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Vor Korea-Gipfel : Der Weg ist das Ziel

Gemeinsam in Singapur: Doppelgänger von Donald Trump und Kim Jong-un Bild: dpa

Die Hürden sind hoch, der Ton gesetzt – es kann eigentlich nur schiefgehen. Und doch bietet das historische Treffen von Kim Jong-un und Donald Trump auch Chancen. Eine Analyse.

          Kim Jong-un hat schon jetzt, einen Tag vor dem historischen Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump, sein vorerst wichtigstes Etappenziel erreicht: Er spielt auf Augenhöhe mit in der Reihe der mächtigsten Staatslenker der Welt, so zumindest wird er es selbst sehen. Und den Weg dahin pflastert der nordkoreanische Machthaber mit prominenten Beigaben: Denn während die staatliche Nachrichtenagentur KCNA in der Vergangenheit vor allem die Fotos seiner skurrilen Vor-Ort-Anleitungen, bei denen er in der nordkoreanischen Provinz Fabriken oder Baustellen besucht, oder Glückwunschschreiben zum Geburtstag irgendeines unbedeutenden afrikanischen Autokraten verbreitete, so laufen nun wahre Bilderschätze der weltpolitischen Prominenz über den Ticker: Kim Jong-un mit dem amerikanischen Außenminister Mike Pompeo, Kim mit dem russischen Chef-Diplomaten Sergej Lawrow, Kim mit Südkoreas Präsidenten Moon Jae-in. Eben all die vorbereitenden Treffen, die das möglich machten, was sich Kim Jong-un morgen in sein Geschichtsbuch schreiben kann: das erste Gipfeltreffen eines nordkoreanischen Diktators mit einem amtierenden amerikanischen Präsidenten. Das Foto dieser persönlichen Krönungszeremonie folgt.

          Und Donald Trump? Er wird jenen Mann treffen, den er vor nicht langer Zeit noch als „little rocket man“ verspottete und dem er „Feuer und Zorn“ androhte. Der Präsident schließt sogar eine Einladung für Kim zu einem Besuch ins Weiße Haus nicht aus, sollte der Gipfel in einem Singapurer Luxushotel positiv verlaufen. „Vielleicht fangen wir mit dem Weißen Haus an“, sagte der Präsident auf die Frage, ob er Kim sogar in sein Privatdomizil Mar-a-Lago in Florida bitten könnte. Alles scheint möglich, zumindest noch an diesem Montag.

          Das Ziel des Gipfels in der Nacht zu Dienstag hiesiger Zeit ist der Gipfel selbst: „Unabhängig davon, was die genauen Ergebnisse sein werden, ist das Treffen als solches historisch und einzigartig“, sagt Hannes Mosler, Korea-Forscher an der FU Berlin. „Das Stattfinden ist das Ziel.“ Es kann also nur darum gehen, keine Fehler zu machen, einen diplomatischen Eklat zu vermeiden und erst recht einen Abbruch. Zumal vor allem Trump Spezialist für Unvorhergesehenes ist, wie man zuletzt beim G-7-Gipfel sehen konnte. Dann wäre möglicherweise die Tür verschlossen für weitere Treffen und konkretere Schritte in Richtung einer vollständigen und unumkehrbaren Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel – das ist nach wie vor das Ziel der Amerikaner: Kim Jong-un habe verstanden, „dass das jetzige Modell nicht funktioniert“, gab sich Außenminister Mike Pompeo vergangene Woche siegesgewiss. Eine atomare Abrüstung müsse vollständig nachweisbar und unumkehrbar sein. Trump, dem nachgesagt wird, sich nicht so sehr für Details zu interessieren, blieb eher blumig: „Wir haben das Potential, etwas Unglaubliches für die Welt zu schaffen. Und es ist mir eine Ehre, daran beteiligt zu sein.“ Zugleich will er bis zuletzt den Druck auf die nordkoreanische Regierung aufrechterhalten, indem er eine Absage des Gipfeltreffens weiterhin für möglich hält und wiederholt die Absicht erklärte, den Verhandlungstisch zu verlassen, sollte er mit dem Verlauf der Gespräche nicht zufrieden sein.

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