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Kim Jong-un in China : Eine eingerostete Freundschaft

Alle zusammen: Xi Jinping und Kim Jong-un am Montag in der Großen Halle des Volkes in China Bild: AFP

Sieben Jahre hat sich Kim Jong-un mit dem Besuch seines wichtigsten Verbündeten Zeit gelassen. Nun hat er sich in Peking Rückendeckung für die Gespräche mit Südkorea und Amerika geholt. Und auch für China kam der Besuch zur richtigen Zeit.

          Mehr als zwei Tage lang hatte China den Besuch des nordkoreanischen Machthabers geheim gehalten. Erst als Kim Jong-un am Mittwochmorgen in seinem gepanzerten Zug wieder heimischen Boden erreicht hatte, kam aus Peking die Bestätigung: Auf Einladung von Staats- und Parteichef Xi Jinping habe Kim dem Land „einen inoffiziellen Besuch“ abgestattet. Dieser sei „von großer Bedeutung“ und komme „zu einer besonderen Zeit“.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          In einer Zeit nämlich, in der Kim Jong-un gleich zwei historische Gipfel bevorstehen: das für Ende April geplante Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in und ein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump, möglicherweise im Mai.

          Letzteres bestätigte der nordkoreanische Machthaber laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua nun erstmals in Peking: Nordkorea sei bereit zum Dialog mit den Vereinigten Staaten und zu einem Gipfeltreffen beider Seiten. Zudem bekannte Kim sich im Gespräch mit Staatschef Xi Jinping zum Ziel einer vollständigen atomaren Abrüstung der koreanischen Halbinsel. Das entspreche dem Wunsch seines Vaters und Großvaters, sagte Kim, wiederum nach Angaben von Xinhua. „Das Problem der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel kann gelöst werden, wenn Südkorea und die Vereinigten Staaten unsere Bemühungen mit gutem Willen beantworten und gleichzeitig Schritte zum Frieden unternehmen.“ In den Meldungen der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA war allerdings weder von dem Treffen mit Trump noch von atomarer Abrüstung die Rede. Wieder einmal ließ Kim seine Botschaft an die Welt durch Dritte übermitteln.

          Der amerikanische Präsident zeigte sich dennoch ermutigt. Trump schrieb am Mittwoch auf Twitter, jahrelang hätten verschiedene Regierungen erklärt, für eine vollständige atomare Abrüstung bestehe nicht einmal eine kleine Chance. „Jetzt gibt es eine gute Chance, dass Kim Jong-un tun wird, was richtig für seine Bürger und für die Menschheit ist“.

          Die Äußerungen Kims stehen im Einklang mit früheren Verlautbarungen und wurden in Peking kaum als Zugeständnis eingestuft. Zumal mit den „gleichzeitigen Schritten“, von denen Kim sprach, die seit langem erhobene Forderung nach einem Abzug der amerikanischen Truppen aus Südkorea gemeint sein könnte.

          „Nordkorea ist bereit, sich politisch zu dem Endziel einer Denuklearisierung zu bekennen“, sagt der Nuklearwaffen-Experte Zhao Tong vom Carnegie-Tsinghua Zentrum für Globale Politik. Ein Rückbau des Atom- und Raketenprogramms stehe aber nicht auf der Agenda. Im Gegenteil: Gerade weil Nordkoreas Atomprogramm inzwischen so weit fortgeschritten sei, dass das Land über eine „grundlegende Fähigkeit zur nuklearen Abschreckung“ verfüge, sei Kim Jong-un nun zu Gesprächen bereit.

          Jahre vor seinem eigentlichen Machtantritt

          In Peking holte sich der junge Diktator dafür die nötige Rückendeckung. Auch weil das Treffen mit Trump für ihn eine große Gefahr birgt. Sollte es aus amerikanischer Sicht nicht zufriedenstellend verlaufen, könnte Washington es zum Anlass nehmen, die militärische Option zu ziehen oder eine weitere Verschärfung der Sanktionen zu fordern. Zhao sagt: „Eine positive Beziehung zu China ist eine Rückversicherung für den Fall eines möglichen Scheiterns der Gespräche.“

          China wiederum war bemüht, den Eindruck zu zerstreuen, es spiele bei den diplomatischen Bemühungen um eine Lösung des Atomkonflikts nur noch eine Nebenrolle. In Peking hatte es für Irritationen gesorgt, dass Kim Jong-un bei seinen Gesprächsofferten in Richtung Seoul und Washington China nicht einbezogen hatte. Nun stellte die Nachrichtenagentur Xinhua klar, Kim habe in Peking gesagt, „er glaubte, er müsse kommen, um den Genossen Generalsekretär Xi Jinping rechtzeitig persönlich über die Lage zu informieren, aus Kameradschaft und moralischer Verantwortung“.

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          Die China-Expertin Yun Sun von der amerikanischen Denkfabrik Stimson Zentrum schrieb: „Chinas Wunsch, relevant zu bleiben, und Nordkoreas Wunsch, Amerika und China gegeneinander auszuspielen“ hätten den Besuch ermöglicht.

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