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Kosovo-Frage Blutiger Protest in Podgorica

14.10.2008 ·  Was friedlich begann, mündete in Gewalt: In der montenegrinischen Hauptstadt protestierte die Opposition gegen die Regierung von Ministerpräsident Djukanovic. Die proserbische Bevölkerungsgruppe demonstrierte dagegen, die Unabhängigkeit des Kosovos anzuerkennen.

Von Michael Martens, Belgrad
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Helle Flammen schlugen den Passanten am Dienstagmorgen aus den Belgrader Zeitungskiosken entgegen: Alle Zeitungen in der serbischen Hauptstadt berichteten ausführlich und mit großen Fotos von den Ausschreitungen, die in der Nacht zuvor in der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica stattgefunden hatten.

Dort hatten mehrere Oppositionsparteien zu einem Protest gegen die Regierung von Ministerpräsident Milo Djukanovic aufgerufen. Die Veranstaltung war zunächst friedlich verlaufen, mündete dann aber in Zusammenstöße zwischen gewalttätigen Demonstranten und der Polizei. Nach Polizeiangaben wurden mindestens 34 Personen verletzt, vor allem Polizisten. Außerdem seien 28 Randalierer verhaftet worden. Anlass der Proteste, an denen sich bis zu 10.000 Personen beteiligten, war die in der vergangenen Woche veröffentlichte Entscheidung der montenegrinischen Regierung, gemeinsam mit Mazedonien die Unabhängigkeit des Kosovos anzuerkennen.

Solidarität mit den Serben

Dieser Entschluss war in Serbien selbst, aber auch bei der proserbischen Bevölkerungsgruppe in Montenegro auf Unverständnis und Ablehnung gestoßen. Die Montenegriner gelten in Serbien als Brudervolk, das „eigentlich“ serbisch sei. Ein maßgeblicher Teil der slawischen Montenegriner sieht sich auch selbst so. Montenegriner sind laut diesem Verständnis schlicht Serben, die in Montenegro leben.

Dieser Auslegung steht jedoch eine große und seit einigen Jahren immer stärker werdende Bevölkerungsgruppe gegenüber, die sich auf eine gesonderte Tradition und Identität der Montenegriner bezieht, welche zwar der serbischen Sprache, Kultur und Geschichte eng verwandt, aber nicht mit ihr identisch seien.

Bei einem Referendum im Mai 2006 hatten 55,5 Prozent der Abstimmenden für die Unabhängigkeit Montenegros gestimmt. Montenegro sagte sich damit als letzte der sechs jugoslawischen Republiken von Serbien los. Die Opposition in Montenegro fordert nun, Djukanovic müsse die Entscheidung zur Anerkennung des Kosovos bis zum Mittwoch zurücknehmen und die Frage zum Thema eines Referendums zu machen.

„Größte Schande in der Geschichte Montenegros“

Der proserbische Oppositionsführer Andrija Mandic nannte die Anerkennung des Kosovos die „größte Schande in der Geschichte Montenegros“ und forderte Neuwahlen, sollte die Regierung nicht auf die Forderung der Opposition eingehen.

Allerdings ist die Position Djukanovics in Montenegro nicht zuletzt deshalb sehr stark, weil sich in dem heterogenen Lager der Opposition kein Politiker findet, der populär genug wäre, seine Vormachtsstellung zu gefährden. Djukanovic verteidigte die Entscheidung und bezeichnete die Unabhängigkeit des Kosovos „eine politische Realität“, die es zu akzeptieren gelte.

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Jahrgang 1973, politischer Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Istanbul.

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