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Kriegsverbrechen „Herr über Leben und Tod“

09.08.2005 ·  Nach der Festnahme des mutmaßlichen bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers Milan Lukic erwartet das UN-Tribunal in Den Haag nun seine Auslieferung. Lukic war am Montag in Buenos Aires verhaftet worden.

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Der in Argentinien verhaftete mutmaßliche bosnisch-serbische Kriegsverbrecher Milan Lukic soll direkt an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert werden.

Das internationale Gericht habe den Vortritt vor der nationalen serbischen Justiz, zitierten die Zeitungen in Belgrad am Dienstag den für Den Haag zuständigen serbisch-montenegrinischen Minister Rasim Ljajic.

Dutzende Morde an Muslimen

Der 37 Jahre alte Lukic gilt als Anführer der serbischen Paramilitärs „Weiße Adler“ und „Rächer“ im bosnischen Bürgerkrieg in den Jahren 1992-1995. Diese als besonders brutal geltenden Gruppen sollen für Dutzende Morde an Muslimen, für Quälereien, Plünderungen, Massenvertreibungen und großflächige Zerstörungen im Gebiet der ostbosnischen Stadt Visegrad verantwortlich sein.

Die Lukic-Einheit soll nach der Anklageschrift des Tribunals wiederholt Zivilisten in Häuser eingesperrt und diese dann angezündet haben. Lukic war am Montag in Buenos Aires verhaftet worden. Er habe falsche Dokumente und eine größere Geldsumme bei sich gehabt, berichteten die serbischen Behörden am Dienstag in Belgrad. Die Festnahme sei eine koordinierte Zusammenarbeit der serbischen und argentinischen Polizei vorausgegangen, sagte eine Sprecherin von Chefanklägerin Carla del Ponte.

Noch neun Personen auf der Flucht

Als Mittäter war bereits Mitar Vasiljevic vom UN-Tribunal zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er verbüßt seine Strafe in Österreich. Von der langen Liste der Angeklagten, die das Tribunal für Kriegsverbrechen während der Bürgerkriege im ehemaligen Jugoslawien (1991 bis 1999) sucht, befinden sich jetzt noch neun Personen auf der Flucht. Ganz oben auf der Fahndungsliste stehen der ehemalige Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, dessen Militärchef Ratko Mladic sowie der kroatische General Ante Gotovina.

Lukic, den die verängstigten Opfer auch „Herr über Leben und Tod“ genannt haben sollen, war bereits am 15. Juli in Belgrad in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft verurteilt worden, weil von ihm geführte serbische Paramilitärs im Oktober 1992 an der bosnisch-serbischen Grenze 16 Muslime aus dem Ort Sjeverin ermordet hatten. Lukic ist bereits der zweite mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher, der in Argentinien festgenommen wurde. Am 13. Mai war der Polizei in Mendoza Nebojsa Minic ins Netz gegangen. Serbien beantragte inzwischen dessen Auslieferung.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/AP
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