Home
http://www.faz.net/-gq5-6zoia
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Griechisches Menetekel

Das hellenische Wahlergebnis ist verheerend für Griechenland - und für Europa. Von nun an hängen wieder dunkle Wolken über Athen.

© Reuters Vergrößern Vermutlich wird die Wahl am Sonntag nicht die letzte in einem Land gewesen sein, das auf die Austeritätspolitik mit einer Stärkung der radikalen, populistischen und extremistischen Kräfte reagiert.

Es ist noch schlimmer gekommen, als vorhergesagt worden war: Die Parteien, die Griechenland erst in den Abgrund und dann nolens volens eine notwendige Sparpolitik getragen haben, wie sie das Land bis dahin nicht gekannt hat, sind gnadenlos bestraft worden. Der Wunsch des ehemaligen Notenbankers Papademos, der ein halbes Jahr die Regierungsgeschäfte mit Anstand geführt hat, dass die Wähler eine kluge Entscheidung für die kommenden Jahrzehnte treffen mögen, hat sich dagegen nicht erfüllt. Die konservative Nea Dimokratia und die sozialistische Pasok, welche die griechische Politik seit Wiederherstellung der Demokratie beherrscht haben und sich zur Beute machten, sind der Wut vieler Wähler zum Opfer gefallen.

Klaus-Dieter Frankenberger Folgen:  

Zur Erinnerung: Es war Griechenland, das den Staatsschuldensturm entfachte und seine europäischen Partner in Angst und Schrecken versetzte. Es war Griechenland, das finanz- und wirtschaftspolitisch an die Wand fuhr und den ganzen Verbund in Gefahr gebracht hat. Und überhaupt, es war Griechenland, das sich seinen Platz in der Eurozone erschwindelt hat. Schon Papademos’ Vorgänger Papandreou hatte sich bemüht, das Ruder herumzureißen.

Am Klientelismus gescheitert

Der Sozialist scheiterte aber an jenem verkrusteten Klientelismus, der das Land in den Abgrund gerissen hatte - also auch an der eigenen Partei, die an der Misswirtschaft mitschuldig war. Die Pasok, die 2009 auf 44 Prozent der Stimmen gekommen war, musste jetzt dramatische Verluste hinnehmen. Angesichts der Desillusionierung und der Radikalisierung der Bevölkerung ist das keine Überraschung, aber die Folgen sind immens.

Mehr zum Thema

Denn die Zersplitterung der Parteienlandschaft und die Stärkung der radikalen Parteien am linken und am rechten Rand machen nicht nur jede Regierungsbildung schwer. Von nun an hängen wieder dunkle Wolke über Athen: Wird die neue Mehrheit sich der Forderung nach Lockerung der Sparauflagen von EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds beugen? Wenn das so käme, stünde die Zugehörigkeit Griechenlands zur Währungsunion zur Disposition. Im Moment herrscht große Unsicherheit. Vermutlich wird die Wahl am Sonntag nicht die letzte in einem Land gewesen sein, das auf die Austeritätspolitik mit einer Stärkung der radikalen, populistischen und extremistischen Kräfte reagiert. Das Ergebnis ist verheerend für Griechenland - und verheerend für Europa.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Trotz Rekordschulden Samaras plant niedrigere Steuern für Griechen

Mit Milliardenkrediten auch aus Deutschland musste Griechenland vor dem Bankrott gerettet werden. Inzwischen sieht Premierminister Samaras seinen Staat im Aufwind - und stellt seinen Landsleuten Steuererleichterungen in Aussicht. Mehr

06.09.2014, 19:49 Uhr | Wirtschaft
Aufräumarbeiten nach schweren Überschwemmungen

Das verheerende Hochwasser im Osten Bulgariens kostete mehrere Menschen das Leben und beschädigte Hunderte Häuser. Das ärmste EU-Land braucht nach Expertenschätzungen bis zu 7,5 Millionen Euro, um die beschädigte Infrastruktur wieder aufzubauen. Mehr

22.06.2014, 11:58 Uhr | Gesellschaft
SPD im Wahlkampf in Thüringen Der schwere rot-rote Kelch

Die SPD steckt vor der Wahl in Thüringen in einer Sackgasse, in die sie selbst hineingesteuert ist: Sie ist nicht stolz auf ihre rot-schwarzen Erfolge, fürchtet aber auch ein rot-rotes Bündnis mit dem dominanten Bodo Ramelow. Mehr

10.09.2014, 12:40 Uhr | Politik
Angst vor Super-Taifun

Der auf die japanische Küste zusteuernde Taifun Neoguri entwickelt schon Geschwindigkeiten von mehr als 250 Kilometern pro Stunde. Damit könnte der Wirbelsturm verheerende Zerstörungen anrichten. Mehr

07.07.2014, 11:09 Uhr | Gesellschaft
Linke gewinnen Wahlen Schweden steht vor Regierungswechsel

Die Sozialdemokraten haben die schwedischen Parlamentswahlen gewonnen. Der amtierende konservative Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt hat seinen Rücktritt angekündigt. Die Linken müssen allerdings wahrscheinlich eine Minderheitsregierung bilden. Mehr

14.09.2014, 20:51 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 07.05.2012, 08:17 Uhr

Zeit für die Ukraine

Von Reinhard Veser

Es hat einen unangenehmen Beigeschmack, wenn die EU nun gegenüber Russland Zugeständnisse macht, nachdem der Kreml in der Ukraine einen Krieg angezettelt hat. Aber dieses scheinbare Nachgeben muss nicht schaden. Mehr 17