http://www.faz.net/-gpf-74i0t
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 21.11.2012, 20:06 Uhr

Kongo M-23-Rebellen kündigen Sturz Kabilas an

Nach der Eroberung Gomas setzen die M-23-Rebellen ihren Vormarsch fort: Am Mittwochabend meldeten sie die Einnahme der Garnisonsstadt Saké. In vielen Teilen Ostkongos kam es derweil zu gewaltsamen Protesten gegen die UN-Blauhelmtruppe.

von , Johannesburg
© REUTERS M-23-Rebellen in Saké, 25 Kilometer nördlich von Goma

Einen Tag nach der Eroberung der ostkongolesischen Großstadt Goma haben die Rebellen des „M 23“ angekündigt, ihren Vormarsch fortzusetzen. „Wir werden auf Bukavu marschieren, auf Kisangani und auf Kinshasa, bis Präsident Kabila verschwunden ist“, sagte der Sprecher der Rebellen am Mittwoch auf einer Kundgebung in Goma. Am Abend meldeten die Rebellen, die Stadt Saké rund 20 Kilometer südlich von Goma eingenommen zu haben. In Saké hatte sich die kongolesische Armee neu formiert. Die amerikanische Botschaft in Kinshasa bestätigte den Fall der Garnisonsstadt.

Thomas Scheen Folgen:

Die Rebellen riefen alle Verwaltungsangestellten auf, zum Dienst zu erscheinen. Schüsse waren in Goma am Mittwoch zunächst nicht mehr zu hören. Einige Geschäfte öffneten wieder. Allerdings ist die Wasserversorgung unterbrochen, da die abziehende kongolesische Armee offenbar Stromkabel gekappt hat, mit denen Pumpen betrieben wurden.

In etlichen Städten des Ostens, darunter Bunia, Bukavu, Beni, Walikale und Kisangani kam es zu gewaltsamen Protesten gegen die UN-Unterstützungsmission für Kongo (Monusco), der Untätigkeit vorgeworfen wird. In Bunia sollen bislang unbestätigten Angaben zufolge sechs Personen bei dem Versuch erschossen worden sein, unter anderen das Gebäude der Monusco zu stürmen. Wer die Schüsse abgab, ob Blauhelmsoldaten oder Polizisten, stand zunächst nicht fest. In Kisangani und Bukavu kam es ebenfalls zu gewaltsamen Protesten gegen die Präsenz der UN-Truppe.

The M23 rebels spokesperson Kazarama speaks to crowd who have gathered at a stadium in Goma © REUTERS Vergrößern Neue Herrscher: Ein Mitglied der M-23-Rebellen spricht zur Bevölkerung.

Die Außenminister von Frankreich und Belgien, Laurent Fabius und Didier Reynders, kritisierten die Einsatzregeln der ausländischen Soldaten. „17.000 Blauhelmsoldaten in einem Land zu stationieren und ihnen ein Mandat zu geben, das ihnen nicht einmal erlaubt, ein paar hundert Rebellen aufzuhalten, ist absurd“, sagte Fabius. Auch Reynders forderte eine „Verstärkung“ des gegenwärtigen Mandats und verwies auf einen entsprechenden Resolutionsentwurf, den Frankreich im UN-Sicherheitsrat einbringen wolle. Der Rat hatte am Dienstag in einer Resolution Sanktionen gegen die M-23-Anführer verhängt.

Regierungsfeindliche Demonstrationen

Kongos Präsident Joseph Kabila kam am Mittwoch in der ugandischen Hauptstadt Kampala zu einem zweistündigen Gespräch mit dem ruandischen Präsidenten Paul Kagame zusammen. Kongo wirft Ruanda vor, die M-23-Rebellen zu unterstützen. Nach dem Treffen forderten die beiden Präsidenten sowie das ugandische Staatsoberhaupt Yoweri Museveni in einer gemeinsamen Erklärung die Rebellen auf, unverzüglich die Stadt Goma zu verlassen. „Wir haben ihnen dieses Forderung übermittelt, und sie werden genau das tun“, sagte Museveni. Die amerikanische Regierung hatte Ruanda zuvor aufgefordert, ihren Einfluss auf die Rebellen zu nutzen, um diese zum Verlassen Gomas zu bringen.

Karte / Kongo / Goma © F.A.Z. Vergrößern

In weiten Teilen Kongos mehrten sich am Mittwoch Zeichen des Unmuts über die Amtsführung von Kabila, dem vorgeworfen wird, die Armee zu vernachlässigen, weil er einen Militärputsch fürchte. In Kisangani kam es ebenso wie in Kinshasa zu regierungsfeindlichen Demonstrationen. In Kisangani wurde das Gebäude der Regierungspartei gestürmt und schwer beschädigt. Die Oppositionsparteien im kongolesischen Parlament beschuldigten Kabila am Mittwoch, „direkt“ für die jüngste Entwicklung im Osten verantwortlich zu sein. Sie riefen alle Parteien zu einem Kongress auf, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Vor allem will die Opposition Auskunft darüber, welche Abmachungen Kabila 2009 mit der ruandischen Staatsführung traf, um die damals für den desertierten General Laurent Nkunda kämpfenden Rebellen, die weitgehend identisch mit dem heutigen M 23 sind, in die kongolesische Armee zu integrieren. Nkunda war massiv von der ruandischen Armee unterstützt worden.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Krieg in der Ukraine Kiew beklagt Zunahme der Kampfhandlungen

Sieben ukrainische Soldaten sollen innerhalb von 24 Stunden bei Kämpfen im Osten des Landes getötet worden. Der Schuldige sitzt für die ukrainische Regierung im Kreml. Mehr

24.05.2016, 14:06 Uhr | Politik
Lastwagen mit Sprengstoff Mutmaßliche Bombenbauer bei Explosion in Türkei getötet

Bei einer Explosion im Südosten der Türkei sind Sicherheitskreisen zufolge am Donnerstag vier Menschen getötet worden. Das Innenministerium erklärte, bei den Opfern handele es sich um Kämpfer der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Zu der Detonation sei es gekommen, als die Rebellen einen Lastwagen mit Sprengstoff beluden. Mehr

13.05.2016, 09:37 Uhr | Politik
Krieg in Jemen Viele Tote bei Anschlag auf Armeeanwärter

Offenbar auf das Konto des IS geht ein Selbstmordattentat im Jemen. Die Terrormiliz bekannte sich zu einem schweren Anschlag mit vielen Opfern, der jungen Anwärtern für die jemenitische Armee galt. Mehr

15.05.2016, 15:05 Uhr | Politik
Hilfe für Ruanda Drohnen sollen Medikamente liefern

Drohnen sind in immer mehr Gebieten im Einsatz - so verstärkt, das amerikanische Behörden sich damit herausgefordert sehen, diesen Verkehr auf neue Weise zu regulieren. Auch dafür werden Daten benötigt - und eine neue Partnerschaft zwischen dem Logistikkonzern UPS und dem Robotics-Startup Zipline könnte entsprechende Daten liefern: Dieses Projekt hat das erklärte Ziel, in Ruanda im Osten Afrikas Medikamente und Blutkonserven zu überbringen. Mehr

09.05.2016, 11:20 Uhr | Gesellschaft
Ukraine-Konflikt Merkel telefoniert mit Putin und Poroschenko

Noch immer wird in der Ostukraine gekämpft. Nun reden die Präsidenten Russlands und der Ukraine mal wieder miteinander, denn im Krisengebiet soll gewählt werden. Mehr

24.05.2016, 05:41 Uhr | Politik

Anleitung zur Reparatur

Von Jasper von Altenbockum

Die SPD hält das Integrationsgesetz für ein neues Einwanderungsgesetz. Warum nur? Beim Thema Einwanderung geht es um eine ganz andere Frage. Mehr 72