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Kommentar Kommentar: Blutgeld und Propaganda

19.07.2007 ·  In die Erleichterung darüber, dass die in Libyen zum Tod Verurteilten nicht hingerichtet werden, mischt sich Zorn. Denn um die fünf bulgarischen Krankenschwestern hatte zuletzt ein unwürdiges Spiel stattgefunden, das man nur als Menschenschacher bezeichnen kann, meint Wolfgang Günter Lerch.

Von Wolfgang Günter Lerch
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In die Erleichterung darüber, dass die in Libyen zum Tod Verurteilten nicht hingerichtet werden, mischt sich Zorn über den Verlauf dieses Falles, der schon 1999 begann. Die fünf bulgarischen Krankenschwestern und der palästinensische Arzt gelten in Gaddafis Reich nach wie vor als Schuldige, obwohl sie sich nach Auffassung aller Fachleute nichts haben zuschulden kommen lassen.

Das Regime kann sich das nach innen als Propaganda-Erfolg zuschreiben. In den vergangenen Wochen hat ein unwürdiges Spiel stattgefunden, das man nur als Menschenschacher bezeichnen kann.

Es wird nicht besser dadurch, dass ein großer Teil der Entschädigungszahlungen für die Angehörigen - in der Lesart des islamischen Rechts ist es Blutgeld - von der Gaddafi-Stiftung aufgebracht wurde; sie wird von Saif al Islam, einem Sohn des Revolutionsführers, geleitet. Im ansonsten für Menschenrechte so sensiblen Deutschland gab es nicht eine Protestkundgebung gegen einen Menschenhandel dieser Art. War das Achtung vor einer fremden Kultur?

Mit dem Streit um die bulgarischen Krankenschwestern wollte das Regime in Tripolis wohl eigene Schuldeingeständnisse vergessen machen. Auffällig ist etwa die Parallele zum Anschlag von Lockerbie vor fast 19 Jahren. Eine Analyse von Hans-Christian Rößler.

Übliche Verschwörungstheorien

Falls die Verurteilten, die auch gefoltert wurden, um zu „gestehen“, demnächst wirklich freikommen sollten, dürfte auch dafür ein Preis zu entrichten sein. Und dies alles nur, weil Libyen nicht eingestehen kann oder will, dass in der Klinik von Bengasi übelste hygienische Zustände herrschten.

So musste eine der üblichen Verschwörungstheorien her, nach der die Angeklagten „im Dienste der CIA und des Mossad“ mehr als vierhundert Kinder absichtlich mit Aids infiziert haben sollen. Bis heute vermag niemand zu sagen, was eigentlich der Sinn einer solchen Tat hätte sein können.

Islamische „Schamkultur“

Das Thema Aids gehört in der islamischen Welt zu den großen Tabus. Offizielle Zahlen sind kaum zu erhalten; und wenn man welche bekommt, dann entspringen sie meistens der Phantasie. Denn Aids gibt es nur im dekadenten Westen, nicht aber dort, wo des Propheten strenge Sitte herrscht.

Die Wirklichkeit, so sagen Eingeweihte, sehe etwas anders aus. Die islamische „Schamkultur“ verbietet allerdings, darüber zu sprechen, selbst dann, wenn die Infektion, wie bei den libyschen Kindern, durch verunreinigte Instrumente und mangelhafte Hygiene verursacht wurde. Die Abwehr westlicher Dekadenz aber ist längst zum Herrschaftsmittel geworden, nicht allein in Gaddafis Reich.

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