Home
http://www.faz.net/-gpf-wecg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Kenia Opposition wirft Kibaki Völkermord vor

In Kenia ist die Zahl der Toten durch die Unruhen auf weit mehr als 200 gestiegen. In einer Kirche verbrannten mehr als 50 Menschen; 33.000 wurden in den vergangenen Tagen aus ihren Häusern vertrieben.

© AFP Im Mathare-Slum in Nairobi

In Kenia hat sich die Zahl der bei den Unruhen getöteten Menschen auf weit mehr als 200 erhöht. In der Stadt Eldoret etwa 300 Kilometer westlich der Hauptstadt Nairobi wurde am Neujahrstag eine Kirche angezündet, in der mehrere hundert Menschen Zuflucht gesucht hatten. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden dabei mindestens 50 Menschen getötet. Der unterlegene Oppositionführer Raila Odinga warf der Regierung von Präsident Mwai Kibaki Völkermord vor.

Kibaki appellierte angesichts der Unruhen an die politischen Parteien, sie sollten sich unverzüglich treffen und öffentlich zur Ruhe aufrufen. Kibaki hatte sich unmittelbar nach Verkündigung seines knappen Wahlsiegs für eine zweite Amtszeit vereidigen lassen. Odinga will das Wahlergebnis nicht anerkennen.

Mehr zum Thema

Odingas Partei gewinnt die Parlamentswahl

Die EU und die Vereinigten Staaten lehnten es ab, Kibaki zu seiner Wiederwahl zu gratulieren. Während Odinga zum Verlierer der Präsidentenwahl vom vergangenen Donnerstag erklärt wurde, gewann seine Partei bei der gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahl die meisten Stimmen. Für Donnerstag hatte Odinga eine Demonstration mit einer Million Teilnehmern angekündigt.

ken 2 © dpa Vergrößern Dieser Mann wurde mit Macheten bewusstlos geschlagen

Am Neujahrstag flauten die schweren Unruhen nach vier Tagen etwas ab. Gleichwohl wurden aus den Elendssiedlungen am Rande der Hauptstadt wieder vereinzelte Zusammenstöße gemeldet. Ansonsten glich Nairobi am Dienstag einer Geisterstadt. Nach Angaben der Polizei wurden im ganzen Land mehr als 33.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Wegen Plünderungen und der Zerstörung von Geschäften wurden Nahrungsmittel knapp.

„Internationale Standards nicht erfüllt“

„Die Wahlen haben internationale und regionale Standards für demokratische Wahlen nicht erfüllt“, resümierte der deutsche Leiter der EU-Wahlbeobachter in Kenia, Alexander Graf Lambsdorff. Vier von 22 Mitgliedern der kenianischen Wahlkommission forderten vier eine unabhängige Überprüfung der Ergebnisse. Es seien gewichtige Einwände vorgebracht worden, sagte Jack Tumwa. Die Wahlkommission könne sich aber nicht selbst untersuchen, so dass eine externe Prüfung erforderlich sei.

Der Konflikt ist auch Ausdruck tiefer ethnischer Ressentiments. Odinga gehört dem Stamm der Luo an, der sich in Kenia lange Zeit als unterdrückt empfand. Kibaki hingegen ist ein Kikuyu - dieser größte Stamm in Kenia dominiert Politik und Wirtschaft seit der Unabhängigkeit im Jahr 1963.

Quelle: FAZ.NET mit AP

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Shabaab-Miliz Deutscher Islamist von kenianischen Behörden gesucht

Die kenianische Polizei hat eine Belohnung von zehn Millionen Schilling für die Ergreifung eines deutschen Islamisten ausgelobt. Er soll an einem Angriff der somalischen Shabaab-Miliz auf einen Militärstützpunkt beteiligt gewesen sein. Mehr Von Thomas Scheen, Johannesburg

18.06.2015, 17:20 Uhr | Politik
Al Shabaab-Miliz 147 Tote bei Massaker auf Universität in Kenia

Bei einem Anschlag der islamistischen al Shabaab-Miliz auf eine Universität in Kenia wurden 147 Menschen getötet und fast 80 Menschen verletzt. Mehr

03.04.2015, 10:45 Uhr | Politik
Kämpfe um Kobane Kurden vertreiben IS-Miliz

Nach dem Überraschungsangriff der Terrormiliz IS haben kurdische Einheiten die nordsyrische Stadt Kobane wieder komplett unter ihre Kontrolle gebracht. Der militärische Erfolg ist überschaubar. Mehr

27.06.2015, 14:52 Uhr | Politik
Kenia 15 Tote bei Islamisten-Angriff auf Universität

Bei einem islamistisch motivierten Angriff auf eine Universität in Kenia wurden 15 Menschen getötet. Die Angreifer sollen zudem zahlreiche christliche Studenten als Geiseln genommen haben. Mehr

02.04.2015, 16:07 Uhr | Aktuell
Völkermord-Prozess Die langen Schatten von Srebrenica

In Den Haag endet bald einer der wichtigsten Prozesse des UN-Kriegsverbrechertribunals. Ist Radovan Karadžić mitschuldig an einem der größten Verbrechen Europas nach 1945? Und was sagt der Fall über den Balkan heute? Mehr Von Michael Martens, Belgrad

19.06.2015, 10:57 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.01.2008, 22:02 Uhr

Was wirklich ist

Von Jasper von Altenbockum

Die wichtigste Botschaft der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts blieb unausgesprochen: Die Sicherheitsdebatte in Berlin hat sich von der Wirklichkeit weit entfernt. Mehr 3 45