Batista-Regime. Im Juli 1953 war er an dem gescheiterten Sturm auf die Moncada-Kaserne beteiligt. Die Brüder wurden festgenommen und zu 13 Jahren Haft verurteilt, nach zwei Jahren jedoch begnadigt.

Die Brüder im Exil

Darauf gingen sie nach Mexiko ins Exil und bereiteten dort die Expedition mit der Yacht „Granma“ vor, mit der sie und ihre Kampfgefährten, unter ihnen Che Guevara, am 2. Dezember 1958 auf Kuba landeten. Dieses Datum markiert den Beginn der kubanischen Revolution.

Während des Guerrillakampfes gegen den Diktator Batista übernahm Raul Castro das Kommando über eine Front in den östlichen Provinzen Kubas. Im Untergrund lernte er die Guerrillera Vilma Espin kennen, die er ein Jahr später heiratete und mit der er vier Kinder hat. Nach dem Sieg der Revolution am 1. Januar 1959 wurde Raul Castro in dem neu entstehenden kommunistischen Staatsapparat die rechte Hand seines Bruders Fidel; diese Rolle ist ihm bis heute nicht streitig gemacht worden.

Trotz seiner Haltung als unbeugsamer Verfechter der revolutionären Ideale und des großen Einflusses, den er über die politischen Ämter und militärischen Funktionen hinaus bis in die Wirtschaft des Landes ausübt, bleibt die Frage, ob Raul Castro bei einem längeren Ausfall seines Bruders Fidel den Staatsapparat wird zusammenhalten können. Dem Vertreter der „Gerontokratie“ machen jüngere, in mancher Hinsicht noch orthodoxer eingestellte Politiker Konkurrenz, die Fidel Castro als Verweser seines revolutionären Erbes als mögliche Nachfolger aufgebaut hat, allen voran der 41 Jahre alte Außenminister Felipe Perez Roque.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in Buenos Aires.

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