04.03.2007 · Das Treffen des saudischen Königs Abdullah mit Irans Präsidenten Ahmadineschad gilt aus Sicht von Beobachtern als historischer Moment - obwohl niemand offiziell bestätigen will, dass die Saudis nun im Streit um das iranische Atomprogramm vermitteln.
Auf dem roten Teppich am Flughafen von Riad halten sie einander freundschaftlich an der Hand. Anschließend geht es zum Palast, wo das ungleiche Paar hinter vergoldeten Türen Klartext redet - der würdige saudi-arabische Monarch mit dem schwarz gefärbten Kinnbart und der aus einfachen Verhältnissen stammende Iraner, der den Westen so gerne provoziert.
Nur wenige Stunden dauert der Besuch des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad bei König Abdullah. Trotzdem ist das Treffen zwischen dem Repräsentanten der schiitischen Islamischen Republik und dem Oberhaupt des Islamischen Königreichs aus Sicht arabischer Beobachter ein historischer Moment.
Vieles trennt die beiden Herrscher
Denn obwohl beide Seiten die Legitimation für ihre Herrschaft auf die ein oder andere Art aus der Religion ableiten, gibt es vieles, was die beiden mächtigsten Herrscher am Persischen Golf trennt. An erster Stelle wäre da das Verhältnis zur Supermacht Amerika zu nennen, die im Iran seit der islamischen Revolution von 1979 als „Großer Satan“ gilt und seit Jahrzehnten der wichtigste Verbündete des saudi-arabischen Königshauses ist.
Dass die Saudis nun im Streit um das iranische Atomprogramm zwischen Teheran und Washington vermitteln könnten, will zwar bislang offiziell niemand bestätigen. Doch alleine die Tatsache, dass Ahmadinedschad in Riad außer dem König auch Prinz Bandar bin Sultan getroffen hat, bietet den Experten Anlass für Spekulationen. Denn der ehemalige Botschafter Saudi-Arabiens in Washington gilt als Freund der Familie des amerikanischen Präsidenten George W. Bush.
Themen Amerika und Atom ausgeklammert
Sollten die Saudis ernsthaft versuchen, die iranische Führung von ihrem Konfrontationskurs abzubringen, würde dies aber nicht nur amerikanischen Interessen dienen. Denn auch in Riad macht man sich ernsthafte Sorgen, dass ein Aufstieg des Irans zur Nuklearmacht ein atomares Wettrüsten am Golf oder einen Angriff der Vereinigten Staaten auf den Iran zur Folge haben könnte. Und - das haben saudi-arabische Diplomaten in den vergangenen Wochen mehrfach betont - beide Szenarien würden die durch die Gewalt im Irak ohnehin schon gefährdete Sicherheit der gesamten Region noch heftiger bedrohen.
In ihren offiziellen Verlautbarungen nach dem Treffen klammerten der iranische Präsident und König Abdullah die Themen Amerika und Atom aus. Dafür äußerten sie sich in ungewohnt klarer Form zu dem zweiten großen Konflikt, der das Verhältnis zwischen ihren beiden Staaten seit Jahrzehnten belastet: Die Spannungen zwischen den arabischen Schiiten, deren religiöse Parteien Teheran im Irak und im Libanon unterstützt, und den konservativen Sunniten, von denen einige vom warmen Petrodollar-Regen aus Saudi-Arabien profitieren.
„Iran und Saudi-Arabien sind zwei großartige, mächtige islamische Länder“, resümierte Ahmadinedschad das Treffen mit dem sunnitischen Monarchen.
Diplomatische Erfolgswelle
Ob der Präsident damit die arabische Sorge zerstreut hat, er könne das iranische Konzept vom „Export der islamischen Revolution“ wieder aufleben lassen, ist noch nicht klar. Fest steht nur, dass König Abdullah momentan auf einer diplomatischen Erfolgswelle schwimmt.
Im Februar zwang der „Hüter der Heiligen Stätten“ in Mekka die rivalisierenden Palästinenser-Organisationen Fatah und Hamas, ihren blutigen Bruderzwist beizulegen. Jetzt hat er eine Brücke über den Golf zu den Iranern geschlagen. Für Ende März lädt der König zum Gipfel der Arabischen Liga nach Riad. Bisher hat nur Abdullahs Intimfeind, der libysche Revolutionsführer Muammar al- Gaddafi, die Einladung ausgeschlagen.