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Kim Jong-nam im Porträt Übergangen

12.10.2010 ·  Er ist mit 39 Jahren deutlich älter als sein Bruder Kim Jong-un. Trotzdem wurde Kim Jong-nam, der Erstgeborene, nicht als zukünftiger Machthaber auserkoren. Nun meldet er sich in einem Interview zu Wort - und wird endgültig zur tragischen Figur.

Von Till Fähnders
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Als ältester Sohn des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-il dürfte sich Kim Jong-nam zu Recht missachtet fühlen. Schließlich hat der Vater und Militärmachthaber nicht vor, das Zepter an den Erstgeborenen weiterzugeben.

Stattdessen hat er seinen jüngsten Sohn Kim Jong-un als zukünftigen Machthaber auserkoren, der mit geschätzten 27 Jahren deutlich jünger sein soll als der 39 Jahre alte Kim Jong-nam. Die Nachfolgeregelung ist seit der Militärparade zum 65. Jahrestag der nordkoreanischen kommunistischen Partei so gut wie offiziell. Dort wurde der gerade zum General ernannte Kim Jong-un auch den ausländischen Ehrengästen vorgestellt.

Rationaler als der Herrscherjargon

Doch nun meldete sich der ausgebootete Bruder zu Wort. Er sei gegen die Erbfolge in der dritten Generation, sagte der Erstgeborene einem japanischen Fernsehsender. „Aber ich denke, es gibt einen internen Grund dafür. Wenn das so ist, müssen wir das wohl befolgen“, sagte er.

Das Gespräch soll am Sonntag in Peking aufgezeichnet worden sein. Mit seinen Äußerungen wird Kim Jong-nam endgültig zur tragischen Figur, auch wenn sie in deutschen Ohren wohl etwas rationaler klingen als der Herrscherjargon, den man sonst aus Pjöngjang zu hören bekommt, und Kim Jong-nam außerdem behauptete, gar kein Interesse daran zu haben, den Vater zu beerben.

Mit gefälschtem Pass ins Disneyland

Denn wahrscheinlich war Kim Jong-nam selbst einmal als Nachfolger des „lieben Führers“ vorgesehen. Der hatte sein Amt wiederum vom Staatsgründer Kim Il-sung bekommen. Seinen ersten von drei bekannten Söhnen hatte Kim Jong-il mit der koreanischen Schauspielerin Sung Hae-rim gezeugt. Kim Jong-nam soll in Ungnade gefallen sein, weil er im Ausland für peinliche Schlagzeilen sorgte, während sich der Rest der Familie stets um höchste Diskretion bemühte.

So war er im Jahr 2001 dabei erwischt worden, wie er mit einem gefälschten Pass nach Japan einreisen wollte. Er wollte heimlich das Disneyland in Tokio besuchen. Das als töricht empfundene Verhalten und der unstete Lebenswandel hatten dem Vater wohl nicht gepasst.

Zwei Frauen, drei Kinder, eine Geliebte

Seit dem Vorfall lebte Kim Jong-nam wohl die meiste Zeit in China, genauer gesagt in der früheren portugiesischen Enklave Macao, heute ein Spielerparadies für reiche Chinesen. Dort soll er ein Luxusleben geführt haben. Gerüchte sagen, er habe zwei Frauen und drei Kinder sowie eine Geliebte, die in Macao und Peking leben.

Da er als Einziger aus der Herrscherfamilie immer wieder öffentlich im Ausland auftauchte, wurde er hartnäckig von der Presse Südkoreas und Japans verfolgt, die immer nach Neuigkeiten aus dem Schattenreich lechzt. Ihre Fotos zeigten stets einen wohlgenährten Mann mit Brille und in Freizeitkleidung.

Angeblich Parteiamt übernommen

Vor einiger Zeit soll Kim Jong-nam dann aber doch nach Pjöngjang zurückgekehrt sein. Angeblich übernahm er dort sogar ein Parteiamt.

Angesichts der in Nordkorea bekannten Tradition, konkurrierende Familienmitglieder auszuschalten, wirkten Berichte, er sei wegen der anstehenden Machtübergabe aus Nordkorea geflohen, wiederum einleuchtend. Diese Gerüchte hat er aber dementiert.

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Jahrgang 1976, politischer Korrespondent für Südostasien.

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