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Korruption im Fußball-Weltverband Selbstbedienungsladen Fifa

 ·  Präsident Joseph Blatter hat wieder einmal jede Kritik an sich abperlen lassen. Positiv für ihn wirkt sich aus, dass man sich eigentlich nur in Europa über die Zustände bei der Fifa aufregt.

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© Pressefoto ULMER/Kurt Schorrer Vergrößern Sonnenkönig: Die heile Welt des Joseph Blatter. Das Bild entstand im Jahre 2007.

Roland Rino Büchel ist in der Schweiz so etwas wie ein Intimfeind von Joseph Blatter. Der Abgeordnete der nationalkonservativen SVP im Nationalrat beschäftigt sich seit zwei Jahren intensiv mit den Auswirkungen des undurchsichtigen Machtgeflechts beim Fußball-Weltverband Fifa. Er hat mit Kollegen anderer Parteien Gesetzesvorstöße unternommen, damit die Sonderrechte der etwa 50 in der Schweiz ansässigen internationalen Sportorganisationen fallen. Diese befreien die Verbände bislang nicht nur weitgehend von Steuerzahlungen und sichern ihnen die uneingeschränkte Hoheit über ihre Geschäfte zu, sondern nehmen ihre gemeinnützigen Körperschaften auch vom Schweizer Anti-Korruptions-Gesetz aus. Allein das empfinden viele als Skandal.

Wie selbstverständlich hält sich der Fußballkonzern, bei dem sich eigentlich alles ums Geldverdienen dreht und der von den eigenen Leuten als Selbstbedienungsladen missbraucht wurde, für eine „nicht gewinnorientierte Organisation“. Und das bei einem Ertrag von einer Milliarde Dollar und Reserven von 1,3 Milliarden, die zuletzt im Finanzbericht für 2011 ausgewiesen wurden. Vor allem hat sich der Abgeordnete Büchel die in Zürich residierende Fifa und deren Präsidenten vorgeknöpft. Anfang vergangenen Jahres antwortete er Blatter in einem offenen Brief, nachdem dieser in einem Zeitungsinterview Bestechlichkeit bei seinem Verband ausgeschlossen hatte. Die Kernaussage in Büchels Papier lautete: „Fifa-Funktionäre sind korrupt“.

„Ein weiterer schwerer Imageschaden“

Die Wahrheit hat Blatter mittlerweile eingeholt. Längst stellt sich nicht mehr die Frage, welche Fußballfunktionäre bestechlich sind. Vielmehr geht es längst darum, wie viele von ihnen noch erwischt werden. In der vergangenen Woche sind nach der Freigabe einer Prozessakte durch das Schweizer Bundesgericht die ersten beiden Namen öffentlich geworden. Der frühere Fifa-Präsident Joao Havelange und das erst kürzlich zurückgetretene Fifa-Vorstandsmitglied Ricardo Teixeira (beide aus Brasilien) haben Millionen an Schmiergeldzahlungen erhalten. Das Geld kam von der 2001 in Konkurs gegangenen Sportrechteagentur ISL, die insgesamt 140 Millionen Franken zur Bestechung von Funktionären verschiedenster Sportorganisationen aufwendete.

Die Firma wurde 1982 vom fünf Jahre später verstorbenen Adidas-Chef Horst Dassler gegründet. Es ist schon jetzt der größte Schmiergeldskandal der Sportgeschichte. Im Mittelpunkt der Verwicklungen steht die Fifa. Weitere Enthüllungen werden erwartet. „Nach der Diskussion um schmutziges Geld, schlechte Banker und die Schweiz als Steueroase bedeutet das für uns einen weiteren schweren Imageschaden“, sagt Büchel. Dass der Europarat Ende April innerhalb weniger Tage erst die Fifa wegen ihrer mangelnden Bereitschaft zur Aufklärung der Korruptionsvorwürfe rügte und dann die Schweiz als Steuerparadies an den Pranger stellte, habe dem letzten Bürger die Situation begreiflich gemacht, so der SVP-Abgeordnete.

Überheblich und uneinsichtig

Für die Schweiz wird die Fifa immer mehr zur Belastung. Abweisend, überheblich und uneinsichtig gab sich am Dienstag Fifa-Boss Blatter im Hauptquartier des Verbandes, als er bei der Vorstellung der neuesten Reformschritte wieder einmal nach seiner Verantwortung befragt wurde. Blatter merkte nur süffisant an, er sei bei der Fifa für den Erfolg zuständig. Transparency International hatte ihn zuvor als unseriösen Geschäftspartner bezeichnet. Aus Deutschland gab es Rücktrittsforderungen, nachdem er selbst zugegeben hatte, von dubiosen Zahlungsströmen der ISL-Agentur gewusst zu haben.

Zugleich wies Blatter aber darauf hin, dass die Geldgeschenke zur damaligen Zeit nicht strafbar gewesen seien und deutete im Gegenzug Mauscheleien an bei der deutschen WM-Bewerbung für 2006. Im Umgang mit der Krisensituation kann der 76 Jahre alte Blatter die alten Reflexe des Sonnenkönigs vom Zürichberg nicht ablegen. Weiterhin gibt er sich in seiner monumentalen Fifa-Festung als Feudalherr. Der Baseler Strafrechtler Mark Pieth, der als renommierter Anti-Korruptions-Kämpfer das Reformvorhaben bei der Fifa seit dem vergangenen Jahr maßgeblich vorantreibt, hat den Fifa-Chef in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als „mediale Hypothek“ bezeichnet. Dennoch wird Blatter von Pieth gestützt.

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