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Kommentar : Bomben und Raketen

Es ist offenkundig, dass Israel den Raketenbeschuss durch radikale Palästinenser nicht hinnehmen kann. Und doch drängt sich die fatale Vermutung auf, dass Zeitpunkt und Ausmaß der israelischen Reaktion etwas mit der kommenden Wahl zu tun haben könnten.

          Im amerikanischen Wahlkampf hat die Außenpolitik so gut wie keine Rolle gespielt. Aber der nahöstlichen Wirklichkeit, in der zahlreiche Konflikte miteinander verbunden sind und sich überlagern, kann man auf Dauer nicht entrinnen. Diese Erfahrung hat Präsident Obama jetzt kurz nach seiner Wiederwahl machen müssen. Klänge es nicht zynisch, könnte man sagen, neben dem Atomstreit mit Iran und dem Bürgerkrieg in Syrien habe sich auch der palästinensisch-israelische Dauerkonflikt wieder in Erinnerung gebracht, bei dessen Entschärfung auch Obama bislang wenig erreicht hat, von seinem vergleichsweise geringen Einsatz mal abgesehen. Aber die Eskalation im Gazastreifen und im Süden Israels zeigt eines: Nur weil es eine Zeitlang relativ ruhig war, hat sich der Konflikt nicht auf Dauer beruhigt. Im Gegenteil.

          Offenbar sind die radikalislamistische Hamas und andere Terrorgruppen vor dem Hintergrund der allgemeinen Lage in der Region und der Stärke der Muslimbrüder in Ägypten zu dem Schluss gekommen, dass die Zeit günstig sei, um den Raketenbeschuss Israels zu intensivieren. Sie wussten, dass Israel auf derlei Provokation mit Vergeltung reagieren würde - unter Geltendmachung des Rechts auf Selbstverteidigung. Dass Obama Israel dieses Recht zubilligt, versteht sich auf der einen Seite von selbst; auf der anderen Seite wird diese ausdrückliche Billigung in der Auseinandersetzung mit Iran womöglich noch von Bedeutung sein.

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          Luftangriffe : Raketen auf den Gazastreifen

          Aus isrealischer Sicht hat die militärische Eskalation mindestens zwei zusätzliche Aspekte: In den vergangenen Monaten relativer Ruhe haben Hamas und andere Gruppen Zielgenauigkeit und Reichweite ihres Raketenarsenals nochmals verbessert. Etwa eine Million Israelis sollen mittlerweile in Reichweite dieser todbringenden Waffen liegen. Für diese Zivilisten wird die Lage also prekär, zumal die israelische Raketenabwehr nicht alle anfliegenden Geschosse abzufangen in der Lage ist. Es ist offenkundig, dass und warum Israel eine solche Bedrohung seiner Sicherheit nicht hinnehmen kann.

          Keine Regierung kann zusehen, wenn seine Bürger ins Visier des Terrors genommen werden. Und doch, das ist der zweite Aspekt, drängt sich die fatale Vermutung auf, dass Zeitpunkt und Ausmaß der israelischen Reaktion etwas mit der kommenden Wahl zu tun haben könnten: Ministerpräsident Netanjahu strebt eine große, eigene Mehrheit an. Hoffentlich nicht mit allen Mitteln.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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          Quelle: F.A.Z.

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