11.07.2004 · In der Region Darfur wurden Zehntausende Menschen von marodierenden arabischen Milizen vertrieben, terrorisiert und getötet. Die Bundesregierung engagiert sich seit Monaten für eine Lösung der Krise.
Außenminister Fischer und Staatsministerin Kerstin Müller (beide Grüne) sind am Sonntag in den Sudan gereist. Sie wollen sich dafür einsetzen, daß die Regierung in Khartum den Konflikt in der Krisenregion Darfur beendet.
Fischers insgesamt zweiwöchige Reise wird ihn auch nach Indien, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka und China führen. In China wird Fischer in der Stadt Jinan eine Produktionsstätte für Solarkollektoren eröffnen. Nach der Irak-Krise und der Verabschiedung der EU-Verfassung hat der Außenminister jetzt offenbar wieder Zeit, sich um Länder zu kümmern, die außerhalb der europäisch-nordatlantischen Region liegen.
Warnung vor einer Katastrophe
Im Sudan engagiert sich die Bundesregierung seit Monaten für eine Lösung der Krise in Darfur, wo Zehntausende Menschen von marodierenden arabischen Milizen getötet, vertrieben, terrorisiert wurden.
Im Auftrag Fischers war Kerstin Müller dreimal in der Region und reiste zum UN-Sicherheitsrat. Berlin versucht, im Sicherheitsrat eine Mehrheit für eine deutliche UN-Resolution zur Krise in Darfur zu gewinnen. Fast täglich appellieren Regierungsmitglieder, den Kopf von der Katastrophe in Darfur nicht abzuwenden.
Krisen in Afrika eine Gefahr auch für Europa
Im Sicherheitskonzept Berlins nimmt Afrika - zumindest in den Absichtsbekundungen - inzwischen einen zentralen Platz ein. „Wenn Afrika anfängt, seine Krisen zu exportieren, werden wir Europäer die Hauptleidtragenden sein“, hatte Fischer im vergangenen November auf einer Afrika-Reise gesagt.
An Bord des Flugzeuges von Fischer befindet sich auch medizinische Notfallausrüstung für die Flüchtlinge in Darfur. Damit können nach Angaben des Auswärtigen Amtes 40 000 Menschen einen Monat lang versorgt werden.
Welthungerhilfe: Die erste Regenzeit verpaßt
Die Deutsche Welthungerhilfe forderte Fischer vor seiner Reise auf, Druck auf die sudanesische Regierung auszuüben. „Die Janjaweed-Milizen müssen entwaffnet werden, damit die Bevölkerung wieder in Ruhe leben kann“, sagte Generalsekretär Hans-Joachim Preuss am Sonntag in Bonn. Gleichzeitig müsse sich die Afrikanische Union verstärkt engagieren, um langfristig Stabilität in der Region zu erreichen.
Mitarbeiter der Welthungerhilfe in Darfur berichteten von abgebrannten Häusern und ausgemergelten Flüchtlingen, die mehrtägige Märsche zurücklegen mußten. „Schon jetzt verpaßt ein großer Teil der Bevölkerung durch die unsichere Lage die erste Regenzeit, um Lebensmittel anbauen zu können“, sagte Preuss. „Wenn nichts geschieht, wird die Bevölkerung auf lange Sicht am Tropf der internationalen Gemeinschaft hängen.“
Seit Ende Mai habe die Deutsche Welthungerhilfe in Kooperation mit dem Welternährungsprogramm im Sudan bereits 3500 Tonnen Nahrungsmittel - vor allem Weizen, Bohnen und Speiseöl - an rund 72 000 Flüchtlinge verteilt, hieß es. Außerdem seien rund 100 Tonnen Saatgut und 8000 Werkzeuge ausgegeben worden, um die Felder noch vor der Regenzeit bestellen zu können. Die Hilfsorganisation ist seit 1998 im Sudan tätig.