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Krawalle in Griechenland Die Gewalt in Athen gerät außer Kontrolle

08.12.2008 ·  Rund 48 Stunden nach den tödlichen Polizeischüssen auf einen 15 Jahre alten Schüler in Athen scheint die Gewalt in Griechenland außer Kontrolle geraten. Laut griechischen Medien haben rund 4000 Autonome das Athener Stadtzentrum eingenommen und Geschäfte und Gebäude in Brand gesteckt.

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Rund 48 Stunden nach den tödlichen Polizeischüssen auf einen 15 Jahre alten Schüler in Athen ist die Gewalt in Griechenland außer Kontrolle geraten. Laut griechischen Medien haben rund 4000 Autonome das Athener Stadtzentrum eingenommen. Gruppen gewalttätiger Jugendlichen zogen in Athen und Saloniki durch Straßen und steckten Geschäfte und Gebäude in Brand. Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis berief eine Sondersitzung des Kabinetts ein.

Entlang der drei großen Einkaufsstraßen Panepistimiou, Stadiou und Skoufa sowie rund um den zentralen Syntagmaplatz brannten nahezu alle Geschäfte. Gewalttätige Demonstranten erreichten am Abend auch den Kolonaki-Platz, wo viele Politiker des Landes wohnen, und zerstörten dort alle Geschäfte. Passanten flohen in Panik in alle Richtungen. Die Polizei setzte massiv Tränengas ein, was aber ohne merkbare Wirkung auf die Randalierer blieb. Die Feuerwehren wurden an einem Eingreifen gehindert, weil Autonome ihre Einsatzfahrzeuge mit Brandsätzen attackierten.

Weitere Krawalle sind zu erwarten

Vor den Ausschreitungen hatten rund 10.000 Demonstranten in der Innenstadt von Athen friedlich gegen die Polizeigewalt protestiert. Die meist jugendlichen Demonstranten bemalten große Teile der
Panepistimiou-Straße im Stadtzentrum mit roter Farbe. Diese sollte das vergossene Blut des Jugendlichen symbolisieren, der am Samstagabend durch eine Polizeikugel ums Leben gekommen war. Zu der Demonstration hatte die kleine griechische Partei Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA) aufgerufen.

Video: Welle der Gewalt in Griechenland nach Tod eines Jugendlichen

In fast allen Landesteilen Griechenlands blieben am Montag die Schulen geschlossen. Das Kultusministerium erklärte den Dienstag zum Tag der Trauer. Für die kommenden Tage wurden neue Demonstrationen autonomer Gruppen und linker Parteien angekündigt. Bei den Straßenkämpfen waren seit Samstagabend rund 40 Menschen verletzt worden. Der Sachschaden wurde noch vor den Unruhen am Montagabend auf 100 Millionen Euro geschätzt.

Ausschreitungen auch in anderen Städten

Auch aus der Stadt Larissa wurden Krawalle gemeldet. Ausschreitungen zwischen Jugendlichen und der Polizei gab es am Montag außerdem in Veria westlich von Saloniki sowie in der zentralen Stadt Trikala und in Chania auf Kreta. Jugendliche demonstrierten vor den griechischen Botschaften in London, Berlin und Nikosia.

Ministerpräsident Karamanlis rief die Bevölkerung in einer Fernsehansprache zur Ruhe auf. Es könne nicht geduldet werden, dass „der tragische Vorfall“ in Athen zu solchen gefährlichen Ausschreitungen führe. „Der Staat wird die Gesellschaft schützen“, sagte der Regierungschef.

Entschuldigung der Polizeigewerkschaft

Anlass für die schwersten Unruhen in Griechenland seit rund zwei Jahrzehnten war der Tod des 15 Jahre alten Alexandros Grigoropoulos am Samstagabend in Athen. Er gehörte nach Polizeiangaben zu einer kleinen Gruppe von vermutlich anarchistischen Jugendlichen, die einen Streifenwagen attackierten. Ein Polizist gab daraufhin drei Schüsse ab und traf den Jungen tödlich in die Brust. Die Beamten machten Notwehr geltend, doch Augenzeugen erklärten griechischen Medien zufolge, die Polizei habe mit voller Absicht auf die Jugendlichen geschossen. Die beiden in den Vorfall verwickelten Beamten wurden festgenommen und des Mordes beziehungsweise der Beihilfe zum Mord beschuldigt. Staatspräsident Karolos Papoulias schickte ein Beileidstelegramm an die Eltern des getöteten Jungen, die Polizeigewerkschaft entschuldigte sich bei ihnen.

Allein bis Sonntagabend wurden nach Polizeiangaben 37 Beamte verletzt. 22 Personen kamen in Polizeigewahrsam oder wurden festgenommen. Innenminister Prokopis Pavlopoulos und sein
Stellvertreter boten ihren Rücktritt an, Ministerpräsident Karamanlis lehnte dies jedoch ab. Das letzte Mal wurde in Griechenland 1985 ein Jugendlicher von der Polizei erschossen. Danach gab es wochenlange Unruhen.

Botschaften in Berlin und London attackiert

Die Zwischenfälle zogen auch im Ausland Kreise. Mehrere Demonstranten besetzten am Montag die konsularische Abteilung der griechischen Botschaft in Berlin. Aus dem Gebäude am Wittenbergplatz wurde nach Polizeiangaben ein Transparent gehängt, auf dem der griechische Staat für den Tod des Jugendlichen verantwortlich gemacht wird. In London rissen Demonstranten die griechische Fahne vor der dortigen Botschaft herunter und setzten sie in Brand, anschließend zogen sie die rot-schwarze Fahne der Anarchistenbewegung auf. Fünf der laut Polizei etwa 40 Demonstranten wurden festgenommen. Proteste gab es außerdem vor der griechischen Botschaft in Nikosia auf Zypern.

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