Der kongolesische Präsident Joseph Kabila hat zur Verhaftung des wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gesuchten Armeegenerals und Milizenführers Bosco Ntaganda aufgerufen.
Ntaganda wird vom Internationalen Strafgerichtshof (ICC) gesucht. Ihm wird vorgeworfen, zwischen 2002 und 2003 bei Kämpfen im Nordosten Kongos Kinder als Soldaten missbraucht zu haben. Außerdem soll Ntaganda wegen Mordes und Vergewaltigung belangt werden.
Nach Angaben des Senders BBC kam Kabila am Mittwoch im Osten des Landes zu einem Sicherheitstreffen mit der Armee zusammen, nachdem in der Region seit Anfang April hunderte Regierungssoldaten desertierten. Sie gehören zu den Truppen Ntagandas und wurden 2009 nach einem Friedensschluss offiziell in die Armee aufgenommen. Ntagandas Soldaten, die vornehmlich der Volksgruppe der Tutsi angehören, werden für andauernde Vergehen an der Bevölkerung im Osten Kongos verantwortlich gemacht.
„Keine Anklage in Den Haag“
„Ich möchte die Verhaftung von Ntaganda, weil die ganze Bevölkerung Frieden will“, sagte Kabila nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters. Ntaganda solle vor einem Militärgericht in Kongo angeklagt werden. Der Aufenthaltsort Ntagandas, der bis dato offen und unbehelligt in Goma lebte, ist unklar. Nach Angaben des Senders BBC soll er die Gegend mit hunderten schwerbewaffneten Soldaten verlassen haben.
Präsident Kabila hatte sich einen Appell zur Verhaftung Ntagandas zuvor bislang verweigert. Eine Auslieferung an den ICC in Den Haag lehnt Kabila ab, angeblich, um den Frieden in der Region zu erhalten, in der eine Vielzahl an lokalen Milizen operiert. Ntganda war einer der Stellvertreter in der Hema-Miliz von Thomas Lubanga, der vom ICC Mitte März schuldig gesprochen worden war und in Den Haag in Haft sitzt.
Zur Zeit des Völkermords im Nachbarland Ruanda war Ntaganda Mitglied der ruandischen Tutsi-Armee Forces Rwandaises de Défense, die 1994 das Hutu-Regime in Kigali stürzte.
