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Korruptionsskandal Millionen auf Mallorca

07.03.2010 ·  Verraten vom eigenen Kronprinzen: Maria Antònia Munar war 25 Jahre lang die mächtigste Frau der Insel. Nun stürzte die „Königin von Mallorca“ über einen Korruptionsskandal, der auch den mallorquinischen Ministerpräsidenten den Posten kosten könnte.

Von Leo Wieland, Madrid
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Auf Mallorca wankt die „Munarchie“. Das spanische Königshaus ist davon nicht betroffen - es geht um die Macht einer Parteipolitikerin, die als „Prinzessin von Mallorca“ bezeichnet wurde: Maria Antònia Munar. Über Jahrzehnte spielte sie eine Schlüsselrolle in der Inselpolitik, indem sie als Vorsitzende der katalanistisch-regionalnationalistischen Minipartei Unió Mallorquina (UM) mal den Konservativen und mal den Sozialisten als Mehrheitsbeschafferin diente. Bis vor wenigen Tagen war sie noch Präsidentin des Parlaments der Autonomen Region, nun steht sie im Mittelpunkt eines weitgefächerten Korruptionsskandals.

Verraten wurde die Prinzessin von ihrem eigenen Kronprinzen in der UM, Miquel Nadal. Er gab in der vorigen Woche preis, was viele vermutet hatten, aber noch keiner beweisen konnte: Dass er im Jahr 2004, als Frau Munar in der Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Jaume Matas von der Volkspartei (PP) Kabinettschefin war, 300.000 - mutmaßlich „schwarze“ - Euro in bar von ihr erhielt, um damit einen lokalen Fernsehsender namens „Video U Bahía Difusiò“ zu kaufen. Dieses Instrument kam der Partei, Munar und auch Nadal seither in mehreren Wahlen zustatten.

Einfluss üben, Geld scheffeln

2007 gab Frau Munar ihrem konservativen Regierungspartner Matas - auch er ist inzwischen in mannigfache Bestechungsaffären verwickelt - den Laufpass. In den damaligen Regionalwahlen war die Volkspartei zwar wieder vor den Sozialisten stärkste Kraft geworden, aber die drei Mandate der UM reichten, um einen Regierungswechsel zu ermöglichen, und so machte die „Prinzessin“ dem Sozialisten Francesc Antich ein Angebot zur Koalition, das dieser nicht ablehnen konnte. So konnte sie ihr altes Spiel in einer neuen Konstellation fortsetzen: Einfluss ausüben, Geld scheffeln und sich in aller Öffentlichkeit vor den Kameras ihres Fernsehsenders mit Pelz, Juwelen und Luxusuhr ablichten lassen. Dass sie dabei beteuerte, sie sei wegen ihrer „innerer Berufung“ in der Politik und nicht etwa wegen des irdischen Lohnes, hatte für viele schon damals einen seltsamen Klang.

Als Munars Gefolgsmann Nadal, der in ein halbes Dutzend undurchsichtiger Angelegenheiten verstrickt ist, Ende vergangenen Jahres als Tourismusminister zurücktreten musste, zog Ministerpräsident Antich im Januar die Notbremse. Er verstieß alle UM-Minister aus seinem Kabinett und amtiert seitdem als Chef einer Minderheitsregierung. Nach Nadals Geständnis musste dann im Februar auch Frau Munar gehen, obwohl sie beim Rücktritt ihre Unschuld beteuerte und sagte, sie wolle damit nur Schaden von ihrer Partei wenden. Diese wird inzwischen von einem neuen Vorsitzenden namens Josep Melià geführt, der eine politisch und geschäftlich gesäuberte „Neugründung“ vorhat und zu diesem Zweck für den 17. April einen außerordentlichen Parteikongress einberufen hat.

Profite mit „toten Seelen“

Während der nach eigenen Angaben „schockierte“ Antich sich noch weigert, vorgezogenen Wahlen zuzustimmen - er möchte bis zum regulären Termin im Mai 2011 bleiben -, gräbt die Justiz nach weiteren Fakten. Denn die 300.000 Euro, die Nadal erwähnte, sind offenbar nur die Spitze eines Millionenberges. Vor allem die spanische Zeitung „El Mundo“, deren Chefredakteur Pedro J. Ramírez bei den mallorquinischen Nationalisten äußerst unbeliebt ist (er hat in seiner Strandvilla über den Klippen angeblich einen illegalen Swimmingpool), breitet schon seitenweise Einzelheiten aus.

Danach hat Munars Unió Mallorquina Dutzende von Firmen benutzt, um dort bezahlte Parteifunktionäre als Scheinangestellte mit einem üppigen zweitem Salär unterzubringen und den Rückfluss dieser Mittel in ihr genehme Kanäle zu lenken. Die Profite mit „toten Seelen“ sollen leicht in Millionenhöhe gereicht haben. Das Gleiche soll für Einnahmen gelten, die die Prinzessin mit Hilfe ihres Baugeschäftes realisierte. Als zeitweise unter anderem für den Straßenbau zuständige Ministerin soll sie nicht nur, wie es auf der Insel heißt, „halb Mallorca asphaltiert“, sondern auch immer darauf geachtet haben, dass das mit ihrem Asphalt besorgt wurde. Zu der Saga des außerordentlichen Reichtums der 54 Jahre alten Frau, die ihre politische Karriere vor 30 Jahren in ihrem Heimatdorf als jüngste Bürgermeisterin Spaniens begann, gehören auch „Neubewertungen“ von Bauland mit „15 Prozent Kommission“ und allerlei andere, noch im Detail auszuleuchtende Immobiliengeschäfte. Wie geht es nun weiter in dem von der Staatsanwaltschaft beziehungsreich getauften „Fall Schminke“? Dem geständigen Nadal hat man erst einmal den Reisepass weggenommen; außerdem musste er 750.000 Euro Kaution hinterlegen.

Bei der Prinzessin müssen die Behörden noch ein paar Tage abwarten, bis die Abgeordnetenimmunität formell aufgehoben und sie zur Aussage vorgeladen werden kann. Ministerpräsident Antich ist unverändert entschlossen, „Verantwortungsbewusstsein“ zu demonstrieren und weiterzuregieren. Das Vertrauen könnte ihm auch nur entzogen werden, wenn mindestens ein Abgeordneter der Prinzessinnen-Partei die Front wechseln würde und einen Pakt mit den Konservativen einginge. Wer weiß, was der Inselfrühling da alles noch bringen wird.

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