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Kreml und Kirche : Putins Patriarch in Havanna

Kurzer Draht: Patriarch Kirill und Präsident Wladimir Putin während der Ostermesse im vergangenen Jahr Bild: dpa

Der russische Patriarch Kirill trifft sich an diesem Freitag in Havanna mit Papst Franziskus. Das historische Treffen liegt ganz im Interesse des Kremls - denn Kirche und Politik sind unter Putin zu einer Einheit verschmolzen.

          Im Danilow-Kloster, dem Sitz des Patriarchen von Moskau und ganz Russland, empfängt die Abteilung für Außenbeziehungen der Russischen Orthodoxen Kirche. Was ihre Vertreter zum Treffen von Patriarch und Papst an diesem Freitag in Kuba sagen, soll nicht zitiert werden. Kirill will volle Kontrolle. Verteilt wird aber ein Papier, das die zentralen Botschaften wiederholt. Erstens: Das Treffen, das erste seit der Kirchenspaltung im Jahr 1054, habe einen langen Vorlauf. Genannt werden die Jahre 1996 und 1997. Zweitens: Das „Hauptproblem“, das ein Treffen der Kirchenoberhäupter bisher habe scheitern lassen, bestehe fort: Die mit Rom unierte Ukrainische griechisch-katholische Kirche, die „antirussische und russophobe Lösungen“ vertrete, bleibe eine „blutende Wunde“.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Doch besonders wichtig ist der Kirche der dritte Punkt: Ein „Genozid“ an Christen „im Nahen Osten, in Nord- und Zentralafrika und in einigen anderen Regionen“ verlange „dringende Maßnahmen und eine engere Zusammenarbeit zwischen den christlichen Kirchen“. Im Danilow-Kloster reagiert man auf politische Gebote der Stunde. Wie im Kreml.

          Mehr als drei Jahrzehnte hatte die Russische Orthodoxe Kirche Vorstöße aus Rom für ein Treffen der Oberhäupter abgelehnt. Vor gut zwei Wochen kam dann ein Dementi: Das Außenamt teilte mit, Gerüchte über eine bevorstehende Zusammenkunft Kirills mit Franziskus auf Kuba hätten „keine Grundlage“, die Programme der Lateinamerika-Reisen der beiden „überschneiden sich nicht“. Dass sie sich nun, wie vor einer Woche mitgeteilt wurde, doch überschneiden und Kirill und Franziskus am Flughafen von Havanna aufeinandertreffen, nutzt dem Oberhaupt der Russischen Orthodoxen Kirche und seinem Präsidenten Wladimir Putin. Er ist der unsichtbare dritte Teilnehmer des Treffens. Die historische Zusammenkunft erlaubt ihm, den Beschützer der Christen des Nahen Ostens zu mimen, während seine Luftwaffe immer neue Angriffswellen auf Aleppo fliegt.

          Unter Kirill rückte die Kirche näher an den Kreml

          Aus Sicht Kirills birgt das Treffen Vorteile mit Blick auf das panorthodoxe Konzil, das nach langer Vorarbeit Mitte Juni auf Kreta stattfinden soll. Das Oberhaupt der Russischen Orthodoxen Kirche rivalisiert mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios, um die Vorherrschaft in der Orthodoxie. Der Mann aus Istanbul mit dem Ehrentitel „Ökumenischer Patriarch“ unterhält, anders als der Moskauer, schon lange gute Beziehungen zu Rom. Das Treffen von Havanna soll diesen Nachteil wettmachen.

          Kirill kann sich den Schritt erlauben. Die mehr als fünf Millionen „Unierten“ in der Ukraine, die nach orthodoxem Ritus Messe feiern, aber dem Papst unterstehen, mögen den Patriarchen weiterhin stören.

          Doch mit Blick auf ein anderes „Problem“ vermittelt Moskau mittlerweile Gelassenheit: den, so das kirchliche Außenamt, „Proselytismus“ katholischer Missionare „auf dem kanonischen Gebiet des Moskauer Patriarchats“, zu dem man auch die Ukraine zählt. 1998 führte der Widerstand der Kirche dazu, dass Johannes Paul II. eine Einladung von Präsident Boris Jelzin nach Russland nicht annahm. Ihre Vertreter regten sich damals über vier katholische Diözesen auf dem „kanonischen Gebiet“ auf – obwohl das Moskauer Patriarchat selbst längst eigene Diözesen etwa in Frankreich, Belgien, Österreich und Ungarn unterhielt. Noch im Jahr 2001 gab es in Russland, auch im Zentrum Moskaus, viele Demonstrationen gegen den Besuch von Johannes Paul II. in Kiew.

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