17.01.2005 · War der Irak nur der Anfang? Der weltweit bekannte amerikanische Enthüllungsreporter Seymour Hersh schreibt in der Zeitschrift „New Yorker“, geheime Kommandos spähten mögliche Angriffsziele in Iran aus. Das Weiße Haus dementiert.
Geheime Kommandos der Vereinigten Staaten haben in den vergangenen Monaten nach einem Bericht des amerikanischen Starreporters Seymour Hersh mögliche Angriffsziele in Iran ausgespäht. Dies berichtete die angesehene Zeitschrift „New Yorker“ am Sonntag.
Präsident George W. Bush habe die völlige Kontrolle über die Geheimdienste und das Pentagon übernommen und verfolge mit ihrer Hilfe ein „aggressives und ehrgeiziges Programm gegen Iran und gegen Ziele im Krieg gegen den Terrorismus“, so Hersh.
Die Spezialeinheiten haben nach dem Bericht von Hersh versucht, rund drei Dutzend chemische und nukleare Anlagen sowie Raketenabschußbasen in Iran auszuforschen. Der Starreporter berief sich dabei auf einen dem Pentagon nahestehenden Berater. Seit Sommer 2004 stießen amerikanische Teams über die pakistanische Grenze nach Iran vor. Ziel des Pentagons sei es, Ziele für ein mögliches Bombardement zu identifizieren „und so viel militärische Infrastruktur wie möglich zu zerstören“.
Das Weiße Haus dementierte dem Fernsehsender CNN zufolge den Bericht. „Natürlich sehen wir Iran mit Sorge“, sagte Präsidentenberater Dan Bartlett dem CNN am Sonntag. Der Bericht von Hersh sei jedoch „voller Ungenauigkeiten“. Die Vereinigten Staaten setzten auch gegenüber Teheran auf diplomatische Mittel. Militärische Mittel könne man nicht ausschließen. „Noch nie in der Geschichte hat ein amerikanischer Präsident militärische Mittel ausgeschlossen“, so Bartlett.
Die Vereinigten Staaten arbeiteten nach Absprache mit Pakistans Präsident Pervez Musharraf eng mit pakistanischen Wissenschaftlern zusammen, die zuvor mit den Iranern kooperiert hätten. Für diese pakistanische Unterstützung habe Washington Musharraf zugesichert, daß seine Regierung nicht gestürzt werde. Zudem verzichtete Washington auf die Auslieferung des pakistanischen Atomwissenschaftlers A. Q. Khan, der Iran, Libyen und Nordkorea mit Material zur Nukleartechnologie versorgt haben soll.
Hersh zitierte auch einen anderen „hochrangigen Geheimdienst- Informanten“, der gesagt habe, daß der Irak nur eine Etappe im Krieg gegen den Terrorismus sei. „Die Bush-Regierung sieht dies als eine große Kriegszone an. Als nächstes werden wir einen Irankrieg haben.“
Bush habe dem Einsatz geheimer Kommandos in zehn Ländern ausdrücklich zugestimmt. Die Operationen würden vor allem vom Pentagon ausgeführt, der Geheimdienst CIA verliere an Bedeutung. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und sein Stellvertreter Paul Wolfowitz glaubten, daß es in Iran - wie früher in den kommunistischen Diktaturen im Ostblock - darum gehe, „die Aura der Unbesiegbarkeit der Mullahs“ zu erschüttern. Dann werde das Regime in Teheran zusammenbrechen.