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Veröffentlicht: 02.06.2017, 13:01 Uhr

Trumps Ausstieg aus Abkommen Die Zweifel der Republikaner an der Wissenschaft

Donald Trump bewertet die Wirtschaftsinteressen Amerikas höher als die Schäden des Klimawandels. Viele Republikaner stellen zudem Ergebnisse der Wissenschaft in Frage. Die Erderwärmung ist, davon ist die Szene überzeugt, kein Menschenwerk.

von , Washington
© AP Klimawandel als Erfindung, um Amerika zu schaden? Trumps Erklärungen finden unter den Republikanern Anklang. Umweltschützer sind entsetzt.

Der Abgeordnete Tim Walberg vertritt einen Wahlkreis in Michigan, aber vorige Woche hat er den Glacier-Nationalpark in Montana zu seinem „Lieblingsort auf Erden“ erklärt. Das Schutzgebiet in den Rocky Mountains ist ein Sorgenkind der Nationalparkbehörde, denn die namensgebenden Gletscher schmelzen vor sich hin. Von den rund 150, oft viele Meter dicken Eisdecken, die dort vor hundert Jahren gezählt wurden, ist nur noch jede sechste übrig, und auch mit denen könnte es in wenigen Jahrzehnten vorbei sein.

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Für den Republikaner Walberg steht daher nicht nur fest, dass sich das Klima „seit dem Beginn der Zeiten“ gewandelt habe, sondern auch, „dass der Mensch daran einen Anteil hat“. Aber es wäre falsch, so erklärte Walberg nun auf einer Bürgerversammlung, daraus Bedarf für eine menschengemachte Klimapolitik abzuleiten. „Kann der Mensch das ganze Universum ändern? Nein“, sagte Walberg. „Ich glaube an Gott, den Schöpfer, der so viel größer ist als wir. Und wenn es ein echtes Problem gibt, dann vertraue ich darauf, dass Er damit fertigwird.“ Walberg hat eine Reihe tief religiöser Parteifreunde, die sich so äußern.

Doch die große Mehrheit der Republikaner im Washingtoner Kongress legt sich lieber nicht in dieser Weise fest. „Ich bin kein Wissenschaftler“, lautet die Lieblingsfloskel konservativer Politiker, wenn sich Bürger nach ihrer Haltung zum Klimawandel erkundigen. Nach Kräften schüren sie Zweifel daran, dass sich längst ein wissenschaftlicher Konsens über den Beitrag des Ausstoßes von Kohlendioxid und anderer Abgase zur Erderwärmung herausgebildet hat. Die internationalen Verhandlungsergebnisse, auf die Barack Obama so stolz war, erklärten sie zu einem weiteren Beleg für seine angebliche Neigung, sich von fremden Mächten über den Tisch ziehen zu lassen.

Infografik / Inhalte des Pariser Abkommens © F.A.Z. Vergrößern

Schließlich hatte der demokratische Präsident zugesagt, Amerikas Emissionen bis 2025 um gut ein Viertel unter den Wert von 2005 zu drücken, während er China lediglich das Versprechen abrang, seinen CO2-Ausstoß nach 2030 nicht mehr zu steigern. Gegen Obamas Klimaschutzauflagen bringen auch solche Republikaner, die sich nicht allein auf Gott verlassen möchten, ihre Dauerbeschwerde über eine lähmende, föderalismusfeindliche Regulierungswut der Bundesregierung in Stellung.

Zweifel an Beweisen für Klimawandel

Niemand hat diese Ansicht konsequenter vertreten als Scott Pruitt, der neue Leiter der Bundesumweltschutzbehörde EPA. Denn bis Donald Trump ihn nach Washington holte, war Pruitt Generalstaatsanwalt im Öl- und Gasstaat Oklahoma, und in dieser Eigenschaft hat er die EPA mehr als ein Dutzend Mal verklagt. Jedes Mal lautete sein Argument, dass sich die EPA Befugnisse anmaße, welche die Verfassung den Bundesstaaten vorbehalte – und dass die Obama-Regierung den Kongress umgangen habe, indem sie per EPA-Verordnung etwa strenge Emissionslimits für Kraftwerke festlegte.

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Es sei ein „falsches Paradigma“, sagte Pruitt dem „Wall Street Journal“ im Februar, „dass wir nicht zugleich Pro-Umwelt und Pro-Energie sein können“. Amerika sei eben „mit großen Bodenschätzen gesegnet“. Tage nach seiner Ernennung zum EPA-Chef stimmte Pruitt ins Lied der Parteirechten ein, wonach in Sachen Klimawandel noch nichts bewiesen sei: „Es ist sehr schwierig, die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf das Klima präzise zu messen“, sagte er dem Sender CNBC, „und es gibt gewaltige Uneinigkeit über den Grad der Wirkung – also nein, ich stimme nicht zu, dass sie ein Hauptgrund für die Erderwärmung sind.“

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