Für umgerechnet rund 21 Millionen Euro wird der japanische Staat die zwischen China und Japan umstrittenen Senkaku-Inseln, die von China Diaoyu genannt werden, im Ostchinesischen Meer kaufen. Der Kaufvertrag zwischen der Regierung und der japanischen Familie Kurihara, der die Inseln gehören, solle bald unterschrieben werden, hieß es am Mittwoch in Tokio.
Die Spannungen um die unbewohnten Inseln dürften sich damit vorerst verschärfen. Dabei ist die Entscheidung der japanischen Regierung, die umstrittenen Inseln zu kaufen, bei näherer Betrachtung ein Versuch, den Konflikt mit Peking zu entschärfen. Der nationalistische Gouverneur von Tokio, Shintao Ishihara, hatte nämlich auch die Absicht, die Inseln zu kaufen. Das hätte die Spannungen aber wohl noch stärker angeheizt. Nach Informationen der Zeitung „Asahi“ wird das Kabinett von Ministerpräsident Yoshihiko Noda die faktische Verstaatlichung der Inseln deswegen am Freitag bestätigen. Noda wolle China dann in diesem Monat während der Vollversammlung der Vereinten Nationen über den Schritt informieren und ihn erläutern.
Tokio beruft sich bei seinen Ansprüchen darauf, dass Japan 1885 die Kontrolle über die Inseln faktisch übernommen hat und sie seitdem im japanischen Privatbesitz sind. Peking hält dagegen, die Diaoyu-Inseln hätten bereits während der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) zu China gehört und seien entsprechend auf Landkarten und in einem Buch verzeichnet gewesen. Anspruch auf die Inseln erhebt China aber erst, seitdem vor gut 40 Jahren bekannt wurde, dass dort unter dem Meeresboden große Rohstoffvorkommen - vor allem Öl und Gas - vermutet werden.
Eigentümerfamilie will Inseln vor Chinesen schützen
Der Streit über die Inseln brach im April offen aus. Damals hatte Gouverneur Ishihara angekündigt, er werde den Eigentümern die Inseln abkaufen. „Tokio wird die Inseln schützen“, sagte er mit Blick auf chinesische Nationalisten, die immer aggressiver die Ansprüche Pekings auf die Inseln vertraten. Die Eigentümerfamilie Kurihara, nach eigenen Angaben konservativ und der Verteidigung der Inseln für Japan verpflichtet, sah im bekennenden Nationalisten Ishihara den besten Garanten, die Inseln vor chinesischem Expansionsdrang zu sichern. Die Familie kennt Ishihara seit langem.
Dass jetzt dennoch die Zentralregierung beim Kauf den Zuschlag erhielt, mag damit zusammenhängen, dass auch die Kuriharas nicht an einer Verschärfung des Konflikts interessiert sind. Ishihara wollte einen neuen Hafen bauen und den Herrschaftsanspruch Japans offen demonstrieren. Noda dagegen setzt mit dem Kauf darauf, die Wogen zu glätten. Japans Regierung untersagt nach wie vor den Zutritt zu den Inseln - sowohl für Japaner wie auch für ausländische Besucher - und müht sich, Peking so zu besänftigen, ohne den eigenen Anspruch aufzugeben. China wiederum verschärfte den Konflikt im August, nachdem chinesische Aktivisten auf einer der Inseln gelandet waren, von der japanischen Küstenwache inhaftiert wurden und japanische Nationalisten daraufhin auf dem Mini-Archipel die japanische Flagge hissten. Aus Protest dagegen finden seit Wochen antijapanische Kundgebungen in China statt.
Die Inselgruppe ist nicht nur strategisch wichtig, weil sie wie ein Sperrriegel vor möglichen Aufmarschgebieten der chinesischen Flotte liegt, die immer offener ihre Präsenz im Pazifik zeigt und dort die Amerikaner herausfordert. Dass Noda mit seiner Kaufentscheidung die Ruhe wiederherstellen will, die in den Jahren vor Ishiharas Vorstoß herrschte, zeigen zahlreiche kleine Beispiele: Ein japanisches Schiff mit Mitarbeitern der Hauptstadt Tokio befand sich Medienberichten zufolge am Sonntag im Gebiet um die Inseln. Um einen diplomatischen Konflikt mit Peking zu vermeiden, untersagte die japanische Regierung den 25 Menschen an Bord, an Land zu gehen. Das von Gouverneur Ishihara entsandte Team habe Erkundigungen für den Bau eines Fischerhafens auf einer der Inseln einziehen wollen, hieß es im japanischen Fernsehen.
Leider stimmt die Darstellung nicht ganz!
Dieter Doermann (dieter.doermann)
- 06.09.2012, 14:35 Uhr
klare Strategie
Till Schneider (Dschingiskhan)
- 06.09.2012, 04:23 Uhr
Schritt der Vernunft
Holger Schreck (Osztrak)
- 05.09.2012, 22:49 Uhr
Wenn ich etwas kaufen will gebe ich zu das es mir nicht gehört
klaus keller (klkeller)
- 05.09.2012, 17:08 Uhr
