Home
http://www.faz.net/-gpf-6ykok
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Korruption in Spanien Sechs Jahre Haft für früheren Umweltminister

Erstes Urteil in einem der größten Korruptionsskandale in der jüngeren spanischen Geschichte: Der frühere Umweltminister Jaume Matas muss sechs Jahre ins Gefängnis. Gegen den Schwiegersohn des Königs wird weiter ermittelt.

© REUTERS Verurteilt: Jaume Matas, früherer balearischer Regierungschef

Der ehemalige Ministerpräsident der Balearen-Inseln Jaume Matas ist am Dienstag von dem Provinzgericht in Palma de Mallorca wegen Betrugs, Missbrauchs öffentlicher Gelder, Dokumentenfälschung und Rechtsbeugung zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Der 57 Jahre alte Politiker, der in der Regierung des ehemaligen Ministerpräsidenten José María Aznar auch Umweltminister war, kann neun Jahre lang kein öffentliches Amt mehr ausüben. Zu Beginn des Verfahrens in der Affäre um den Bau der „Palma Arena“, in dem es um ein weit verzweigtes Korruptionsgeflecht geht, war Matas schon aus der konservativen Volkspartei ausgetreten.

Das Urteil ist nur das erste in mehreren anhängigen Fällen passiver Bestechung. Hierbei ging es um die illegale Zahlung einer halben Million Euro an einen Journalisten, der nicht nur Matas´ Reden schrieb, sondern diese anschließend auch noch in seiner Zeitung lobte. Er wurde zu drei Jahren Haft verurteilt.

Matas ist überdies in das gegen den Schwiegersohn von König Juan Carlos, Iñaki Urdangarin, anhängige Verfahren wegen angeblichen Missbrauchs öffentlicher Gelder verwickelt. Als Ministerpräsident verschaffte er Urdangarin zweifelhafte Aufträge im Wert von mehr als zwei Millionen Euro. Der Ehemann der Königstochter Cristina steht im Verdacht, als Präsident einer Stiftung Steuergelder in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben.

Mehr zum Thema

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von achteinhalb Jahren wegen Amtsmissbrauchs, Veruntreuung, Betrugs und Dokumentenfälschung gefordert. Das Urteil dürfte nach Ansicht von Beobachtern eine Signalwirkung für weitere Verfahren haben, die gegen Matas anhängig sind.

19028794 © AFP Vergrößern Im Zwielicht: Der Gatte der Infantin, Iñaki Urdangarin

Matas hatte von 1996 bis 1999 und von 2003 bis 2007 an der Spitze der balearischen Regionalregierung gestanden. Von 2000 bis 2003 war er spanischer Umweltminister in der Regierung von Ministerpräsident José María Aznar. Sein Vorgänger im Amt des balearischen Regierungschefs, Pere Cañellas, hatte sich ebenfalls in einem Korruptionsprozess vor Gericht verantworten müssen. Der konservative Politiker wurde jedoch freigesprochen, weil die ihm zur Last gelegten Straftaten verjährt waren.

Quelle: wie./FAZ.NET/dpa

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Spanien Hells-Angels-Chef Hanebuth soll freikommen

Rocker Frank Hanebuth kommt zwei Jahre nach seiner Festnahme in Spanien auf freien Fuß. Allerdings darf er das Land nicht verlassen. Mehr Von Reinhard Bingener, Hannover

24.07.2015, 16:09 Uhr | Gesellschaft
Amateurvideo Brennende Fähre Sorrento vor Mallorca

Ein Amateurvideo zeigt den Großbrand auf der Fähre Sorrento. Der Brand war auf dem Weg von Palma de Mallorca nach Valencia ausgebrochen. Mehr

29.04.2015, 15:52 Uhr | Gesellschaft
Landgericht Regensburg Falscher Schönheitschirurg muss ins Gefängnis

Mit Schönheitsoperationen verdiente Christian B. mehrere Zehntausend Euro - obwohl er gar kein Arzt ist. Nun hat ihn das Landgericht Regenburg wegen gefährlicher Körperverletzung und Betrugs verurteilt. Mehr

27.07.2015, 19:37 Uhr | Gesellschaft
Singen per Gebärdensprache Musik für Gehörlose

María José Siebald lässt Musik für Gehörlose erfahrbar werden: Die Chilenin macht Musikvideos in Gebärdensprache oder tritt auf der Bühne auf. Dafür verkleidet sie sich auch schon mal als Amy Winehouse. Mehr

06.02.2015, 15:59 Uhr | Gesellschaft
Missbrauchsvorwürfe New York Magazine zeigt Cover mit 35 mutmaßlichen Cosby-Opfern

Sie schauen einen direkt ins Gesicht vom Cover des aktuellen New York Magazine: 35 Frauen, mutmaßliche Opfer sexueller Übergriffe des amerikanischen Entertainers Bill Cosby. In dem Heft erzählen sie ihre persönliche Geschichte. Mehr

27.07.2015, 09:05 Uhr | Gesellschaft

Veröffentlicht: 20.03.2012, 13:53 Uhr

Kein Abgrund von Landesverrat

Von Reinhard Müller

Die Veröffentlichung von Dokumenten des Verfassungsschutzes ist kein Landesverrat. Aber es gibt auch keine Verschwörung gegen Journalisten. Mehr 5 6