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Türkische Ermittler : Khashoggi soll Konsulat nicht auf normalem Weg verlassen haben

  • Aktualisiert am

Jamal Khashoggi auf einer Aufnahme von 2011. Bild: AP Photo/Virginia Mayo

Auf Aufnahmen von Sicherheitskameras sei zu sehen, wie Fahrzeuge das saudische Konsulat in Istanbul verlassen haben, sagt ein Regierungsmitarbeiter. Gerüchte eines Mordes weist Riad zurück.

          Die türkischen Behörden gehen nach Angaben eines Beraters davon aus, dass der vermisste saudische Regimekritiker aus dem Istanbuler Konsulat gebracht wurde. Ob tot oder lebendig, das wisse er nicht, „alles ist möglich“, sagte der Berater des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan Yasin Aktay der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. „Wir glauben inzwischen nicht mehr, dass er noch drin ist.“ Aufnahmen der Straßenkamera zeigten, dass Autos mit verdunkeltem Scheiben herausgefahren seien. Darin könnte Jamal Khashoggi gewesen sein. „Eine andere Möglichkeit bleibt eigentlich nicht mehr.“ Nach Angaben von Freunden und Kollegen war der Journalist und Regimekritiker am Dienstag in das Konsulat im Stadtteil Besiktas gegangen, um Papiere abzuholen, aber nicht wieder herausgekommen. Aktay sagte, Überwachungskameras auf der Straße zeigten, dass Khashoggi das Konsulat nicht auf normalem Weg verlassen habe.

          Erst hatte es am Sonntag geheißen, die türkische Polizei gehe davon aus, dass Khashoggi getötet worden sei. Ersten Erkenntnissen zufolge sei dafür eigens ein Mordkommando in die Türkei gereist, das das Land noch am selben Tag wieder verlassen habe, meldet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf türkische Regierungskreise. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, am Dienstag seien rund 15 Männer aus Saudi-Arabien an Bord von zwei Flugzeugen in Istanbul gelandet und hätten das Land nach einem zeitgleichen Besuch mit Khashoggi im Konsulat am selben Tag wieder verlassen.

          Die Agentur Reuters zitiert einen Insider aus Ermittlerkreisen: „Wir glauben, dass der Mord vorsätzlich geschehen ist und die Leiche anschließend aus dem Konsulat gebracht wurde.“ Wie der Journalist demnach getötet worden sein soll, blieb zunächst unklar. Ein Vertreter des saudischen Konsulats wies die Darstellung als haltlos zurück.

          Verschwunden nach Besuch im Konsulat

          Vergangenen Dienstag hatte Khashoggi nach Angaben seiner Verlobten das Konsulat in Istanbul betreten, um Dokumente für seine geplante Heirat zu besorgen. Seitdem wurde er nicht mehr gesehen. Nach türkischer Darstellung verließ er das Gebäude nicht mehr.

          Saudi-Arabien hat die Berichte zurückgewiesen. Ein Vertreter des saudischen Konsulats sagte der staatlichen Nachrichtenagentur SPA am Sonntag, solche Vorwürfe seien „gegenstandslos“. Ein Team saudi-arabischer Ermittler sei seit Samstag in Istanbul und arbeite mit den türkischen Behörden zusammen, um das Verschwinden Khashoggis aufzuklären.

          Die Regierung in Riad erklärte, Khashoggi sei am selben Tag aus dem Konsulat gegangen und bot der Türkei an, das Konsulat zu durchsuchen. Kronprinz Bin Salman sagte in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg, der Journalist befinde sich nicht in dem Konsulat, die türkischen Behörden könnten sich selbst davon überzeugen. „Wir laden die türkische Regierung ein, hinzugehen und unser Anwesen zu durchsuchen“, sagte er über das Konsulatsgelände, das saudisches Staatsgebiet ist. „Wir haben nichts zu verbergen.“ Sie glaube nicht, dass Khashoggi getötet worden sei, schrieb seine türkische Verlobte, Hatice C., auf Twitter.

          Kritiker des Kronprinzen

          Der 59 Jahre alte Khashoggi, der als Journalist unter anderem für die „Washington Post“ schreibt, verbachte das vergangene Jahr im selbstgewählten Exil in den Vereinigten Staaten. Nach eigenen Angaben fürchtete er Vergeltung für seine Kritik an der Politik seines Heimatlandes. Khashoggi hatte wiederholt den mächtigen Kronprinzen Muhammad Bin Salman sowie die Militärintervention des Königreichs im Jemen kritisiert. Bin Salman hat zwar weitreichende wirtschaftliche und gesellschaftliche Reformen eingeleitet, doch zugleich die Repression gegen Kritiker und Oppositionelle verschärft.

          Das Verschwinden Khashoggis dürfte die Spannungen zwischen den Regionalmächten Türkei und Saudi-Arabien weiter verschärfen. Die Beziehungen hatten sich vergangenes Jahr verschlechtert, nachdem die Türkei Truppen nach Qatar entsandt hatte, das von Saudi-Arabien mit einem Embargo belegt worden war.

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