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Kenia Opposition wirft Kibaki Völkermord vor

 ·  In Kenia ist die Zahl der Toten durch die Unruhen auf weit mehr als 200 gestiegen. In einer Kirche verbrannten mehr als 50 Menschen; 33.000 wurden in den vergangenen Tagen aus ihren Häusern vertrieben.

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In Kenia hat sich die Zahl der bei den Unruhen getöteten Menschen auf weit mehr als 200 erhöht. In der Stadt Eldoret etwa 300 Kilometer westlich der Hauptstadt Nairobi wurde am Neujahrstag eine Kirche angezündet, in der mehrere hundert Menschen Zuflucht gesucht hatten. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden dabei mindestens 50 Menschen getötet. Der unterlegene Oppositionführer Raila Odinga warf der Regierung von Präsident Mwai Kibaki Völkermord vor.

Kibaki appellierte angesichts der Unruhen an die politischen Parteien, sie sollten sich unverzüglich treffen und öffentlich zur Ruhe aufrufen. Kibaki hatte sich unmittelbar nach Verkündigung seines knappen Wahlsiegs für eine zweite Amtszeit vereidigen lassen. Odinga will das Wahlergebnis nicht anerkennen.

Odingas Partei gewinnt die Parlamentswahl

Die EU und die Vereinigten Staaten lehnten es ab, Kibaki zu seiner Wiederwahl zu gratulieren. Während Odinga zum Verlierer der Präsidentenwahl vom vergangenen Donnerstag erklärt wurde, gewann seine Partei bei der gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahl die meisten Stimmen. Für Donnerstag hatte Odinga eine Demonstration mit einer Million Teilnehmern angekündigt.

Am Neujahrstag flauten die schweren Unruhen nach vier Tagen etwas ab. Gleichwohl wurden aus den Elendssiedlungen am Rande der Hauptstadt wieder vereinzelte Zusammenstöße gemeldet. Ansonsten glich Nairobi am Dienstag einer Geisterstadt. Nach Angaben der Polizei wurden im ganzen Land mehr als 33.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Wegen Plünderungen und der Zerstörung von Geschäften wurden Nahrungsmittel knapp.

„Internationale Standards nicht erfüllt“

„Die Wahlen haben internationale und regionale Standards für demokratische Wahlen nicht erfüllt“, resümierte der deutsche Leiter der EU-Wahlbeobachter in Kenia, Alexander Graf Lambsdorff. Vier von 22 Mitgliedern der kenianischen Wahlkommission forderten vier eine unabhängige Überprüfung der Ergebnisse. Es seien gewichtige Einwände vorgebracht worden, sagte Jack Tumwa. Die Wahlkommission könne sich aber nicht selbst untersuchen, so dass eine externe Prüfung erforderlich sei.

Der Konflikt ist auch Ausdruck tiefer ethnischer Ressentiments. Odinga gehört dem Stamm der Luo an, der sich in Kenia lange Zeit als unterdrückt empfand. Kibaki hingegen ist ein Kikuyu - dieser größte Stamm in Kenia dominiert Politik und Wirtschaft seit der Unabhängigkeit im Jahr 1963.

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