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Klimakonferenz in Bonn Zu spät und zu wenig - Enttäuschung über Japans Ziele

10.06.2009 ·  Auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Bonn herrscht Ratlosigkeit. Japan hat seine neuen Klimaziele für das Kyoto-Nachfolgeprotokoll verkündet, aber die bleiben weit hinter den Erwartungen zurück.

Von Joachim Müller-Jung, Bonn
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„Zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren bin ich sprachlos.“ So kommentierte der Leiter des Klima-Sekretariats der Vereinten Nationen, Yvo de Boer, am Nachmittag die neuen Klimaschutzziele, die Japans Premierminister Taro Aso wenige Stunden zuvor verkündet hatte.

15 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2020, allerdings nicht wie üblich bezogen auf das Basisjahr 1990, sondern auf das deutlich emissionsträchtigere Jahr 2005. Hochgerechnet auf 1990 käme Japan damit auf eine vergleichsweise schwache Reduktion der Treibhausgase von minus acht Prozent.

Zu spät und zu wenig

Zu spät und zu wenig, das waren die überwiegenden Reaktionen der Teilnehmer auf der zur Zeit in Bonn stattfindenden Klimakonferenz der Vereinten Nationen. Wirtschaftskrise hin oder her, vom zweitgrößten Industrieland hat man offensichtlich mehr erwartet.

Gastgeber de Boer, Exekutivsekretär des Klimasekretariats in Bonn, machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Mehrfach wies er auf das Ziel der laufenden Klimaverhandlungen hin, den großen Entwicklungs- und Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien Anreize zu liefern, bis zur entscheidenden Klimakonferenz in Kopenhagen Anfang Dezember konkrete Zusagen zur Beteiligung an Emissionsbeschränkungen zu entlocken.

Ohne die rasch wachsenden Entwicklungsländer werden wir es auch bei vielen Industrieländern kaum erreichen, noch so ambitionierte Vertragsverpflichtungen ratifizieren“, sagte de Boer

Klimadiplomatie im Niemandsland

Ziel für Kopenhagen müsse sein, möglichst innerhalb der vom Weltklimarat IPCC ermittelten Leitplanke von 25 bis 40 Prozent Emissionsreduktion bis 2020 zu bleiben. Die Industriestaaten lieferten bisher aber ein sehr uneinheitliches Bild, aus dem sich Aussagen über die Reduktionszusagen anderer Industrieländer derzeit kaum ableiten ließen. De Boer: „Zur Zeit sind alle Industrieländer noch weit entfernt von den Maximalzielen. Die Anstrengungen müssen noch deutlich erhöht werden.“

Eine verbale Ohrfeige für Japan, wie sie von den in Bonn zahlreich vertretenen Umweltschutzgruppen erhofft hatten, verkniff sich de Boer. Im Gegenteil: Er wies auf die von Japan („immerhin eins der effizientesten Industrieländer der Welt“) schon erzielten Fortschritte im Klimaschutz hin. Ein diplomatischer Haken. Woran in Bonn einmal mehr sichtbar wurde, dass sich die Klimadiplomatie derzeit in einem Niemandsland bewegt.

Einerseits ist der für Kopenhagen vorgeschlagene Vertragstext, der das in drei Jahren auslaufende Kyoto-Protokoll ablösen soll, noch weit von einer verhandlungsfähigen Version entfernt. - „frühestens im August, wenn wir uns hier in Bonn wieder sehen, wird es soweit sein“, sagte de Boer. Täglich gebe es neue Ergänzungsvorschläge. Andererseits lassen sich viele Nationen weiterhin nicht in ihre Karten sehen.

Fossil des Tages

In seiner Stellungnahme vermied es der UN-Beamte weiter, konkrete Vorstellungen von einem Kopenhagen-Protokoll zu skizzieren. Mit unscharfen Metaphern versucht man, Brücken zu bauen und konkrete Aussagen, die das Verhandlungsklima schädigen könnten, zu vermeiden. „Was wir am Ende brauchen in Kopenhagen ist ein Vertrag mit einer robusten Architektur, die es für möglichst viele Länder attraktiv macht, sich am Kampf gegen den Klimawandel zu beteiligen.“

Auch bei seinen Kommentaren an die Adresse Russlands, das wie in früheren Verhandlungen auch in Bonn mehrfach im Fokus stand und zu konkreten Aussagen gedrängt wurde, blieb de Boer zurückhaltend. „Wir erkennen ernsthafte Versuche, sehen aber auch, wie das Land derzeit unter den Folgend er Finanzkrise zu leiden hat.“

Die ins Bonner Luxushotel angereisten Umweltschützer sind da weniger vornehm und zimperlich. Sie haben Japans Premier Aso express zum „Fossil des Tages“ gekürt.

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