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Veröffentlicht: 10.05.2013, 12:11 Uhr

Krieg in Syrien Erdogan: Assad hat schon lange Chemiewaffen eingesetzt

Das Regime des syrischen Präsidenten Assad hat im Krieg um das Land schon lange Chemiewaffen eingesetzt, sagt der türkische Ministerpräsident. Einzelheite nannte er nicht.

© REUTERS Tayyip Erdogan

Die syrische Regierung hat die von den Vereinigten Staaten gesetzte „rote Linie“ zum Einsatz von Chemiewaffen nach Ansicht des türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan längst überschritten. „Es ist klar, dass das Regime (von Präsident Baschar al Assad) chemische Waffen und Raketen eingesetzt hat“, sagte Erdogan dem amerikanischen Sender NBC. Einzelheiten oder Zeitpunkt des angeblichen Einsatzes nannte er nicht. Ankara unterstützt in dem Konflikt die syrische Opposition.

Erdogan verwies auf Teile von Raketen, die man gefunden habe und die auf eine Bewaffnung mit Kampfstoffen schließen ließen. Außerdem seien an verletzten syrischen Flüchtlingen entsprechende Symptome festgestellt worden. „Es wurden Patienten in unsere Krankenhäuser gebracht, die durch diese chemischen Waffen verletzt wurden“, sagte Erdogan. Inwiefern sich daraus eindeutig auf syrische Regierungstruppen schließen lasse, sagte Erdogan indes nicht. In den vergangenen Wochen hatten bereits amerikanische und israelische Geheimdienste angegeben, konkrete Hinweise auf den Einsatz geringer Mengen des Nervengifts Sarin zu besitzen. Eindeutige Beweise hingegen stehen bislang aus. Die Rebellen und die syrische Regierung hatten sich in der Vergangenheit gegenseitig vorgeworfen, Giftgas einzusetzen.

Türkei für Flugverbotszone

Der amerikanische Präsident Barack Obama hatte den Einsatz von chemischen Waffen durch die syrische Regierung als rote Linie bezeichnet und dem Assad-Regime mit schwerwiegenden Konsequenzen gedroht. Auf die Frage, ob diese Linie nun überschritten sei, sagte Erdogan: „Sie wurde schon vor langer Zeit überschritten.“

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Zugleich forderte er die amerikanische Regierung auf, in dem Konflikt „mehr Verantwortung zu übernehmen und weitere Schritte zu unternehmen“. Darüber wolle er mit Obama während eines Treffens in der kommenden Woche beraten. Die Türkei würde nach seinen Worten eine Flugverbotszone in Syrien unter Führung der Vereinigten Staaten unterstützen. Sein Land hätte von Anfang an „Ja“ zu einem solchen Einsatz gesagt, sagte Erdogan.

Quelle: FAZ.NET, mit Material von dpa/Reuters

 

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