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Freitag, 17. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kolumbien Massendemonstration gegen Entführungen

06.07.2007 ·  Seit Jahren sind in Kolumbien Entführungen an der Tagsordnung - etwa 3000 Menschen werden in dem Land zur Zeit von Kriminellen oder Rebellen festgehalten. Nun hat auf einer Kundgebung fast die gesamte Bevölkerung gegen die alltäglichen Entführungen demonstriert.

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Bei landesweiten Kundgebungen haben mehrere Millionen Kolumbianer gegen die Geißel der in dem südamerikanischen Land häufigen Entführungen demonstriert. Unter dem Motto „Freiheit ohne Vorbedingungen jetzt“ forderten die Teilnehmer am Donnerstag (Ortszeit) die Freilassung von schätzungsweise 3000 Entführungsopfern.

Nationale Medien schätzten die Zahl der Teilnehmer an Demonstrationen, spontanen Versammlungen und Hupkonzerten im Lauf des Tages auf insgesamt etwa 40 Millionen. Das Land hat 43 Millionen Einwohner.

Seit Jahren verschleppt

Zu den Kundgebungen hatten die Katholische Kirche sowie die Angehörigen elf seit Jahren verschleppter Provinzparlamentarier aufgerufen, die am 18. Juni nach Angaben der linken FARC-Rebellen bei einem Befreiungsversuch ums Leben gekommen waren.

Die marxistische Rebellengruppe „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (FARC) machten das Militär oder illegale rechtsextreme Paramilitärs für den Angriff auf ihr Lager mit den Geiseln verantwortlich. Die Parlamentarier seien im Kreuzfeuer getötet worden. Das Militär hatte jedoch dementiert, einen Befreiungsversuch unternommen zu haben.

Harte Haltung

An der zentralen Großdemonstration in der Hauptstadt Bogotá beteiligte sich auch der konservative Präsident Alvaro Uribe. Angehörige von Entführten werfen ihm vor, seine harte Haltung gegenüber den Rebellen habe einen Austausch von etwa 50 von den FARC verschleppten Politikern, unter ihnen auch die frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, sowie Militärs und Polizisten, verhindert.

Kontakte zwischen der Regierung und den Rebellen über einen Austausch dieser kleinen Gruppen von Geiseln gegen hunderte inhaftierter Rebellen treten seit Monaten auf der Stelle, weil Uribe die Rebellenforderung ablehnt, im Süden des Landes zwei Gemeinden für die Verhandlungen zu demilitarisieren.

Opfer werden „verkauft“

Die FARC, die durch die Einnahmen aus dem Drogenschmuggel gut ausgerüstet sind, bekämpfen den von konservativen Kreisen beherrschten Staat schon seit über 40 Jahren. Die meisten der Opfer werden jedoch von gewöhnlichen Kriminellen verschleppt und nicht selten an andere Banden oder die Rebellen „verkauft“, die dann Lösegelder fordern. Viele Fälle von Entführungen, die oft jahrelang dauern, werden zudem gar nicht bekannt, weil die Familien ihre verschleppten Angehörigen nicht gefährden wollen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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