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Kommentar zur Frankreich-Wahl „Moi, Président“

 ·  Es war nicht Begeisterung, sondern seine Beharrlichkeit, die François Hollande nun den Weg zum Sieg gebahnt hat. Und die Schwäche seines Kontrahenten Sarkozy.

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Der nächste französische Präsident heißt François Hollande. In einem Land, das politisch seit jeher in zwei fast gleich starke Lager gespalten ist, mit Vorteilen für Konservative und Rechte, kann man sein Wahlergebnis als ordentlich bezeichnen. Hollande hat geschafft, was vor ihm nur Mitterrand (1981 bis 1995) gelungen war: An der Spitze der Französischen Republik steht wieder ein linker, ein sozialistischer Politiker. Dabei hat der Kandidat Hollande keinen großen Enthusiasmus geweckt.

Der Mann, der die Sozialistische Partei elf Jahre lang in guten wie in schlechten Zeiten als Moderator unzähliger Kompromisse einigermaßen zusammenhielt, gilt als gemäßigt, als Sozialdemokrat. Das ist für viele linke Wähler und einen Teil seiner eigenen Partei im Grunde eine negative Etikettierung. Als Hollande vor einem Jahr seine Kandidatur für die Präsidentenwahl bekanntgab, glaubte kaum jemand daran, dass er sich in den Vorwahlen der Sozialisten durchsetzen würde. Der Weg zum Erfolg wurde frei, als der Favorit Dominique Strauss-Kahn über einen Sexskandal in den Vereinigten Staaten stürzte. Es war nicht Begeisterung, sondern seine Beharrlichkeit, die Hollande nun den Weg zum Sieg gebahnt hat.

Abneigung gegen den „Präsidenten der Reichen“

Und es war die Schwäche seine Gegners, des Präsidenten Sarkozy. Immer wieder hat Hollande auf die schlechte Bilanz seines Gegners verwiesen, der seine Wahlversprechen nicht gehalten habe. Sarkozys Verweis auf die Krisen, die jedem Politiker in den vergangenen Jahren einige Striche durch die Rechnung gemacht hätten, drang dagegen nicht durch. Es kommt eine verbreitete Abneigung gegen die Person des „Präsidenten der Reichen“ und Sarkozys hyperaktiven Regierungsstil dazu. In die Geschichte der Fünften Republik wird Sarkozy als der zweite Präsident nach Giscard d‘Estaing eingehen, dem die Wähler ein zweites Mandat verweigert haben.

Dem Präsidenten Hollande wird keine Anlern-Phase vergönnt sein. In zehn Tagen treffen sich in Amerika die G8, direkt danach folgt der Nato-Gipfel in Chicago: Hollande wird dort mit seiner Entscheidung, die französischen Truppen zum Jahresende aus Afghanistan abzuziehen, wenig Begeisterung wecken. Danach folgen die europäischen Angelegenheiten. Dort wird es die erste Probe aufs Exempel geben, wie hartnäckig Hollande versucht, den bisherigen Kurs zu ändern. Das Vorspiel dazu findet an diesem Montag im Kanzleramt statt.

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07.05.2012, 06:29 Uhr

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Von Volker Zastrow

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