29.10.2007 · Empört hat sich der tschadische Präsident Déby darüber geäußert, dass eine Hilfsorganisation gut hundert Kinder nach Frankreich bringen wollte. Um eine viel größere Zahl anderer Kinder macht er sich weniger Gedanken: Der Einsatz von Kindersoldaten dauert an.
Von Hans-Christian RößlerEmpört und besorgt hat sich der tschadische Präsident Idriss Déby über das Schicksal der gut hundert Kinder geäußert, die eine Hilfsorganisation nach Frankreich bringen wollten. Sie hätten die Kinder vielleicht an Kinderschänder in Europa verkaufen oder sie töten wollen, um mit ihren Organen zu handeln, befürchtete er.
Um eine viel größere Zahl anderer Kinder macht sich der Machthaber offenbar weniger Gedanken. So hat seine Regierung zwar im Frühjahr versprochen, Tausende minderjähriger Soldaten aus dem Militärdienst in der Armee und mit ihr verbündeter paramilitärischer Einheiten zu entlassen. Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch ist seitdem kaum etwas geschehen: Der Einsatz von Kindersoldaten dauert an und das Regime macht sich kaum Mühe, das zu verbergen. Manche der Zwangsrekrutierten seien gerade erst acht Jahre alt. Sie würden als Kampfsoldaten, Wachposten, Köche und Späher eingesetzt.
Friedensabkommen mit mehreren Rebellengruppen
Der Umgang mit diesen Kindern ist nur ein weiteres Beispiel für das altbekannte Doppelspiel, das das Regime unter Präsident Déby schon oft getrieben hat. Daher kam jetzt auch die Furcht auf, er könnte sich die von Frankreich geführte EU-Truppe in Tschad, der er schon zugestimmt hat, wieder überdenken. Denn ausländische Einmischung in den Bürgerkrieg im eigenen Land lehnt er eigentlich ab - auch wenn er letztlich auf ausländische Hilfe angewiesen ist. Im vergangenen Jahr konnte er sich nur an der Macht halten, weil die in Tschad stationierten französischen Soldaten ihm zur Hilfe kamen, als die Rebellen schon bis in die Vororte der Hauptstadt N'Djamena vorgedrungen waren.
Die Rebellen, die aus Darfur heraus aktiv sind und angeblich auch aus Khartum unterstützt werden, wollen Déby stürzen, der Tschad ausschließlich mit Angehörigen seiner eigenen Ethnie, der Zaghawa, regiert. In der vergangenen Woche schloss Déby ein Friedensabkommen mit mehreren Rebellengruppen; es muss sich aber erst zeigen, ob dieser Anlauf erfolgreicher ist als frühere Bemühungen. Vor dem Konflikt in Tschad sind bisher 170.000 Einwohner des Landes geflohen; viele wussten sich nicht anders zu helfen, als in Darfur Schutz zu suchen. Vor der Gewalt in Darfur flohen wiederum seit 2004 nach UN-Angaben bis zu 240.000 Menschen, die in zwölf Lagern im Osten Tschads leben; unter ihnen sind auch zahlreiche Kinder.
Hans-Christian Rößler Jahrgang 1967, politischer Korrespondent für Israel und die Palästinensergebiete mit Sitz in Jerusalem.
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