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Nach Gewalt in Virginia : Heftige Kritik an Trump-Äußerungen aus allen Lagern

  • Aktualisiert am

Auch in Argentinien protestieren Menschen gegen die Äußerungen von Donald Trump. Bild: Reuters

Amerikas Präsident wird nach seiner denkwürdigen Pressekonferenz verbal heftig angegangen. Unter den Kritikern ist ein Minister in Berlin, amerikanische Unternehmer – und viele republikanische Parteifreunde.

          Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat die neuen Äußerungen von Donald Trump zur Gewalt in Virginia scharf kritisiert. „Es ist unerträglich, wie Trump die Gewalt beim Aufmarsch der rechtsextremen Horde von Charlottesville jetzt auch noch beschönigt“, hieß es in einer Erklärung von Maas, die sein Ministerium am Mittwoch veröffentlichte. „Niemand sollte den Antisemitismus und Rassismus von Neonazis verharmlosen.“ Wenn es um rechtsradikale Propaganda und Gewalt gehe, gebe es nichts zu relativieren. „Dagegen sollten alle Demokraten gemeinsam eine klare Haltung zeigen.“

          Trump hatte am Dienstag für die Gewalt in Charlottesville am Wochenende sowohl rechte als auch linke Gruppen verantwortlich gemacht und war damit zur Argumentation seiner ersten Erklärung nach den Vorfällen zurückgekehrt. Nach heftiger Kritik auch aus den eigenen Reihen hatte er sich zwischenzeitlich von Rechtsextremen distanziert.

          Ryan: Vorstellung von weißer Überlegenheit sind abstoßend

          Unterdessen bricht ein Tweet des früheren amerikanischen Präsidenten Obama alle Like-Rekorde. Das teilte Twitter am Mittwoch mit. Obama hatte ein berühmt gewordenes Zitat des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten und Anti-Apartheid-Kämpfers Nelson Mandela wiedergegeben: „Niemand hasst von Geburt an jemanden aufgrund dessen Hautfarbe, dessen Herkunft oder dessen Religion.“ Der Eintrag wurde bis zum Mittwochmorgen mehr als 2,9 Millionen Mal gelikt.

          Doch nicht nur bei den Demokraten ist die Aufregung groß. Auch der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses Paul Ryan widerspricht Trumps Äußerungen klar: Vorstellungen von weißer Überlegenheit seien abstoßend. Man dürfe diese Gruppen nicht relativieren, sagte er auf Twitter.

          Auch der prominente republikanische Politiker Marco Rubio äußerte sich auf Twitter zu Trumps wirrer Rede. Er schrieb, die „White Supremacy“ würde es als Gewinn betrachten, wenn sie nur 50 Prozent der Schuld zugesprochen bekommt. Das könne man nicht zulassen.

          Es ist nicht das erste Mal, dass republikanische Politiker ihrem Präsidenten widersprechen. Doch seit Trumps Aussagen zu den Vorkommnissen in Charlottesville ist der Unmut in der Partei so groß, wie vielleicht noch nie zuvor in seiner Präsidentschaft. Republikanische Mitglieder des Repräsentantenhauses, wie Tim Scott (South Carolina), Charlie Dent (Pennsylvania) und Steve Scalise (Louisiana) kritisierten Trump nach seiner Rede scharf.

          Auch Wirtschaftsvertreter wehren sich

          Auch in seinem Beratergremium gibt es Unmut: Am Mittwoch hat der Chef des amerikanischen Gewerkschaftsdachverbandes Richard Trumka seinen Posten als Berater Trumps hingeschmissen. „Wir können nicht dem Beirat eines Präsidenten angehören, der Intoleranz und heimischen Terrorismus toleriert“, sagte er zur Begründung. Der Bezahldienst Paypal arbeitet unterdessen daran, dass ihr Dienst nicht für Spenden genutzt werde, die „Hass, Gewalt oder rassistische Intoleranz unterstützen“, bekannte das Unternehmen am Mittwoch.

          Auf der anderen Seite stellen sich Vertreter der äußersten Rechten hinter Trump. So bedankt sich der ehemalige Ku Klux Klan-Anführer David Duke dafür, dass Trump „den Mut und die Ehrlichkeit, die Wahrheit über Chalottesville und linken Terrorismus zu sagen.“

          Bei einem Neonazi-Aufmarsch am Samstag war ein mutmaßlicher Rechtsextremist mit seinem Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten gefahren. Dabei hatte er eine Frau getötet sowie mehrere Teilnehmer schwer verletzt.

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