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Krieg in Mali Wut auf die Berufsrevolutionäre

Dass die Tuareg gegen die Regierung in den Krieg ziehen, ist nichts Neues in Mali. Dabei sind sie nur eine Minderheit im Norden des Landes. Viele wollen keinen Tuareg-Staat - und sind zornig darüber, dass die Rebellen radikale Islamisten im Schlepptau hatten.

© AP Vergrößern Ein französischer Soldat in Diabali in Zentralmali

„Ein unabhängiger Staat namens Azawad?“ Agory Ag Iknane lacht auf. „Was für eine Schnapsidee, das funktioniert niemals.“ Dabei gehört der Mediziner Iknane zu den Tuareg und damit zu der Volksgruppe im Norden Malis, die für die Unabhängigkeit ihres Siedlungsgebietes im Januar vergangenen Jahres einen Krieg vom Zaun gebrochen hatte. „Bewegung für die Befreiung des Azawad“ (MNLA) heißt diese Rebellengruppe, die sich aus Tuareg zusammensetzt, die zuvor in der libyschen Armee gedient und sich nach Gaddafis Tod unter Mitnahme von schweren Waffen nach Mali abgesetzt hatten. „Die haben uns nicht gefragt, behaupten aber, im Namen aller Tuareg zu sprechen. Dann verbünden die sich mit diesen Dschihadisten und bringen uns damit in Teufels Küche“, sagt Iknane. Er kann seine Wut kaum noch unterdrücken. „Glauben Sie mir: Die Mehrheit der Tuareg verflucht diese Leute.“

Thomas Scheen Folgen:    

Der Arzt ist Präsident der „Association des Ressortissants de Kidal“ in Bamako, einer Tuareg-Bürgervereinigung aus der gleichnamigen nordmalischen Stadt. Er hat die Angriffe der MNLA-Rebellen öffentlich verurteilt, auch die der Islamisten, die im Schlepptau der Söldner aus Libyen auftauchten und nun den ganzen Norden besetzt halten. Er hat zu Blutspenden für die Soldaten der malischen Armee aufgerufen und Sachspenden organisiert. Wohl fühlt er sich trotzdem nicht mehr in seiner Haut. „Ich habe das dumme Gefühl, dass wir Tuareg einen hohen Preis zahlen werden, wenn dieser Spuk vorbei ist“, sagt er.

„Es ging um Geld, um nichts anderes“

Der Krieg in Mali, der sich inzwischen zu einer internationalen Militäraktion gegen die nordafrikanische Filiale von Al Qaida ausgeweitet hat, begann wie nahezu alle Tuareg-Aufstände zuvor: „Es ging um Geld, um nichts anderes“, sagt Baba Haïdara, der für die ehemalige Regierungspartei Adema als Abgeordneter aus Timbuktu im Parlament sitzt. Haïdara, dessen Vater als erster malischer Parlamentspräsident nach der Unabhängigkeit von Frankreich 1960 diente, war Vorsitzender des parlamentarischen „Krisenkomitees für den Norden“, das im Auftrag der Regierung Verhandlungen führen sollte mit den heimgekehrten Söldnern.

Die wollten in die Armee integriert werden und drohten anderenfalls mit Krieg. „Wir haben die Führer des MNLA in ihren Grotten da oben an der libyschen Grenze besucht und haben sie gefragt: Wen repräsentiert ihr eigentlich? Und wir haben ihnen gesagt, dass es dieses Mal nicht so laufen wird wie bei allen anderen Tuareg-Aufständen, nämlich dass die Regierung das Problem mit Geld regeln wird“, erinnert sich Haïdara. Das war im Dezember 2011. Einen Monat später ging der MNLA zusammen mit den Islamisten von „Ansar al Dine“ zum Angriff über.

22881680 Ein malischer Soldat kontrolliert in Diabali die Papiere der Einheimischen © AP Bilderstrecke 

Der militärische Kopf des MNLA, Mohamed Ag Najem, und der Chef von Ansar al Dine, Iyad ag Ghaly, stammen beide aus Kidal, wo noch jede Tuareg-Rebellion ihren Anfang genommen hat. Es sind Ifoghas, benannt nach dem Gebirgszug Adrar des Ifoghas an der Grenze zu Niger. Die Ifoghas aber sind eine Minderheit innerhalb der Tuareg-Gemeinschaft, die alles in allem auf 65000 Menschen geschätzt wird. Bei einer Gesamtbevölkerung von 1,3 Millionen Menschen in den drei Regierungsbezirken Timbuktu, Gao und Kidal stellen die Tuareg damit fünf Prozent der Bevölkerung und die Iforghas nicht einmal ein Prozent.

„Es ist immer dasselbe mit denen“, sagt der Tuareg Iknane: „Die Ifoghas wollen einfach nur Macht und berufen sich dabei auf ihre Tuareg-Wurzeln. Sie fangen Rebellionen an, lassen sich den Frieden mit viel Geld bezahlen, warten ein paar Jahre ab und legen dann wieder los.“ Doch dieses Mal haben die Ifoghas zusätzlich die Dschihadisten aus Algerien angeschleppt. „Und das, das verzeiht ihnen niemand mehr“, prophezeit der Abgeordnete Haïdara. Inzwischen sind die letzten MNLA-Kämpfer nach Mauretanien geflüchtet und haben der dortigen Armee ihre Waffen übergeben. „Die existieren nur noch in den französischen Medien. Das Leben in Paris ist bekanntlich komfortabler als in der Sahara“, sagt Haïdara verächtlich.

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