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Kommentar Ränkespiele in Pakistan

30.12.2007 ·  An der Personalentscheidung der Pakistanischen Volkspartei zeigt sich das politische Elend eines Landes, das noch immer nach einer Identität sucht. Die Parteien sind Versorgungsbetriebe für die jeweiligen Führer, das Volk wird als Staffage missbraucht.

Von Peter Sturm
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Die Ränkespiele in Pakistan gehen weiter. Man kann verstehen, dass die Volkspartei (PPP) der ermordeten ehemaligen Ministerpräsidentin Benazir Bhutto an dem Termin für die Wahlen festhalten will. Nach dem tödlichen Attentat auf ihre Führerin ist eine Welle der Anhänglichkeit durch das Land gegangen. Das erhöht die Chancen an den Urnen. Wie ärmlich aber das politische Angebot der Partei ist, zeigte sich am Sonntag.

Sie wusste sich nicht anders zu helfen als den 19 Jahre alten Sohn der Ermordeten zum neuen Parteiführer zu ernennen. Es ist nicht zu erwarten, dass der naturgemäß unerfahrene Jüngling kurz- und mittelfristig wirklich die Macht ausüben wird. Diese Aufgabe wird vermutlich eher dem zum geschäftsführenden Parteivorsitzenden ernannten Witwer Benazir Bhuttos zufallen. Dieser ist ein wegen Korruption rechtskräftig verurteilter Mann, dem kaum jemand etwas Gutes nachsagt.

Das Volk wird als Staffage missbraucht

An dieser Personalentscheidung der PPP zeigt sich das politische Elend eines Landes, das auch sechzig Jahre nach seiner Gründung noch immer nach einer Identität sucht. Man mag darüber streiten, ob westliche Demokratie für Länder der sogenannten Dritten Welt die geeignete Staatsform ist. Aber Pakistan ist ein dramatisches Beispiel dafür, dass auch angeblich der Kultur des Landes angemessene Regierungsformen oft nur zu Chaos geführt haben. Die Parteien sind Versorgungsbetriebe für die jeweiligen Führer. Das Volk wird als Staffage missbraucht.

Video: Fernsehsender zeigt angebliche Bhutto-Attentäter

Es müsste sich also vieles ändern in Pakistan. Aber dazu bräuchte es den entsprechenden politischen Willen. Und der ist weit und breit nicht zu erkennen. Die feudalen Eliten kommen mit „demokratischen“ Regierungen ebenso gut aus wie mit Militärdiktatoren. „Man“ kennt einander. Den Frieden der scheinbar ewig Regierenden stören nur die freilich immer zahlreicher werdenden islamistischen Fanatiker.

Wenn in den vergangenen Monaten einmal Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufkeimte, dann wurde diese verkörpert durch Tausende Anwälte, die demonstrierend durch die Straßen der Städte zogen, um gegen die Absetzung des Obersten Richters des Landes zu protestieren. Hier zeigte sich das „andere Pakistan“. Einstweilen bleibt aber der deprimierende Befund, dass destruktive Kräfte das Land weiter in Richtung Abgrund treiben werden - und niemand das verhindern kann.

Quelle: F.A.Z., 31.12.2007, Nr. 303 / Seite 1
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Jahrgang 1958, Redakteur in der Politik.

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