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Veröffentlicht: 21.04.2017, 19:42 Uhr

Krise in Venezuela Mindestens zwölf Tote bei Unruhen in Caracas

„Es war wie im Krieg“, berichtet ein Augenzeuge. Die Proteste gegen Venezuelas Präsident Maduro führen zu weiteren Todesopfern – einige davon sterben durch Schüsse.

© dpa Gefährliches Pflaster: Polizisten in Caracas weichen dem Feuer aus.

Bei nächtlichen Unruhen in Venezuelas Hauptstadt Caracas sind mindestens zwölf Menschen getötet worden. Einige von ihnen seien erschossen worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Damit sei die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Protestwelle gegen Präsident Nicolás Maduro vor drei Wochen auf insgesamt 20 gestiegen. Bei den Ausschreitungen im Bezirk El Valle im Südwesten der Hauptstadt wurden demnach auch mindestens sechs Menschen verletzt.

Einige der Opfer in El Valle im Alter zwischen 17 und 45 Jahren erlitten den Angaben zufolge einen tödlichen Stromschlag, als sie eine Bäckerei plünderten. Andere wurden erschossen. Bei den Ausschreitungen gab es außerdem mindestens sechs Verletzte.

Molotow-Cocktails auf ein Tränengasfahrzeug

„Es war wie im Krieg“, sagte der 33 Jahre alte Augenzeuge Carlos Yanez der Nachrichtenagentur AFP. „Soldaten und Polizisten verschossen Tränengas, bewaffnete Zivilisten feuerten auf Gebäude.“ Er und seine Angehörigen hätten sich auf den Boden geworfen. „Es war schrecklich.“

Auf Videos war zu sehen, wie Anwohner Flaschen und andere Wurfgeschosse aus dem Fenster auf die Bewaffneten schleuderten und dazu „Mörder“ riefen. Auf der Straße warfen Angreifer Molotow-Cocktails auf ein Tränengasfahrzeug und setzten es in Brand.

„Bewaffnete Banden der Opposition“

Während der gewalttätigen Auseinandersetzungen in El Valle wurden 54 Säuglinge aus einer Geburtsstation in Sicherheit gebracht. Die Regierung beschuldigte „bewaffnete Banden der Opposition“, das Gebäude angegriffen zu haben. Die Opposition erklärte, die Neugeborenen hätten vor dem Tränengaseinsatz geschützt werden müssen.

Im östlichen Bezirk Petare gab es einen weiteren Toten. Ein Mann wurde während einer Demonstration erschossen, wie der Bezirksbürgermeister Carlos Ocaríz über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Der oppositionelle Bürgermeister rief dazu auf, den Fall aufzuklären und die Schuldigen zu bestrafen. Die Opposition wirft der Regierung vor, Demonstranten gezielt von Milizen erschießen zu lassen. Die Regierung weist das zurück.

Zehntausende bei Protesten

Die Opposition mobilisierte ihre Anhänger seit dem 1. April zu mehreren Großdemonstrationen gegen die Regierung, die immer wieder in Gewalt umschlugen. Anhänger Maduros gingen ihrerseits massenhaft auf die Straße. Auch bei den jüngsten Massenprotesten am Mittwoch und Donnerstag mit zehntausenden Teilnehmern gab es gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Bis Donnerstag waren neun Tote zu beklagen, darunter ein Soldat. Seit Anfang April gab es außerdem 600 Festnahmen, wie die Nichtregierungsorganisation Foro Penal mitteilte.

„Schweigemärsche“ und Straßenblockaden

Venezuela steckt seit Monaten in einer tiefen politischen Krise. Konservative und rechtsgerichtete Regierungsgegner machen Maduro für die schwere Wirtschaftskrise in dem ölreichen Land verantwortlich. Sie kämpfen für eine Volksabstimmung über seine Amtsenthebung.

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Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, rief die Opposition für Samstag zu landesweiten „Schweigemärschen“ zu den Bischofssitzen auf. Für Montag plant sie Straßenblockaden im ganzen Land.

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Von Peter Sturm

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