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Konflikt in Mali : Hilfe zum Selbstvertrauen

Hierarchieprobleme in der malischen Armee: Soldaten hören nicht auf den Hauptmann Bild: REUTERS

Ende März soll die EU-Ausbildungsmission für Malis Armee beginnen. Der französische General François Lecointre berichtet über Misstrauen und mangelnde Disziplin. Im Gespräch mit der F.A.Z. setzt er auf die Unterstützung aus Deutschland.

          Auf diese Feststellung legt General François Lecointre großen Wert: Zu sagen, die Europäische Union ringe sich zu langsam zu dem versprochenen Ausbildungsprogramm für die malischen Armee durch und vergeude dadurch wertvolle Zeit, sei einfach falsch. „Die EU hat rasch reagiert, aber das verblasst ein bisschen angesichts des Tempos, mit dem die französische Armee hier eingegriffen hat“, sagt Lecointre.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          François Lecointre, französischer Marineinfanterist und Zwei-Sterne-General, wird die EU-Ausbildungsmission leiten. Er hat sich in den vergangenen Tagen in Mali umgesehen, hat mit Offizieren und Diplomaten geredet und er hat sich den einen oder anderen möglichen Standort für die Mission angeschaut. Für welchen er sich entscheiden wird, will er nicht verraten, nur so viel ist sicher: Die Ausbildung wird in Mali stattfinden und nicht etwa in einem der benachbarten Länder, wie es zwischendurch auch deutsche Politiker erwogen hatten. „Ich habe den Eindruck, wir haben die Deutschen überzeugen können“, sagte Lecointre der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Bamako.

          Der Zeitplan für den Beginn der Mission steht ebenfalls fest: Mitte Februar sollen die logistischen Vorbereitungen anlaufen, Ende März dann die eigentliche Ausbildung. Bis dahin wird Lecointre die Angebote aus den europäischen Ländern prüfen und eine Auswahl treffen. „Es ist klar, dass wir weniger Artilleristen brauchen als Infanteristen“, sagt er. Alles in allem schätzt der Franzose die Zahl der nötigen Ausbilder auf 200. Hinzu kommen noch einmal 400 europäische Soldaten zum Schutz des Ausbildungslagers. Diese Aufgabe werde die französische Armee übernehmen.

          Den malischen Soldaten muss nach Lecointres Worten so gut wie alles beigebracht werden: wie man Logistik organisiert und wie man eine Operation plant und ausführt; wie man Reserven vorhält und wie man die Ablösung von Kampfeinheiten vorbereitet. Zudem, und das scheint das größte Problem zu sein, muss die Hierarchie innerhalb der Armee neu aufgebaut werden und das Vertrauen der Soldaten in diese Hierarchie wiederhergestellt werden. Seit dem Militärputsch im April des vergangenen Jahres steht diese nämlich Kopf. Heute nimmt ein Hauptmann keinen Befehl mehr von einem General entgegen, und die einfachen Soldaten hören nicht auf den Hauptmann.

          „Die müssen lernen, sich gegenseitig zu vertrauen“

          Um dieses gestörte Verhältnis zur eigenen Hierarchie zu überwinden, will Lecointre komplette Bataillone von rund 650 Soldaten zusammen mit den Offizieren ausbilden. „Die müssen lernen, sich gegenseitig zu vertrauen“, sagt er. Ein solches Bataillon soll nach zwei Monaten Drill in der Lage sein, Kampfhandlungen selbständig zu koordinieren. Lecointre will zudem die Rotation der gegenwärtig an der Front eingesetzten Einheiten organisieren, um genügend Soldaten für die Ausbildung zu haben.

          Zunächst aber soll nächsten Dienstag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba eine Geberkonferenz für Mali abgehalten werden. Dort soll nicht nur über die finanzielle Beteiligung an der Ausbildungsmission entschieden werden, sondern auch über die Kosten für die afrikanische Eingreiftruppe, die gegenwärtig mit 320 Millionen Euro veranschlagt werden. Hinzu kommt, dass die malische Armee nur über eine Ausrüstung verfügt, die eher reif fürs Museum als für einen Kampfeinsatz geeignet ist. „Ich habe der EU immer gesagt, dass wir die Malier nicht nur ausbilden, sondern auch bewaffnen müssen“, sagt Lecointre: „Es geht nicht um hochmoderne Waffensysteme europäischen Zuschnitts, sondern um einfache Dinge: Gewehre, Mörser, Funkgeräte, Lastwagen, so etwas.“ Doch dieser Vorschlag stößt bei den Gebern bislang offenbar auf wenig Begeisterung.

          Einer der Gründe dafür ist das hartnäckige Festhalten der Putschisten an der Macht in Bamako. Gleich vier Offiziere sitzen im Kabinett der Übergangsregierung, und im Hintergrund zieht der Putsch-Anführer Hauptmann Amadou Senogo nach wie vor die Fäden. Senogo ist darüber hinaus für die Reform der malischen Streitkräfte zuständig und damit eigentlich der Ansprechpartner von Lecointre. Doch der General ist kategorisch: „Mit dem habe ich nichts zu tun und werde ich auch nichts zu tun haben“.

          Quelle: F.A.Z.

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