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Kinder sexuell missbraucht : Fast 2000 katholische Geistliche in Australien belastet

Wider das Schweigen: An Kirchen in Ballarat erinnern Bürger mit bunten Bändern an Opfer. Bild: Till Fähnders

Die Rede ist von einem „massiven Scheitern“ der katholischen Kirche in Australien: Gegen sieben Prozent der Priester wurden zwischen 1950 und 2010 Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs erhoben – in einem Orden ist der Anteil noch viel höher.

          Eine Regierungskommission hat zum ersten Mal umfangreiche Daten über das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs von Kindern in der katholischen Kirche in Australien veröffentlicht. Nach Angaben der Kommission vom Montag wurden in den Jahren von 1950 bis 2010 Missbrauchsvorwürfe gegen sieben Prozent der katholischen Priester in Australien erhoben. Insgesamt seien gegen 1880 mutmaßliche Täter Anschuldigungen vorgebracht worden. In einigen Orden sei der Anteil der Beschuldigten besonders hoch, darunter die „Christian Brothers“ mit 22 Prozent der Ordensmitglieder und die „St. John of God Brothers“ mit 40,4 Prozent.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Auch über die mutmaßlichen Opfer veröffentlichte die Kommission nun detaillierte Zahlen. Demnach sind in den Jahren 1980 bis 2015 4444 Personen mit Anschuldigungen des Kindesmissbrauchs an katholische Institutionen in Australien herangetreten. 78 Prozent dieser Personen waren männlich. Das Durchschnittsalter zur Zeit des mutmaßlichen Missbrauchs betrug 10,5 bei Mädchen und 11,6 bei Jungen. Bis der Missbrauch gemeldet wurde, vergingen im Durchschnitt 33 Jahre. 2400 Personen haben in Einzelgesprächen mit der Kommission Anschuldigungen des Missbrauchs in katholischen Institutionen erhoben. 309 Fälle wurden laut des Berichts an die Polizei weitergegeben. Nach Angaben der Kommission umfassen die nun veröffentlichten Zahlen nicht alle bekannten mutmaßlichen Missbrauchsfälle, sondern nur diejenigen, die direkt den kirchlichen Institutionen gemeldet worden waren. Nur ein Teil der Fälle ist vor Gericht gekommen.

          Die Zahlen seien „erschütternd, tragisch und nicht zu entschuldigen“, sagte Francis Sullivan, der Geschäftsführer einer Organisation, die im Auftrag der katholischen Kirche in Australien mit der Kommission zusammenarbeitet. Er sprach von einem „massiven Scheitern“ der katholischen Kirche, Kinder vor Missbrauch zu schützen. Am Montag wurden in der Kommission Anschuldigungen wiederholt, wonach Kinder, die Missbrauch meldeten, ignoriert oder bestraft wurden. Die des Missbrauchs beschuldigten Personen sollen nur auf neue Posten versetzt worden sein. „Es herrschten Geheimniskrämerei und Vertuschung vor“, sagte Gail Furness, eine Anwältin der Kommission. Viele der Opfer hätten bis heute unter dem Missbrauch zu leiden.

          Die Kommission, die nach einem Vorbild in Irland gebildet worden war, begann am Montag ihre letzte Anhörung. Sie ist auf drei Wochen angesetzt. Mehrere Erzbischöfe sollen gehört werden. Die Aussagen sollen bewertet und Schlüsse gezogen werden, wie sexueller Missbrauch verhindert werden kann. Der Abschlussbericht der Kommission wird in diesem Jahr erwartet.

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