http://www.faz.net/-gpf-761kp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.01.2013, 17:37 Uhr

Konflikt in Mali Hilfe zum Selbstvertrauen

Ende März soll die EU-Ausbildungsmission für Malis Armee beginnen. Der französische General François Lecointre berichtet über Misstrauen und mangelnde Disziplin. Im Gespräch mit der F.A.Z. setzt er auf die Unterstützung aus Deutschland.

von , Bamako
© REUTERS Hierarchieprobleme in der malischen Armee: Soldaten hören nicht auf den Hauptmann

Auf diese Feststellung legt General François Lecointre großen Wert: Zu sagen, die Europäische Union ringe sich zu langsam zu dem versprochenen Ausbildungsprogramm für die malischen Armee durch und vergeude dadurch wertvolle Zeit, sei einfach falsch. „Die EU hat rasch reagiert, aber das verblasst ein bisschen angesichts des Tempos, mit dem die französische Armee hier eingegriffen hat“, sagt Lecointre.

Thomas Scheen Folgen:

François Lecointre, französischer Marineinfanterist und Zwei-Sterne-General, wird die EU-Ausbildungsmission leiten. Er hat sich in den vergangenen Tagen in Mali umgesehen, hat mit Offizieren und Diplomaten geredet und er hat sich den einen oder anderen möglichen Standort für die Mission angeschaut. Für welchen er sich entscheiden wird, will er nicht verraten, nur so viel ist sicher: Die Ausbildung wird in Mali stattfinden und nicht etwa in einem der benachbarten Länder, wie es zwischendurch auch deutsche Politiker erwogen hatten. „Ich habe den Eindruck, wir haben die Deutschen überzeugen können“, sagte Lecointre der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Bamako.

Der Zeitplan für den Beginn der Mission steht ebenfalls fest: Mitte Februar sollen die logistischen Vorbereitungen anlaufen, Ende März dann die eigentliche Ausbildung. Bis dahin wird Lecointre die Angebote aus den europäischen Ländern prüfen und eine Auswahl treffen. „Es ist klar, dass wir weniger Artilleristen brauchen als Infanteristen“, sagt er. Alles in allem schätzt der Franzose die Zahl der nötigen Ausbilder auf 200. Hinzu kommen noch einmal 400 europäische Soldaten zum Schutz des Ausbildungslagers. Diese Aufgabe werde die französische Armee übernehmen.

Den malischen Soldaten muss nach Lecointres Worten so gut wie alles beigebracht werden: wie man Logistik organisiert und wie man eine Operation plant und ausführt; wie man Reserven vorhält und wie man die Ablösung von Kampfeinheiten vorbereitet. Zudem, und das scheint das größte Problem zu sein, muss die Hierarchie innerhalb der Armee neu aufgebaut werden und das Vertrauen der Soldaten in diese Hierarchie wiederhergestellt werden. Seit dem Militärputsch im April des vergangenen Jahres steht diese nämlich Kopf. Heute nimmt ein Hauptmann keinen Befehl mehr von einem General entgegen, und die einfachen Soldaten hören nicht auf den Hauptmann.

„Die müssen lernen, sich gegenseitig zu vertrauen“

Um dieses gestörte Verhältnis zur eigenen Hierarchie zu überwinden, will Lecointre komplette Bataillone von rund 650 Soldaten zusammen mit den Offizieren ausbilden. „Die müssen lernen, sich gegenseitig zu vertrauen“, sagt er. Ein solches Bataillon soll nach zwei Monaten Drill in der Lage sein, Kampfhandlungen selbständig zu koordinieren. Lecointre will zudem die Rotation der gegenwärtig an der Front eingesetzten Einheiten organisieren, um genügend Soldaten für die Ausbildung zu haben.

Zunächst aber soll nächsten Dienstag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba eine Geberkonferenz für Mali abgehalten werden. Dort soll nicht nur über die finanzielle Beteiligung an der Ausbildungsmission entschieden werden, sondern auch über die Kosten für die afrikanische Eingreiftruppe, die gegenwärtig mit 320 Millionen Euro veranschlagt werden. Hinzu kommt, dass die malische Armee nur über eine Ausrüstung verfügt, die eher reif fürs Museum als für einen Kampfeinsatz geeignet ist. „Ich habe der EU immer gesagt, dass wir die Malier nicht nur ausbilden, sondern auch bewaffnen müssen“, sagt Lecointre: „Es geht nicht um hochmoderne Waffensysteme europäischen Zuschnitts, sondern um einfache Dinge: Gewehre, Mörser, Funkgeräte, Lastwagen, so etwas.“ Doch dieser Vorschlag stößt bei den Gebern bislang offenbar auf wenig Begeisterung.

Mehr zum Thema

Einer der Gründe dafür ist das hartnäckige Festhalten der Putschisten an der Macht in Bamako. Gleich vier Offiziere sitzen im Kabinett der Übergangsregierung, und im Hintergrund zieht der Putsch-Anführer Hauptmann Amadou Senogo nach wie vor die Fäden. Senogo ist darüber hinaus für die Reform der malischen Streitkräfte zuständig und damit eigentlich der Ansprechpartner von Lecointre. Doch der General ist kategorisch: „Mit dem habe ich nichts zu tun und werde ich auch nichts zu tun haben“.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bundeswehreinsatz bei Terror Dingos gegen Dschihadisten

Während des Amoklaufs in München stand sie schon bereit, im Herbst will die Armee zum ersten Mal üben, was sie gegen Terroranschläge im Inland unternehmen kann. Ideen für den Ernstfall gibt es schon. Mehr Von Johannes Leithäuser, Berlin

26.07.2016, 21:07 Uhr | Politik
Anschlag in Nordfrankreich Geiselnehmer in der Normandie trug Fußfessel

Einer der beiden Geiselnehmer, die in einer katholischen Kirche in der Normandie einen Priester töteten und mehrere Geiseln nahmen, musste eine Fußfessel tragen und war somit der französischen Polizei bekannt. Der 19 Jahre alte Mann sei eng überwacht worden, nachdem er im vergangenen Jahr zwei Mal vergeblich versucht habe, nach Syrien zu gelangen. Der zweite Täter ist den Ermittlern zufolge noch nicht identifiziert. Mehr

27.07.2016, 08:56 Uhr | Politik
Terror in Somalia Bundeswehr entgeht Anschlag am Flughafen von Mogadischu

Vor dem Flughafen der somalischen Hauptstadt Mogadischu hat es zwei schwere Explosionen gegeben. Deutsche Soldaten, die in der Nähe ihre Unterkünfte haben, kamen offenbar nicht zu schaden. Mehr

26.07.2016, 09:30 Uhr | Politik
Nordfrankreich Spezialkräfte nehmen weiteren Verdächtigen fest

Die französische Polizei hat Ermittlungskreisen zufolge in Zusammenhang mit dem Anschlag auf eine Kirche im Norden des Landes eine Person verhaftet. Am Dienstagvormittag hatten zwei Attentäter eine Kirche überfallen, fünf Menschen in ihre Gewalt gebracht und einen Priester getötet, bevor sie von der Polizei erschossen wurden. Mehr

26.07.2016, 22:08 Uhr | Politik
Nordfrankreich Hollande: Angriff in Kirche war schändlicher Terroranschlag

Zwei Bewaffnete haben in einer Kirche in Nordfrankreich Gläubige als Geiseln genommen und einen Priester getötet. Die Polizei erschoss darauf die Geiselnehmer. Der IS bezeichnet die Angreifer als seine Soldaten. Die Polizei nahm einen Mann fest. Mehr

26.07.2016, 16:31 Uhr | Politik

Auch Deutschland ist ins Mark getroffen

Von Günter Bannas, Berlin

„Vorschnelle Schlüsse verbieten sich“ - das ist zum Konsens in der Koalition nach den Bluttaten in Bayern geworden. Trotzdem schwang der Ruf nach der Kanzlerin bei Seehofer mit. Angela Merkel hat verstanden, dass jetzt Präsenz gefragt ist.. Mehr 9