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Freitag, 17. Februar 2012
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Kongo Militärlager in Kinshasa explodiert

28.07.2006 ·  Drei Tage vor den Wahlen in Kongo ist ein Lager der Leibwache des Vizepräsidenten Bemba in Kinshasa explodiert. Eine aufgebrachte Menge macht die EU-Truppen verantwortlich, die Lage droht zu eskalieren. Aus Kongo berichtet Thomas Scheen.

Von Thomas Scheen, Kinshasa
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In der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa ist am Donnerstag nachmittag aus bislang ungeklärten Gründen ein Militärlager explodiert. Das Lager im Stadtteil Gombe war von ehemaligen Kämpfern der Rebellengruppe „Mouvement pour la libération du Congo“ (MLC) des gegenwärtigen Vize-Präsidenten Jean-Pierre Bemba bewohnt und grenzt zudem unmittelbar an eine von Bembas Residenzen in Kinshasa. Die 200 bis 300 Soldaten gehören zur persönlichen Leibwache des Vize-Präsidenten, sind offiziell Teil der kongolesischen Streitkräfte, tatsächlich aber nur Bemba verpflichtet.

Nach vorläufigen Angaben und eigener Augenscheinnahme scheint es keine Toten gegeben zu haben, allerdings berichteten flüchtende Frauen, sie hätten ihre Kinder zurücklassen müssen. Das überwiegend aus Hütten bestehende Lager brannte vollständig nieder. Die Explosionen der dort gelagerten Munition waren rund 45 Minuten lang im Stadtteil Gombe zu hören und machten es der lediglich mit einem Fahrzeug im Einsatz befindlichen Feuerwehr unmöglich, den Brand zu löschen.

Gerüchte über französischen Angriff

Nach ersten Informationen von Bemba-Milizionären soll die Brandursache ein Kurzschluß gewesen sein. Gleichzeitig aber entstanden am Unglücksort erste Spekulationen, laut denen das Lager gezielt angegriffen worden sei, was angesichts der angespannten Lage drei Tage vor den Wahlen für Unruhe sorgen könnte.

Diese Spekulationen erhielten zusätzlichen Auftrieb durch die Tatsache, daß unmittelbar vor der Explosion zwei französische Kampfflugzeuge vom Typ Mirage im Tiefflug über Gombe gerast waren. Das Manöver war von der europäischen Streitmacht Eufor angekündigt worden und sollte ein Test für die Reaktionsgeschwindigkeit der in Libreville (Gabun) stationierten Flugzeuge sein. Gleichwohl setzte sich bei einigen der Überlebenden sofort die Überzeugung durch, die Flugzeuge hätten Brandbomben auf das Bemba-Lager geworfen, wofür es aber keinerlei Hinweise gibt. Weder war am Unglücksort ein Krater auszumachen, noch waren die angrenzenden Gebäude durch Bombensplitter beschädigt.

Ausschreitungen am Abend

Die Befürchtung jedoch, Bembas Anhänger würden diesen Unfall zum Anlaß nehmen, um Präsident Kabila einen Anschlag zu unterstellen, bewahrheitete sich noch am selben Tag, als es am Donnerstag abend zu Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und den Leibwächtern Bembas kam, der ebenfalls am Donnerstag nachmittag seine abschließende Wahlkampfveranstaltung in Kinshasa abhielt. Mindestens ein Mensch kam ums Leben, als Bembas Ordner wiederholt das Feuer unter anderem auf Polizisten eröffneten, die zuvor versucht hatten, Bembas Anhänger an Plünderungen zu hindern.

Das Gebäude einer Freikirche, die für ihre Unterstützung für Präsident Kabila bekannt ist, ging ebenso in Flammen auf wie ein Restaurant des bekannten Sängers Werra Son. Auch er unterstützt Kabila im Wahlkampf. Das in Nachbarschaft zum Versammlungsort der Bemba-Anhänger gelegene Ministerium für den hohen Presserat wurde vollständig geplündert und eine Polizeistation verwüstet. Ausländische Journalisten wurden von Bembas Anhängern wiederholt angegriffen, einige sogar beraubt.

Quelle: tos. / Frankfurter Allgemeine Zeitung
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