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Kim Jong-uns Schwester : Auge und Ohr des großen Bruders

Kim Jong-un und seine Schwester Yo-jong im Mai 2015 auf dem Weg zu einer Zeremonie in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang. Bild: KCNA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Eine ungewöhnliche Beförderung: Mitten in den Kreis ranghoher älterer Männer seines Politbüros befördert Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un seine jüngere Schwester Jo-yong. Sie wird sich vorsehen müssen.

          Politik ist in Nordkorea Familiensache. Seit drei Generationen regiert die Kim-Familie das kommunistische Land. Staatsgründer Kim Il-sung gab den Stab an seinen Sohn Kim Jong-il weiter, der wiederum ernannte seinen jüngsten Sohn Kim Jong-un zum Nachfolger. Auch in anderen Partei- und Regierungspositionen tauchten über die Jahre nähere und entferntere Verwandte der jeweiligen Kims auf.

          Petra  Kolonko

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Auch der jetzige Machthaber Kim Jong-un will sich auf Familienloyalität verlassen und hat nun seine 30 Jahre alte Schwester Kim Jo-yong auf einen Posten im Politbüro der Arbeiterpartei gehievt. Im Politbüro, das bislang  von älteren Männern dominiert wird, wird sie das Auge und Ohr ihres Bruders sein und dafür Sorge tragen, dass seinen Anweisungen getreulich Folge geleistet wird. 

          Angeblich vor Kurzem ein Kind bekommen

          Kim Jo-yong soll zur selben Zeit wie ihr heute mächtiger Bruder in der Schweiz zur Schule gegangen sein. Danach hat sie Computerwissenschaften in Pjöngjang studiert. In Berichten über öffentliche Auftritte ihres Bruders und bei seinen Reisen durchs Land ist sie öfter als Begleiterin identifiziert worden und südkoreanische Auguren hatten schon vor zwei Jahren vorhergesagt, dass sie bald eine hohe Stellung in Partei oder Regierung einnehmen würde.

          Dass diese Voraussagen jetzt erst eintreffen, könnte an persönlichen Gründen liegen. Angeblich hat Kim Jo-yong, die mit dem Sohn eines Mitgliedes der Nomenklatura verheiratet ist, vor kurzem ein Kind bekommen. Wahrscheinlich ist aber auch, dass Machthaber Kim Jong-un jetzt erst stark genug ist, um die ungewöhnliche Beförderung in einem Apparat durchzusetzen, in dem Seniorität von größter Bedeutung ist und in dem hohe Ämter für verdiente ältere Männer reserviert sind. 

          Die erfolgreichen Raketen- und Atomtests der letzten Zeit haben Kim Jong-uns Stellung an der Spitze von Nordkoreas Apparat gefestigt. Als Kim Jong- un vor fünf Jahren die Nachfolge seines Vaters in jungem Alter antrat, soll es im Apparat Widerstand gegen seine Ernennung gegeben haben. Doch jetzt feiern Bevölkerung, Partei und Militär ihn als einen Herrscher, der es wagt, die mächtigen Amerikaner herauszufordern. Der junge Kim Jong-un ist der uneingeschränkte Führer Nordkoreas.

          Seine Schwester kann durch die Beförderung ins Politbüro nun auch offiziell eine Beraterposition einnehmen, die sie inoffiziell schon ausgeübt hat. Aber auch für die Verwandtschaft gilt das Gebot der absoluten Loyalität und es drohen brutale Strafen bei Verstößen. Kim Jong-un hat schon zwei Verwandte umbringen lassen, als er Anlass hatte, an ihrer Treue zu zweifeln. Im Jahr 2013 ließ er seinen Onkel Jang Song-taek hinrichten, der bis dahin der mächtigste Mann Nordkoreas war. Er warf ihm vor, einen Umsturzversuch geplant zu haben. Nach seinem Sturz hat Kim Jong-un die Seilschaften des Onkels aufgerollt.

          Auch Kim Jong-uns Halbbruder, Kim Jong-nam, starb eines gewaltsamen Todes. Kim Jong-nam hatte über Jahre im chinesischen Exil und unter chinesischem Schutz gelebt. Der Halbbruder beteuerte bei gelegentlichen Interviews, keine politischen Ambitionen auf die Erbfolge in Nordkorea zu haben. Kim Jong-un war da offenbar anderer Meinung und sah ihn als Konkurrenten um die Macht. Kim Jong-nam wurde zu Beginn dieses Jahres auf dem Flughafen von Kuala Lumpur wahrscheinlich von nordkoreanischen Agenten mit Nervengift umgebracht.

          Vor einer Woche : Prozess um Mord an Halbbruder von Kim Jong-un hat begonnen

          Quelle: FAZ.NET

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